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Berlinale-Blogger 2019
Berlin Bouncer

Berlin Bouncer: Sven Marquardt
Berlin Bouncer: Sven Marquardt | © Flare Film GmbH

Türsteher (englisch: bouncer) haben einen der härtesten Jobs der Clubszene, besonders in der Hauptstadt. Die Dokumentation „Berlin Bouncer“ begleitet drei von ihnen und porträtiert zugleich anhand ihrer Biografien den Wandel Berlins seit der Wende.
 

Da ist zum Beispiel Frank Künster, der in den späten Achtzigerjahren aus Westdeutschland kam, er arbeitete viele Jahre in der King Size Bar und bezeichnet sich als „Exzess-Betreuer“. Der Türsteher sieht seine wichtigste Aufgabe darin, die Menschen im Rausch zu begleiten. Sein Kollege Smiley Baldwin bewachte bis zum Mauerfall als amerikanischer Militärpolizist die Grenze nach Ostberlin, inzwischen führt er eine Security-Firma und steht vor privaten Clubs. Der Amerikaner vergleicht seinen Job am Einlass und die Auswahl der Gäste damit, dass er jeden Abend ein Bild male. Und dann ist da Sven Marquardt: Der 57-Jährige gilt als gnadenloser Bouncer vor dem legendären Technoclub Berghain. Marquardt kommt aus dem Osten der Stadt, er war zu Wendezeiten ein junger Punk und Fotograf.

Frank Künster Foto: © Flare Film GmbH

Anfang der Neunziger tauchten diese drei Männer wie so viele in das exzessive Nachtleben ein – und fanden dort zufällig ihren Jobs. Damals entstand in Berlin eine neue Musikkultur, zu der insbesondere Techno zählte. Drogentränkte Partys in leerstehenden Fabrikhallen, geheimen Bars oder in Kellern von Ruinen, bei denen man nur hoffen konnte, dass sie nicht einstürzen, schufen den Mythos der neuen Partymetropole. Künster gesteht offen, dass er zur „retrospektiven Glorifizierung“ neige, und auch Marquardt erinnert sich gerne an diese Zeit. Er empfand die Clubszene damals „als total wiedervereinigt (..), weil alles aus der ganzen Stadt zusammenströmte“. Für Zuschauer, die das Berlin der Neunzigerjahre miterlebt haben, sind die eingeblendeten Fotos und Filmsequenzen eine schöne Erinnerung an die wilden Zeiten.

David Dietls Film ist ein humorvolles Porträt dreier ungewöhnlicher Typen, die Abend für Abend entscheiden, wer ihre Clubs betreten darf. Die Doku erzählt auch von ihrem Leben jenseits der Tür. In manchen Momenten offenbaren die rauen Männer durchaus ihre sanfte Seite. So sagt der berlinernde Türsteher vom Berghain, dass er manchmal Mitgefühl mit den Abgelehnten habe. Und Marquardt fügt hinzu: „Wenn ick mal das Zeitliche segne, dann komme ick bestimmt in so ne Zwischenhölle, wo ick immer irgendwo klopfen und die sagen: ‚Ne, du nicht’.“

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