Gespräch Überfällige Worte – Fiktives Gespräch zwischen Klaus und Thomas Mann

Überfällige Worte – Fiktives Gespräch zwischen Klaus und Thomas Mann © Klaus Mann Initiative Berlin e.V.

Di, 16.04.2019

Goethe-Institut Amsterdam

Herengracht 470
Amsterdam

Anläßlich des 70. Todesjahres des berühmten deutschen Schriftstellers Klaus Mann (1906-1949), Sohn des ebenfalls großen Schriftstellers Thomas Mann, kommt eine Delegation der literarischen Gesellschaft Klaus Mann Initiative Berlin nach Amsterdam.
Unter dem Titel Überfällige Worte – Fiktives Gespräch zwischen Klaus und Thomas Mann, führen Konstantin Rau, Politologe an der Freien Universität Berlin, und Frank Träger, Vorsitzender der Geselschaft, einen (fiktiven) Dialog über das besondere Verhältnis zwischen Vater (Nobelpreisgewinner) und Sohn Mann. Thematisiert wird vor allem die doch recht schwierige Seite, die dieses Verhältnis auszeichnete.
Der Dialog findet auf Deustch statt, aber die Veranstaltung ist – soweit möglich – zweisprachig.

Programm

• 19:30 Uhr: Empfang
• 20:00 Uhr: Begrüßung durch Margreet den Buurman, niederländische Mann-Expertin, Autorin und Herausgeberin von Mann-Studien
• 20:15 Uhr: Frank Träger & Konstantin Rau: Überfällige Worte – Fiktives Gespräch zwischen Klaus und Thomas Mann
• 21:00 Uhr: Interview über den Text und die Produktion
• 21:30 Uhr: Follow-up- und Publikumsfragen mit den Akteuren und Cees Steeman
• 22:00 Uhr: Schlusswort


Am 21. Mai 1949 starb Klaus Mann "von eigener Hand" in Cannes. Eine vielschichtige Gemengelage aus persönlichen und gesellschaftlichen Gründen hatte zu dieser verhängnisvollen Entwicklung geführt. Schon seit mindestens fünfzehn Jahren plagten Klaus Mann Stimmungsschwankungen. Das Experimentieren mit Drogen – nachhaltig beschrieben in seinem Roman Treffpunkt im Unendlichen – führte zu Abhängigkeit und Sucht. Die Jahre der Emigration waren von rastloser Arbeit geprägt: Kraftquell in diesen Jahren waren sein Wirken als verantwortungsvoller Intellektueller und die unstillbare Hoffnung, mit der Macht des Wortes etwas bewegen zu können. Misserfolge bei der Sammlung antifaschistischer Kräfte nährten Zweifel und verschärften seine Depressionen. Als Konsequenz schloss sich der einstige Dandy der US-Army an und wurde Teil einer militärischen Maschinerie. Der bittere Lohn nach der Niederringung des NS-Regimes war der Kalte Krieg, der alle Hoffnungen Klaus Manns auf einen Neuanfang in Deutschland, Europa und der Welt zerstörte. Das Prinzip Hoffnung hatte für ihn ausgedient.

Thomas Mann beantwortete den Freitod seines Sohnes in Cannes zunächst mit anklagenden Worten und sah keinen Anlass, seine Vortragsreise durch Schweden für dessen Beerdigung zu unterbrechen. Diese Tatsachen führten zu offensichtlichen Trugschlüssen über das Verhältnis zwischen Vater und Sohn: Nur kurze Zeit später schrieb Thomas Mann eine Art Nachruf auf seinen Klaus, der von tiefem Respekt, Empathie und Trauer durchdrungen war. Das Resümee des Vaters: "Er starb gewiss auf eigene Hand und nicht, um als Opfer der Zeit zu posieren. Aber er war es in hohem Grade." Dieser Nachruf war das Vorwort des Bandes Klaus Mann zum Gedenken, den Erika Mann ein Jahr nach dem Tod ihres Bruders auf den Weg brachte. Es war zugleich die letzte Veröffentlichung des Querido Exilverlages, Amsterdam.

Das von Mitgliedern der Klaus Mann Initiative Berlin erarbeitete fiktive Gespräch zwischen Vater und Sohn orientiert sich an literarischen Werken beider Autoren und am aktuellen Stand der Forschung. Auf spekulative Elemente wurde bewusst verzichtet. Fiktiv ist, dass der Sohn, der Anfang 1949 die Absicht geäußert hatte, dieses Jahr nicht überleben zu wollen, vor seinem Freitod das Gespräch mit dem Vater sucht. Zu ihm hatte Klaus ein ambivalentes Verhältnis: Einerseits stand er von Anfang an im Licht des Literaturnobelpreisträgers, andererseits grämte er sich in dessen Schatten und schöpfte seine Identität aus dem Status, ein Gegenentwurf zum berühmten Vater zu sein. Und so wurde eine Gemeinsamkeit zu einem Konfliktfeld: Vater und Sohn gingen höchst unterschiedlich mit ihrer Homosexualität um. Es ist kein Austausch zwischen Vater und Sohn in dieser Frage nachweisbar. Das fiktive Gespräch konfrontiert diesbezügliche Zitate aus Leben und Werk Thomas und Klaus Manns ohne der Versuchung zu erliegen, beide auf das Thema Homosexualität zu reduzieren.

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