Das Teleskop
Ein Geschenk des Himmels

Teleskop vor Sternenhimmel
© Public Domain

Diese Ikone der Wissenschaft hat unser Weltbild einst aufgerüttelt: das Teleskop. Erfunden wurde es vor etwa 400 Jahren in den Niederlanden. Während sein Erfinder den Blick in die Ferne am Boden suchte, richteten Wissenschaftler und Entdecker aus Italien und England ihren Blick gen Himmel.

Von Myriam Beeckman

  • FOTO 1/ Galileo Galilei mit seinem Teleskop auf dem Piazza San Marco, Venedig. Holzschnitt.  © Wellcome Collection


    Seit Anbeginn der Zeit ist der Mensch fasziniert von allem, was am Firmament funkelt und sich dort bewegt. Nicht so verwunderlich, denn unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen allesamt in den Sternen geschrieben. Nicht? Zugleich versuchen Wissenschaftler noch immer, das größte Mysterium von allen zu lösen: Sind wir wirklich die einzigen im Universum?

    Dass wir den Weltraum überhaupt so genau untersuchen können, ist einer Erfindung von vor etwa 400 Jahren zu verdanken: dem Teleskop. Seit seiner Erfindung hat es zahlreiche spektakuläre Einblicke zutage gefördert und unser Weltbild ein ums andere Mal verändert. Das Teleskop ist daher zu Recht eine Ikone der Wissenschaft.

    Bild: Galileo Galilei mit seinem Teleskop auf dem Piazza San Marco, Venedig. Holzschnitt. © Wellcome Collection. CC-BY-4.0

  • Von der Brillenwerkstatt bis zum Schlachtfeld © Public Domain

    Von der Brillenwerkstatt bis zum Schlachtfeld

    Wer genau das erste Teleskop erfunden hat, ist bis heute nicht völlig geklärt. Klar ist aber, dass Hans Lipperhey, ein Brillenschleifer aus Middelburg in den Niederlanden, 1608 als erster ein Patent für das Teleskop anmeldete. Das war eine einfache Röhre mit zwei Linsen, die es ermöglichte, Objekte in der Ferne um ein Vielfaches vergrößern. Das Patent wurde Lipperhey jedoch nicht gewährt. Jacob Metius und Sacharias Jansen beanspruchten die Erfindung ebenfalls für sich und die niederländische Obrigkeit urteilte, dass die Erfindung bereits zu bekannt und zu leicht nachzubauen sei.

    Die ersten Teleskope lösten eine wahre Revolution in der Kriegsführung aus, denn durch sie war der Feind schon von Weitem sichtbar.

    Abbildung: Frühe Darstellung eines "niederländischen Teleskops" aus der "Emblemata von Zinne-Werck" (Middelburg, 1624) des Dichters und Staatsmannes Johan de Brune (1588-1658). © Adriaen van de Venne. Public domain.

  • Ein Replik von dem aller ersten Teleskop von Galileo Galilei © Museo della Scienza e della Tecnologia "Leonardo da Vinci"

    Bahnbrechende Beobachtungen

    Knapp ein Jahr später, 1609, hat der italienische Physiker Galileo Galilei von der niederländischen Erfindung Wind bekommen. Er baute seine eigene, verbesserte Version, um Himmelskörper zu untersuchen. Galilei war der erste, der den Mond, die Sonne, die Venus und die gesamte Milchstraße ganz nah sah. Er machte eine Reihe bahnbrechender Entdeckungen und gilt als Begründer der modernen Astronomie.

    Foto: Eine Nachbildung des frühesten noch erhaltenen Teleskops, das Galileo Galilei zugeschrieben wird. © Museo della Scienza e della Tecnologia "Leonardo da Vinci". CC-BY-4.0.
     

  • Ein Linsenteleskop aus dem 18. Jahrhundert © Alma Pater


    Linsensystem: einfach, aber begrenzt

    Linsenteleskope arbeiten nach einem einfachen System, sind aber nicht für sehr hohe Vergrößerungen geeignet. Dies erfordert eine dicke Linse. Aber je dicker die Linse, desto mehr wird das Bild verzerrt. Darüber hinaus verursachen Objektivbetrachter oft Farbfehler, weil die Linse das Licht wie ein Regenbogen bricht. Linsenteleskope werden heute hauptsächlich von Amateurastronomen genutzt.

    Foto: Ein Linsenteleskop aus dem 18. Jahrhundert – Bibliothek Vilnius Universität, Litauen. © Alma Pater. CC BY-SA 3.0.

  • Ein Spiegel für den Meister © Public Domain


    Ein Spiegel für den Meister

    Bereits 1668 entwarf der englische Physiker Isaac Newton sein erstes Spiegelteleskop. Ein Spiegel gibt das Bild exakt und ohne Farbfehler wieder. Auf diese Weise konnte Newton seine Entdeckungen noch weiter ausbauen. Und er ebnete den Weg zu immer größeren und besseren Teleskopen.

    Bild: Das erste Spiegelteleskop des britischen Wissenschaftlers Isaac Newton aus dem Jahr 1668. © David Brewster. Public domain.


      

  • Das größte funktionsfähige Spiegelteleskop der Welt: das Gran Telescopio Canarias (GTC) , La Palma. © Pachango

    Das Fortschrittlichste

    In den nächsten 350 Jahren sind die Teleskope immer besser und größer geworden. Denn je größer die Spiegelfläche, desto mehr Licht fängt das Teleskop ein. Auf diese Weise kann ein Bild maximal vergrößert werden und gleichzeitig messerscharf bleiben. Das derzeit größte Spiegelteleskop der Welt ist das Gran Telescopio Canarias auf La Palma mit 10,4 Metern Durchmesser. Die Spiegelsegmente sind hauchdünn und werden separat mit Hilfe modernster Computertechniken für hochpräzise Aufnahmen gesteuert.

    Foto: Das größte funktionsfähige Spiegelteleskop der Welt: das Gran Telescopio Canarias (GTC) , La Palma. © Pachango. CC-BY-SA-3.0.
     

  • Ein Entwurf von dem E-ELT auf den Cerro Armazones in Chile, hier vorgestellt von einem Künstler. © ESO/L. Calçada

    Das größte Auge der Welt

    Aber das größte Spiegelteleskop soll diesem nahekommen und in Europa gebaut werden. Das European Extremely Large Telescope (E-ELT) ist zurzeit noch in Bau und soll 2024 fertiggestellt werden. Mit einem Durchmesser von ungefähr 39,3 Metern ist es das größte Auge der Menschheit in das Universum. Es soll noch weiter in die Ferne schauen können als das Hubble-Weltraumteleskop. Die Welt bereitet sich auf eine beispiellose wissenschaftliche Revolution vor.

    Foto: Ein Entwurf von dem E-ELT auf den Cerro Armazones in Chile, hier vorgestellt von einem Künstler. © ESO/L. Calçada. CC-BY-4.0.
     

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