Buchpräsentation | Gespräch Der Nürnberger Lernprozess | Herausgeber Steffen Radlmaier im Gespräch mit Krijn Thijs

Steffen Radlmaier: Het proces van Neurenberg © Uitgeverij Cossee

Di, 18.05.2021

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Über das Buch:

Der Nürnberger Lernprozess – Von Kriegsverbrechern und Starreportern (niederländischer Titel: Het proces van Neurenberg – Oorlogsmisdadigers, sterreporters en het eerste internationale gerechtshof), Übersetzung: Janine Langeveld.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schrieb das Nürnberger Tribunal ein neues Kapitel in der Geschichte des Völkerrechts. Wenige erinnern sich heute noch daran, wie es dabei zuging. Der Prozess gegen die Nazi-Größen war ein Medienereignis erster Ordnung. Scharen von Reportern brachen 1945/46 in die zertrümmerte Stadt ein, unter ihnen Willy Brandt, der für die skandinavische Presse schrieb, und der Amerikaner William Shirer. Selbst China hatte einen Berichterstatter entsandt.
Aber vor allem waren Schriftsteller aus der ganzen Welt angereist: Ernest Hemingway und Erika Mann, Ilja Ehrenburg und Louis Aragon, John Steinbeck, Erich Kästner, Konstantin Fedin, Robert Jungk, Martha Gellhorn, Victoria Ocampo, Peter de Mendelssohn, Rebecca West, John Dos Passos ... eine glänzende Liste, die sich fortsetzen ließe.
Die Berichte dieser Autoren sind seither in Vergessenheit geraten. Steffen Radlmaiers Recherche zeigt, dass sie mehr als alle Prozessakten über die Atmosphäre und die Wechselfälle des Prozesses sagen. Es sind Impressionen aus erster Hand. Das Weltgericht tagte nicht nur im Schwurgerichtssaal 600, sondern auch, bei Whisky und Wodka, im Bleistiftschloss der Faber-Castell, das als internationales Pressecamp diente. Die Unmittelbarkeit dieser Zeugnisse versetzt den Leser in eine Zeit, von der sich die Nachgeborenen kaum eine Vorstellung machen können.
Für die Chronologie der Ereignisse sorgen Meldungen aus der Tagespresse. Auf diese Weise vergegenwärtigt das Buch auch den Verlauf des Prozesses und das Ende der Angeklagten.

Herausgeber Steffen Radlmaier und der niederländische Historiker Krijn Thijs (Duitsland Instituut Amsterdam) diskutieren am 18. Mai 2021 über dieses vielbesprochene Buch.

Über die Sprecher:

Steffen Radlmaier © Alice Radlmaier Steffen Radlmaier, Jahrgang 1954, ist Musikkritiker und Feuilletonchef der Nürnberger Nachrichten und hat bereits etliche Bücher veröffentlicht, u.a. Mein Song – Texte zum Soundtrack des Lebens (2005), Die Joel-Story (2009), Das Nürnberg-Lesebuch (2010) und Ein Herz für Franken (2013). Für das Radiofeature Wäschehändler, Weltbürger und ein Weltstar – Billy Joel und seine Familiengeschichte erhielt er 1997 den 1. RIAS-Radio-Preis.


Krijn Thijs ist Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Duitsland Instituut Amsterdam (DIA). Er studierte Geschichte an der Freien Universität in Amsterdam und schrieb anschließend am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam eine Dissertation über den politischen Gebrauch der Berliner Stadtgeschichte im Dritten Reich, der DDR und West-Berlin. Seit 2009 ist er beim DIA tätig. Er betreut das DAAD-Graduiertenkolleg, organisiert Workshops und Vorträge und lehrt an der Universität Amsterdam (Geschichte, Deutschlandstudien).

In Zusammenarbeit mit Uitgeverij Cosse, dem Duitsland Instituut Amsterdam und der Genootschap Nederland Duitsland.

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