Berlinale Blogger 2017 Schwere Bürde für den König

Kongens Nei
Foto: © Berlinale

Mit der norwegisch-schwedisch-dänisch-irischen Koproduktion Kongens Nei erzählt Erik Pop norwegische Geschichte aus ebensolcher Perspektive, und das mehr als monumental. Für 8 Millionen Euro wird König Haakon VII  in Szene gesetzt.
 

1905 wählt das norwegische Volk nach 91 Jahren die Union mit Schweden ab - und Haakon VII zum König. Später setzt Hitler alles daran, den demokratischen Ansatz der konstitutionellen Monarchie zu zerstören. Er versucht den König zu zwingen, ohne das Parlament die Kapitulation Norwegens zu beschließen.
 
Auch die königliche Familie ist auf der Flucht und dem Bombenhagel der Nationalsozialisten hilflos ausgeliefert. Dennoch verweigert König Hakan den Verrat. Er nimmt die schwere Bürde auf sich, damit für das darauffolgende Gemetzel der Nazis verantwortlich zu sein und wird seinem Sohn zum Vorbild.
 
Die ersten 45 Minuten hält mich der Film auf Distanz, obwohl der zweistündige Monumentalfilm ohne einen einzigen Toten zu zeigen auskommt.  Kongens Nei weckt in mir die Sehnsucht nach einer Vaterfigur wie Haakon VII, den Jesper Christensen brillant inkarniert. Doch auf hunderte große und kleine Männerrollen: Helden, Politiker, Soldaten, Kommandanten, kommen zwei Ehefrauen, zwei Töchter und eine Sekretärin. Das halte ich für Geschichtsfälschung, die zudem noch durch öffentliche Mittel gefördert wurde.
 
Mit dieser Darstellung  wird nur ein weiteres Mal die klassische Geschichtsschreibung aus militärisch-männlicher Sicht nach gebetet – so viel Nationalstolz ist selbst bei Norwegern ein wenig erschreckend.