Vortrag | Diskussion Carola Hein + Joachim Wolschke-Bulmahn: Ideologie und (Landschafts-)Architektur

Hans Jungerius: Verboden Landschap © privat

Do, 30.06.2022

20:00

Goethe-Institut Rotterdam

Investigating Landscapes | Rotterdam Architectuurmaand

Registrierung Wir wissen, dass die Nationalsozialisten der Architektur eine wichtige Rolle bei der Verbreitung ihrer Ideologie einräumten. Wer kennt sie nicht, die theatralische Architektur Albert Speers, etwa seine größenwahnsinnigen Pläne für Berlin? Weit weniger bekannt sind die Ideen und Pläne in Bezug auf Planologie und Landschaftsarchitektur. Im Rahmen des Generalplans Ost sollten große Teile Polens, Weißrusslands und der Ukraine in eine "germanische" Wehrlandschaft umgewandelt werden, mit neuen Städten und einer Autobahn bis nach Moskau: eine militärische Umgestaltung der gesamten Region. 

Aber auch in den Niederlanden wurde während der deutschen Besatzung nationalsozialistische Landschaftsarchitektur umgesetzt. Nördlich von Arnheim, versteckt in den Wäldern der Veluwe, befindet sich eine Tarnlandschaft, die mit landwirtschaftlichen Bauten und einer aus der Luft agrarisch anmutenden künstlichen Landschaft einen der größten Flugplätze Europas vor den Alliierten verbergen sollte. Es bestehen heute noch über 200 als Bauernhäuser und Scheunen getarnte Bauten, die in einer Reihe von "Dörfern" gruppiert waren. Seit 2007 ist die Tarnlandschaft rund um den Flugplatz Deelen nach der Hollandse Waterlinie das zweitgrößte Reichsmonument der Niederlande.

Welcher Umgang ist der Richtige, wenn es um ideologisch kontaminierte Bauten und Landschaften geht? Welche Besonderheiten gilt es zu berücksichtigen, wenn nationalsozialistische Hinterlassenschaften in den Niederlanden Kulturerbe werden? Über diese und weitere Fragen sprechen Carola Hein und Joachim Wolschke-Bulmahn anhand konkreter Beispiele aus Deutschland und den Niederlanden.

Über die Sprecher:

Carola Hein ist Professorin für Architekturgeschichte, Kulturerbe, Stadtforschung und Stadtentwicklung an der Technischen Universität Delft, der Universität Leiden und der Erasmus Universität Rotterdam. Darüber hinaus hat sie seit 2022 den UNESCO-Lehrstuhl Water, Ports and Historic Cities inne.

Joachim Wolschke-Bulmahn ist emeritierter Professor für Landschaftsarchitektur an der Universität Hannover. Einer seiner Forschungsschwerpunkte liegt in der Geschichte der Landschaftsarchitektur im 20. Jahrhundert, insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus. 

Zurück