2021
Andreas Kempe

Andreas Kempe: Lichtverlauf Tür
Andreas Kempe: Lichtverlauf Tür | © Andreas Kempe

Grafiker-in-Residence 29. Mai bis 29. Juni 2021, Rotterdam

Ein zentrales Thema des Künstlers Andreas Kempe ist die Natur. Zivilisatorisch überformt, vermeintlich unberührt oder bedroht, bildet sie unseren Lebens- und Reflexionsraum. Sein künstlerisches Ziel ist es, dringliche Probleme unserer Existenz aus einer persönlichen, intimen Position heraus abzuleiten. Dafür untersucht er unter anderem das Archiv des Biologen und Naturschützers Reinhard Kempe, angelegt seit 1960. Die Sammlung von Dias, Super-8-Filmen und botanischen Materialien folgt wissenschaftlicher Systematik, weist aber auch den ästhetischen Rhythmus eines Bildatlas auf. Durch mediale Transformationen bzw. installative Auswertung verdichten sich die "Pathosformeln" der Konvolute zu einem ökologischen und visuellen Imperativ – wie in Terra uligunosa (2020) wo er mit ca. 500 digitalisierten Dias nur einen Bruchteil der Diakästen in eine Raumkonzeption übersetzte. Wesentlicher Bestandteil seiner Arbeitsweise ist die Zeichnung und ihre Übertragung in druckgrafische Verfahren. Kempe nutzt hierbei traditionelle Drucktechniken wie Radierung, Monotypie und Siebdruck. Neben diesen Drucken und dem damit verbundenen jeweiligen Druckprozess, entwickelt er seit mehreren Jahren digitale Zeichnungen, die in ihrer Erscheinung der Radierung sehr ähnlich sind, aber in ihrer Anlage und Aufbau auf eine ganz andere Weise entstehen. Für sein Arbeitsvorhaben im Grafisch Atelier Minnigh in Rotterdam plant er die Erarbeitung eines originalgrafischen Künstlerbuches mit Motiven aus der Serie Canopy [The Word for World is Still Forest] und Materialien aus dem Archiv seines Vaters. Die Grundlage der Serie sind Fotografien, die er 2017 in Columbus/Ohio (USA) begonnen und seither kontinuierlich in verschiedenen Städten (New York, Chicago, Dresden, Venedig, Rotterdam) erweitert und eine Moossammlung aus den 1980er bis 2000er Jahren von Reinhard Kempe. Das originalgrafische Künstlerbuch soll in einer kleinen Auflage als assoziativ-phänomenologische Material- und Motivsammlung erscheinen.
 
Andreas Kempe © Andreas Kempe Andreas Kempe studierte Malerei/Grafik bei Claus Weidensdorfer und Elke Hopfe und Übergreifendes künstlerisches Arbeiten bei Ulrike Grossarth an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, wo er 2002 bei Ulrike Grossarth sein Meisterschülerstudium absolvierte. Es folgten Reise - und Arbeitsstipendien der Landeshauptstadt Dresden und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen in Dresden, Thessaloniki und Columbus/Ohio (USA). Er ist Mitbegründer der Galerie Ursula Walter, einem Ausstellungsraum für Zeitgenössische Kunst in Dresden und seit 2013 zusammen mit Patricia Westerholz deren künstlerischer Leiter. Kempes Arbeiten befinden sich in verschiedenen öffentlichen und privaten Sammlung wie z.B. dem Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Kustodie der TU Dresden und der Sammlung der Bundesrepublik Deutschland und waren in diversen nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen.

In Kooperation mit CBK R'dam, Stichting Minnigh und der Landeshauptstadt Dresden.

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