Berlinale Blogger 2017 Tania for President!

Tania Libre
Foto: © Berlinale

Die Deutsch-Französische Co-Produktion „Tania Libre“ ist der zweite Dokumentarfilm von Lynn Hershman Leeson. In der ersten Reihe erschrecke ich, als ich in Dr. Frank Ochbergs, einem amerikanischen Trauma-Psychologen, große haarige Nasenlöcher blicke.
 

Das Close-up von Tania Bruguera ist nicht vorteilhafter, doch leichter zu ertragen.
Es geht um Kunst und Politik - um Totalitarismus und Redefreiheit. Eine Einstellung aus einer Performance von Bruguera, in der sie sich nackt vor dem abgetrennten Kopf eines Schafes verneigt, holt mich aus dem Tiefschlaf. Ich bin hellwach. Das Nasenloch und die gebleichten Zähne wirken nicht mehr so erschreckend. 
 
Tania ist die kubanische Ai Weiwei. Acht Monate muss sie, wegen staatskritischer Kunst ins kubanischen Gefängnis. Die Kunstwelt schenkt ihr Aufmerksamkeit, um den kubanischen Staat zu ihrer Freilassung zu drängen. Ein viel zu kurzer Ausschnitt eines Telefongesprächs der Pussy Riots mit Tania im Gefängnis adelt den Film. 
Nach ihrer Entlassung erhält die Künstlerin ihren Pass zurück und reist in die USA. Wenige Tage später trifft sie Lynn Hershman Leeson und sucht Dr. Frank Ochberg zur Therapie auf. Der Film entsteht in zwei intensiven Tagen. Danach gründet Bruguera die Hannah Ahrendt-Stiftung und will 2018 als kubanische Präsidentin kandidieren.
Let Art Rule! Tania for President!
 
Als Tilda Swinton aus Tanias Manifest der Kunst vorliest, bin ich dankbar diese kleine, filmisch unansehnliche Perle erlebt zu haben.