Berlinale-Blogger 2017 Warum die Berliner die Berlinale lieben

Warum die Berliner die Berlinale lieben
Warum die Berliner die Berlinale lieben | © Berlinale

Donnerstag, 9. Februar 2017, 9 Uhr morgens, Alexanderplatz. Wir sitzen in in der U-Bahn-Linie U2 in Richtung Potsdamer Platz. Fast alle Fahrgäste halten ihr Handy in der Hand. Ein Mann neben uns jedoch liest Zeitung. Die Überschrift des aufgeschlagenen Artikels: „Die in Berlin am meisten erwarteten Stars“.

Haltestelle Klosterstraße. Ein Mann und eine Frau kommen herein, beide haben das Programm der Berlinale in der Hand. Hinter ihnen spricht ein junger Mann in sein Handy. Um den Hals trägt er den Berlinale-Badge, den gleichen, den wir jetzt am Hyatt-Hotel abholen wollen, damit wir am Mittag im riesigen Berlinale-Palast (mit gut 1600 Sitzen) den Eröffnungsfilm Django anschauen können. Journalisten dürfen die Filme nämlich vorab sehen. Für das Publikum werden die Filme einige Stunden später gezeigt, dann aber in Anwesenheit des Regisseurs und der Schauspieler.

Ein Festival für das Publikum

Wenn Venedig das älteste Festival der Welt ist (1932) und Cannes das mit dem meisten Glamour (50 Prozent des Etats kommt von privaten Sponsoren), so ist Berlin das Festival für das Publikum. Denn eben für das Publikum wurde das Festival 1951 gegründet, als Oscar Martay, Offizier der US-Army, die Ansicht vertrat, dass die Investition in das Kino das richtige Mittel sei, um der Stadt und ihren Bürgern wieder zu Lebendigkeit und Stolz zu verhelfen. Das Festival ist an erster Stelle für sie gedacht.

Für jeden Film sind drei bis fünf Vorstellungen vorgesehen. In Cannes kommt man nur auf Einladung hinein, in Venedig gibt es aufgrund der wenigen zur Verfügung stehenden Säle maximal drei Vorführungen pro Film. In Berlin kampieren einige Leute sogar mit Zelten vor den Verkaufsstellen (am meisten Andrang gibt es in den Arkaden am Potsdamer Platz), um sich eine Eintrittskarte zu sichern.

Letzte Vorbereitungen für den roten Teppich Letzte Vorbereitungen für den roten Teppich | © Goethe-Institut Italien | Foto: Andrea D’Addio Die Berliner lieben die Berlinale, und das Festival revanchiert sich auch dieses Jahr wieder mit über 400 Filmen in allen Sektionen (Wettbewerb, Shorts, Special, Kulinarisches Kino, Forum, Generation, Panorama, Perspektive Deutsches Kino und Retrospektive). Die am meisten erwarteten Filme? The Other Side of Hope von Aki Kaurismäki, Trainspotting 2 von Danny Boyle und The Lost City of Z von James Gray. Und folgende Stars kommen: Penelope Cruz, Robert Pattinson, Hugh Jackman und Sienna Miller.

Den Vorsitz der Jury hat der niederländische Regisseur Paul Verhoeven (Basic Instict, Total Recall) inne. Der Goldene Bär wird am 18. Februar verliehen, aber die Berlinale geht am nächsten Tag weiter: mit einem ganz dem Publikum gewidmeten Programm in über 30 über die ganze Stadt verteilten Kinosälen, die alle gleichzeitig geöffnet haben. Besser geht es nicht.