Berlinale Blogger 2017 Ein Tagebuch als Fiktionsfilm

Fra Balkongen
Foto: ©Berlinale

Ole Giævers’ zweiter Langfilm fra Balkongen zoomt mit heroischer Musik mittels Google Maps von der Weltkugel nach Grünerlokka, bis auf seinen Balkon. Sein Leben steht repräsentativ für das aller Menschen, sagt er später beim Q&A.
 

Der Narzissmus der seinem Projekt innewohnt ist ihm so bewusst, dass es mir Spass macht. Was mich betrifft klappt es: Sein Film repräsentiert erschreckend genau einen kleinen Ausschnitt meines Lebens, als ich im Stadtteil der Künstler mit einem glatzköpfigen norwegischen Autor lebte, der versuchte in seiner Arbeit, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verwischen.
Wenn sie ironisch sprechen heben meine norwegischen FreundInnen netterweise den kleinen Finger, ein kleines Zeichen, damit ich es als humorlose Deutsche begreife. 

Hier benötige ich keinen kleinen Finger-Wink. Die Welt ist groß, der glatzköpfige Ole ist klein und trinkt im Winter Tee auf seinem Balkon, wo er in sein MacBook tippt. Mit seinen 38 Jahren ist er im Vergleich zu den Jahrmillionen des Universums ein kleiner Pups. Ole ist auf der Suche nach seinem Ich und dessen Sinn auf der Erde. Als ich ihn da sitzen sehe, kreische ich innerlich: „Oh nein, der Regisseur spielt die Hauptrolle!“ Dann lerne ich seine Familie kennen. Und werde langsam eifersüchtig. Ein Tagebuch als Fiktionsfilm. Gute Idee! Je tiefer ich in Oles Privatleben eintauchen muss, desto universeller werden seine Aussagen, desto wichtiger erscheint mir der Film. Immerhin spricht hier ein Mann über seine Gefühle und das nicht zu knapp.