Benedict Wells

 

Music: © looperman.com. Loop „Ibr87“ by tr0y.

 

 

Transkript

Sinah: Faulenzer oder Überflieger?
Benedict: Ich bin ein Überflieger in Sachen schreiben, aber das ergibt nicht so viel Sinn, da ich normalerweise eher ein Faulenzer bin.
 
Sinah: Frühaufsteher oder Nachteule?
Benedict: Nachteule, definitiv!
 
Sinah: All-inclusive oder Road trip?
Benedict: Das ist schwierig, weil ich eher all-inclusive bevorzuge, aber der Road Trip klingt vielversprechend, also beides.
 
Sinah: Taschenbuch oder eBook?
Benedict: Ganz klar, Taschenbuch. In Deutschland gibt es kaum eBooks.
 
Sinah: Beck’s Last Summer oder The End of Loneliness?
Benedict: Das ist eine gemeine Frage! Nein. Natürlich antworte ich nicht. Es wäre so, eine Mutter zu fragen welches ihrer Kinder sie bevorzugen würde.
 
Sinah: Wie viel Zeit hast du dir gegeben ein Schriftsteller zu werden?
Benedict: Ich habe mit 19 Jahren angefangen zu schreiben, als ich gerade aus der Schule kam. Ich habe mich entschieden ein Schriftsteller zu werden und habe mir eine Frist von zwei Jahren gestellt. Zwei Jahre lang werde ich arbeiten und schreiben und falls ich es bis dahin nicht geschafft haben sollte, dann habe ich immer noch genug Zeit zu studieren.
Ich habe den Plan nach zwei Jahren verfehlt, mich dennoch verbessert. Daher habe ich mir zwei weitere Jahre gesetzt. Nach drei Jahren war ich verwöhnt und verloren für das ‚normale‘ Leben. Ich habe realisiert, dass ich es wirklich liebe und nichts anderes machen möchte. An diesem Punkt habe ich eingeschätzt in den Zwanzigern ein Schriftsteller zu werden.
Das Eine ist das Timing und das Andere ist das Gefühl mit dem Scheitern leben zu können. Es schmerzt andauernd abgelehnt zu werden. Nach vier Jahren war ich soweit nach Edinburgh zu ziehen und Deutschland zu verlassen, um dem Druck zu entkommen. Meine Familie und Freunde haben mich immer zu gefragt, ob ich denn schon etwas veröffentlicht hätte und ob ich denn nicht noch etwas anderes mach wollte. Ich hätte es so nicht mehr länger aushalten können. Ich war sehr glücklich, dass es dann auch nach 4-5 Jahren geklappt hat.
 
Sinah: Wie viele Neben-Jobs hattest du während der Zeit?
Benedict: Der beste war in einem Kino, das war echt super, aber es wurde geschlossen. Andere Jobs …Ich war Barkeeper, Nacht Schichten in einem Hotel, ich habe auch einmal als Redakteur für einen Fernsehsender gearbeitet. Eine sonderbare Mischung, aber ich war immer glücklich einen Job zu haben.   
 
Sinah: Wieso hat es dich sieben Jahre gebraucht deinen Roman The End of Loneliness fertigzustellen?
Benedict: Das Buch beschreibt 35 Jahre. Wieso sollte man die Verlobung von der Schwester, aber nicht die Hochzeit von dem Bruder beschreiben? Wieso macht man das Eine und verheimlicht das Andere?
Im Laufe der Zeit hatte das Buch ganze 800 Seiten und ich musste es kürzen, da musste ich häufig über solch eine Frage nachdenken. Was kann ich in die Gedanken der Leser setzen und was muss ich zeigen.  Und dann habe ich auch eine falsche Entscheidung getroffen, da ich die Ich-Perspektive in die dritte Perspektive  - das war ein großer Fehler.
Ich habe realisiert das Jules nicht das ganze Buch tragen kann, da er ja die ganze Zeit vor der Kamera steht, deswegen kann er nicht das ganze Buch tragen. Ich musste ihn hinter die Kamera bringen, mit seiner besonderen Sichtweise – seinen Erinnerungen – er lässt die anderen Leute, zum Beispiel seine Geschwister die kontaktfreudiger, scheinen. Das war ein Fehler, welcher mich ein ganzes Jahr gekostet hat.
Die Distanz zur Sprache ist sehr wichtig, wenn man normalerweise (Becks Last Summer) die Charaktere sortiert - man hat einen Sommer und die Geschichte kommt nach 50 oder 60 Seiten ins Rollen. Aber für The End of Loneliness ist es fünf Jahre später, fünf Jahre später, fünf Jahre später … Also muss man alles einpacken und fünf Jahre später wieder auspacken, mit einer sanften Einleitung. In diesem Fall ist die Sprache sehr wichtig, um einen weiterhin anzusprechen und mit dem lesen fortzuführen.
 
Sinah: Wie viele Bücher hast du noch in dir?
Benedict: Ich werde eventuell eine Trilogie oder irgendetwas wie Stranger Things (Serie) schreiben. Wenn ich das nicht zählen lasse, also nur die Romane, … 4-5 Bücher.
Vielleicht kommen eins oder zwei noch extra aus dem Ärmel, die ich jetzt noch nicht sehen kann, aber normalerweise sehe ich immer ziemlich weit im Voraus. All die Bücher die ich bis jetzt geschrieben habe, konnte ich schon mit 19 Jahren vor mir sehen.
Daher würde ich sagen, dass ich jetzt nicht allzu viele vor mir sehe. Ich schätze meine jetzige freie Zeit sehr und dass ich mich nicht beeilen muss ein Buch heraus zubringen. Ich bin nicht so eine Art Schriftsteller, da ich alles was ich habe und kann in die Bücher stecke. Ich lass mir Zeit.