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Berlinale-Blogger 2019
The Body remembers - When the World Broke Open

Elle-Máijá Tailfeathers, Violet Nelson
Elle-Máijá Tailfeathers, Violet Nelson | Foto: © Experimental Forest Films / Violator Films

Der norwegisch-kanadische Film passt in die #metoo-Zeit, er erzählt aber auch eine sensible Geschichte zweier indigener Frauen, die in derselben Nachbarschaft in Vancouver wohnen und doch ganz andere Leben führen.

Rosie schaut stoisch auf den Boden. Sie steht im strömenden Regen barfuß und verletzt am Bürgersteigrand. In der Ferne sieht man einen aggressiven Mann, der in ihre Richtung brüllt. Als Áila die junge Schwangere sieht, bietet sie ihr ihre Hilfe an und nimmt sie spontan mit zu sich nach Hause. Während Rosie bei ihrem gewalttätigen Freund und dessen Mutter lebt, hat Áila eine schicke, helle Wohnung. An der Wand hängen Fotos mit ihrem Partner in glücklichen Zeiten.

Der Zuschauer ist von nun an hautnah dabei, wie diese beiden ungleichen Frauen sich kennenlernen. Die Geschichte folgt ihren zaghaften Gesprächen und ihren zahlreichen Momenten des Schweigens fast in Echtzeit. Zum Beispiel als Rosie über Kopfhörer Schallplatten hört und Áila im Hintergrund Telefonate führt, um sich nach einem sicheren Platz für die Schwangere zu erkunden.

Sprachlosigkeit und Stille in Filmen können quälend sein, doch durch die intime Erzählweise wird man so in die Situation gezogen, dass man Rosie beim Musikhören beobachtet und sich gleichzeitig fragt: Was würde ich an ihrer Stelle tun? Würde ich zurück zu dem Vater meines Kindes gehen? Und hätte ich sie an Áilas Stelle mit nach Hause genommen? Die beiden Frauen treffen sich in verletzlichen Momenten ihres Lebens, auch Áila steckt in einer schmerzlichen Situation.

Violet Nelson Violet Nelson | Foto: © Experimental Forest Films / Violator Films „The Body Remembers When the World Broke Open“ ist der Titel eines Essays des indigenen Dichters Billy-Ray Belcourt. Für die Filmemacherinnen Elle-Máijá Tailfeathers und Kathleen Hepburn passte der Titel perfekt zu ihrem Werk. Er symbolisiere, dass indigene Frauen das Erbe des Kolonialismus in ihrem Körper tragen, aber eben auch die Stärke ihrer Vorfahren. Tailfeathers ist Blackfoot von der Kainai First Nation (Blood Reserve) und Sámi aus Nordnorwegen. Sie führte nicht nur Regie, sondern übernahm zugleich die Rolle von Áila.   

Die Filmemacherinnen arbeiteten bewusst mit zahlreichen jungen indigenen Frauen zusammen, vom Skript über den Dreh bis hin zur Postproduktion. Die Botschaft ihres einfühlsamen Films und ihrer Arbeitsweise: Sucht Hilfe beieinander und lasst uns gegenseitig beschützen so gut es geht.
 

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