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Berlinale-Blogger 2019
False Belief

False Belief
False Belief | Foto: ©Lene Berg

Eigentlich wollte Lene Berg diesen Film nicht machen. Doch dann wird ihr New Yorker Lebenspartner, ein afroamerikanischer Verleger aus Harlem, in jahrelange Streitigkeiten mit seinen Nachbarn verwickelt, die ihn mehrfach ins Gefängnis bringen.

Die norwegische Filmemacherin und Künstlerin Berg zieht 2008 zu ihrem Partner, der in der Dokumentation nur D. genannt wird. Wie vielerorts spüren sie auch in Harlem die Gentrifizierung – alteingesessene Bewohner und das afroamerikanische Flair werden zunehmend verdrängt, die Polizeipräsenz dafür erhöht.

Zu den Nachbarn zählt ein schwules Paar, das ein schickes Gästehaus führt. Anfangs versteht D. sich gut mit ihnen. Irgendwann möchten die Unternehmer nicht mehr, dass die Anwohner auf den Treppen vor dem Haus sitzen. Es kommt zu ersten verbalen Streits. D. und Berg nehmen die Auseinandersetzungen zunächst nicht ernst.

False Belief Foto: © Lene Berg
Nachdem D. wegen Belästigung von Seiten eines Nachbarn bei der Polizei eine Aussage macht, wird er plötzlich verhaftet, strafrechtlich verfolgt und inhaftiert. Mit der Zeit kommen neue Anschuldigungen wie Rassismus, Homophobie und Verfolgung hinzu, ein anderes Mal wird ihm vorgeworfen, beim Händeschütteln eine Hand zu lange gehalten zu haben. Die vermeintlichen Zeugen oder Opfer können meist keine Zeit- oder Ortsangaben machen. Und doch hält die Bezirksanwaltschaft von Manhattan den Fall über drei Jahre aufrecht. Warum nur all dieser Aufwand? D. beteuert beharrlich seine Unschuld.

Berg hätte diese persönliche und unglaubliche Geschichte, die auf der Berlinale für den Amnesty-International-Filmpreis und die Teddy Awards nominiert ist, als reißerische Dokumentation inszenieren können, doch sie entschied sich dafür, diese in 105 Minuten ruhig und minimalistisch zu erzählen. Die Norwegerin zeigt einzelne Fotos des Wohnblocks, Spaziergänge im angrenzenden Park, den Blick aus dem Fenster ihres Apartments, dazu Scherenschnitte und Collagen sowie Protokolle der Gerichtsverhandlungen und vor allem in Nahaufnahme ihren Partner, der seine Version der Ereignisse darlegt.

„Der einzige Weg aus dieser kafkaesken Falle, in der sich D. befand, war zu verstehen, was mit ihm – was mit uns – passierte“, sagt Berg. Sie weiß, dass manche ihr Einseitigkeit vorwerfen werden, weil die gegnerische Seite außer in den Gerichts- und Polizeiprotokollen nicht zu Wort kommen. „Sie haben jedoch gelogen, wir nicht.“

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