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Berlinale-Blogger 2019
Dialoge so kurz wie norwegische Sommer

Jon Ranes (auf Pferd)
Jon Ranes (auf Pferd) | Foto (Ausschnitt): © 4 1/2 Film

In dem Film „Ut og stjaele hester“ (Pferde stehlen) friert sich Trond Sander alleine durch den Winter seines Lebens. In einem verlassenen Ort im Osten Norwegens holt den 67-Jährigen plötzlich die Vergangenheit ein.

Von Alva Gehrmann

Es ist November 1999, die Jahrtausendwende steht bevor. In einer eisigen Nacht trifft Trond, verkörpert von dem schwedischen Star-Schauspieler Stellan Skarsgård, vor seinem Haus plötzlich seinen Nachbarn Lars, den er aus Jugendtagen kennt. Die wortkargen Männer verbindet ein schicksalhafter Sommer im Jahr 1948, der das Leben beider bis heute prägt.

Die Geschichte jener Wochen wird nun in diversen Rückblenden aus der Perspektive des jungen und des älteren Trond erzählt. Anfangs verbringt der 15-Jährige eine unbeschwerte Zeit in der Familienhütte. Als sein Vater sieht, dass er die wuchernden Brennnesseln vor dem Grundstück nur zaghaft mit einer Sense stutzt, rupft dieser sie mit bloßen Händen büschelweise heraus. „Wir entscheiden selbst, wann es weh tut“, sagt er zu seinem Sohn. An einem anderen Tag stibitzt Trond mit einem Freund Arbeitspferde. Er reitet an die Mähne geklammert über die Felder, bis das Tier ihn abwirft.

Stellan Skarsgård Stellan Skarsgård | Foto (Ausschnitt): © 4 1/2 Film

Idyllische Romanverfilmung

Der Film „Pferde stehlen“ basiert auf dem gleichnamigen preisgekrönten Roman des norwegischen Schriftstellers Per Petterson, der für seine poetische Sprache gefeiert wird. In seiner Heimat ist das Buch eines der beliebtesten zeitgenössischen Werke, auch international war es ein Erfolg. 

Der Film ist atmosphärisch schön gefilmt, doch manchmal wirken die sommerlichen Szenen der idyllischen Fjorde, Wälder und Flüsse ein wenig klischeehaft. So wünscht man sich insgeheim das Buch zur Hand, um zu vergleichen, wie Petterson die Natur beschrieben hat –  und wie Tronds Innensicht darin gespiegelt wird. Denn das meiste bleibt unausgesprochen, die Dialoge sind so kurz wie die norwegischen Sommer.
Die Stille wird jedoch immer wieder unterbrochen: von dramatischen Unglücken, dem Fällen der Bäume, der Feldarbeit und von der Enthüllung zweier Geheimisse des geliebten Vaters. Nach diesem Sommer wird Trond ihn nie wiedersehen.  

Die Hoffnung des Autors

Am Rande eines Empfangs während der Berlinale gesteht Petterson, er sei erleichtert, dass er den Spielfilm mag. „Etliche Norweger haben mein Buch gelesen. Ich glaube, viele Zuschauer werden sagen, dass ihnen der Film auch gefällt, andere finden vielleicht den Roman besser“, so der Schriftsteller. „Für mich ist es eine Win-Win-Situation.“ Er hoffe, dem Kinobesucher gehe es ebenfalls so.
 

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