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Berlinale-Blogger 2019
Midnight Traveller

Midnight Traveller
Midnight Traveller | Foto: © Old Chilly Pictures

Es gibt zahlreiche Dokumentationen über Flüchtlinge, doch diese ist anders: Der afghanische Regisseur Hassan Fazili, seine Frau und die ältere Tochter filmten jahrelang ihre eigene Reise mit drei Smartphones

Sie mussten ihre Heimat verlassen. Denn nachdem Fazili eine Doku über einen Taliban-Führer gedreht hatte, der den Frieden wollte und kurz nach der Ausstrahlung ermordet wurde, sprach die Taliban auch gegen ihn eine Todesdrohung aus. Die Familie geht 2015 zunächst nach Tadschikistan, als sie nach 14 Monaten zurück nach Afghanistan abgeschoben wird, beschließen sie über die Balkanroute nach Deutschland zu flüchten.

Die Familie wird drei Jahre dafür brauchen. Fazili und sein Frau Fatima Hussaini, die ebenfalls Filmemacherin ist, dokumentieren ihre Reise mit den beiden Töchtern Zahra und Nargis. Sie zeigt, wie die Mutter bei der Fahrt nach Afghanistan widerwillig eine Burka trägt und sich beschwert, wie heiß es darin ist. Anfangs gewähren Verwandte ihnen Unterschlupf, später bringen Schlepper sie und andere Flüchtlinge weiter. Sie müssen illegal nach Europa fliehen, denn nur so haben sie eine Chance, dass ihr Fall angehört wird und sie Asyl beantragen können.

Midnight Traveller Foto: © Old Chilly Pictures Eine Schleppergruppe droht den Eltern, ihre Töchter zu entführen, sofern sie nicht mehr Geld zahlen. Also zieht die Familie zeitweise alleine weiter. Der Zuschauer ist immer hautnah dabei. Und so ist die Doku zugleich ein intimes Familienporträt, das durchaus Momente der Leichtigkeit hat. Wenn die Töchter, die anfangs sechs und elf Jahre alt sind, zwischendurch miteinander spielen oder die Eltern, deren Humor immer wieder durchblitzt, sich liebevoll kabbeln. Während einer Flucht bei Sonnenuntergang an der iranisch-türkischen Grenze sagt Nargis zu ihrem Vater: „Schau mal, die Berge sehen aus wie Gemälde“.

Nicht nur die ältere Tochter sieht bei all der Sorge die Schönheit der Umgebung. Die drei filmen Vogelschwärme, idyllische Landschaften und Schneeflocken am nächtlichen Himmel. Das Paar sieht sich weiterhin als Kreative, für die Außenwelt und die bulgarische Bevölkerung, die vor ihrem Auffanglager demonstriert, sind sie nur Flüchtlinge. Doch sie erfahren auch Hilfe und respektvolle Behandlung, besonders in Serbien, wo sie die meiste Zeit in einem Flüchtlingslager auf ihre Weitereise warten. Der Film hat ein offenes Ende. Man kann nur hoffen, dass viele diese berührende und interessante Doku sehen.
 
 
 

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