Eröffnung der Werkstatt
Stolpersteine

Stolpersteine Sophialaan 47, Amsterdam
© Goethe-Institut Niederlande, Michel van Es

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.

 

Von Ulrike Ziegler, Alexander Stukenberg, Stichting Stolpersteine

Die STIFTUNG – SPUREN – GUNTER DEMNIG wird ab Juni mit der Produktion von Stolpersteinen in den Niederlanden beginnen. Die Gedenksteine werden zu Beginn in einem eigens dafür gebauten Atelier im Garten des Goethe-Instituts Amsterdam hergestellt. Durch diese weitere Kreativstätte neben Berlin und Elbenrod können die Wartezeiten für die Anfrager von Stolpersteinen deutlich verkürzt und in Zukunft mehr Steine gelegt werden.

Stolpersteine, 1992 entworfen durch den deutschen Künstler Gunter Demnig, sind kleine Gedenksteine mit einer Messingoberfläche, mit denen den Opfern des Nationalsozialismus gedacht wird. Jeder von Hand hergestellter Stein trägt den Namen einer Person, mit deren Geburtsjahr und deren Schicksal. Die Gedenksteine werden meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer in den jeweiligen Gehweg eingelassen, so dass die früheren Bewohner:innen nicht vergessen werden.
In den vergangenen Jahren stieg die Nachfrage nach Stolpersteinen in den Niederlanden zunehmend an. Dies führte zu langen Wartezeiten für Hinterbliebene, Familienmitglieder, Bewohner:innen, Nachbar:innen und Organisationen, die die Steine angefragt haben.

"Um die Situation zu verbessern, hat Gunter Demnig eine Lösung gesucht und gefunden, nämlich die Stolpersteine direkt in den Niederlanden herzustellen", sagt Alexander Stukenberg, der als Direktor der niederländischen Stichting Stolpersteine in Amsterdam tätig ist. Stukenberg hat im April dieses Jahres eine Schulung von Gunter Demnig und Stolperstein-Gestalter Mario Schulz erhalten, die Messingtafeln mittels eines Hammers und Schlagbuchstaben zu beschriften. Ab Juni wird Stukenberg offiziell für die STIFTUNG – SPUREN – GUNTER DEMNIG arbeiten und weiterhin die Stiftung Stolpersteine in den Niederlanden auf ehrenamtlicher Basis leiten.

Der deutsche Botschafter Dirk Brengelmann unterstrich: "Drei Viertel der jüdischen Bevölkerung der Niederlande sind während der deutschen Besatzung 1940-1945 ermordet worden – mehr als in jedem anderen Land in West-Europa. Es gab insgesamt mehr als 200.000 Opfer des nationalsozialistischen Terrors. Dass wir nun durch die Herstellung der Stolpersteine in den Niederlanden die Möglichkeit bekommen, all der Opfer individuell zu gedenken, war uns sehr wichtig."

Jetzt werden Stolpersteine in dem eigens dafür gebauten Atelier in Amsterdam produziert. Damit ist das hiesige Stolperstein-Atelier das einzige seiner Art außerhalb Deutschlands und soll es auch bleiben. Das Goethe-Institut in Amsterdam hat dafür viel Platz im Garten des Instituts an der Herengracht zur Verfügung gestellt.

Atelier Stolpersteine © Goethe-Institut Niederlande Mikko Fritze, vormaliger Leiter des Goethe-Instituts Niederlande: "Als wir hörten, dass Stolpersteine in den Niederlanden produziert werden sollen, haben wir sofort angeboten, eine Werkstatt bei uns zu errichten. Wir sind stolz und froh die Gelegenheit zu bekommen, dieses Projekt unterstützen sowie voranbringen zu können. Es ist uns wichtig, die Erinnerung wach zu halten und dabei zu helfen, den Menschen die Geschichte der Opfer des Nationalsozialismus näher zu bringen."

Nebst dem Ort für das Atelier und einem finanziellen Zuschuss hat das Goethe-Institut auch personellen Einsatz geleistet. Das hölzerne Atelier wurde von Norbèr van Herwaarden, Facility Manager des Goethe-Instituts, gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Team von Stichting Stolpersteine entworfen und gebaut.

Private Sponsoren aus den Niederlanden und den USA haben das Projekt großzügig finanziell mit unterstützt.

Interessierte Besucher sind willkommen und können den Produktionsprozess von Stolpersteinen durch die großen Fenster des Ateliers beobachten.

Momentan geht dies nur auf Anfrage!

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