Jakob Sande
Das Leben des Dichters

Die Gedichte von Jakob Sande befassen befassen sich unter anderem mit sozialer Ungerechtigkeit, die auch heute nichts von ihrer Aktualität eingebüsst haben.

Jakob Sande wurde am 1. Dezember 1906 in der »Bestefarsstaua« auf dem Klokkargarden in Dale geboren und starb am 16. März 1967 in der Osloer Universitätsklinik Ullevål. Seine Eltern waren Andreas Sande und Ragna Margrethe, geborene Barsnes. 1942 heiratete er Solveig Ytterlid, 1943 wurde ihre Tochter Siri geboren.
Jakob wuchs in einem liberalen, gesellschaftlich engagierten Elternhaus auf. Sein Vater Andreas Sande war Lehrer und Bürgermeister, Mitglied der liberalen »Venstre«-Partei, Anhänger der Nynorsk-Bewegung und Küster, was zu der damaligen Zeit eine übliche Kombination von Ämtern für viele Volksschullehrer im westlichen Norwegen war. Seine Mutter Ragna Margrethe war sehr literaturinteressiert und die ausgleichende Kraft in der Familie, sie war offen und kontaktfreudig. Im Bürgermeisterhaus gingen viele Leute ein und aus. Mit diesem Hintergrund bekam Jakob Sande mit vielen Seiten der Gemeinde Kontakt. Sozial stand er in der Mitte, traf alle Schichten von Menschen und konnte die soziale Leiter auf und ab sehen.
Sein Elternhaus war von Toleranz und Weitsicht geprägt, eine gewisse Skepsis hatte man gegenüber der freikirchlichen Bewegung, aber die Familie wusste ganz klar, wo sie innerhalb der Gesellschaft zu Hause war.
Musik und Gesang gehörten zu ihrem Leben dazu. Jakob und seine Geschwister erbten die Musikalität und eine gute Singstimme und alle konnten ein Instrument erlernen. Jakob spielte die Fiedel wie sein Vater; später begann er mit dem Lautenspiel. In einem Interview sagte er selbst, dass die Musik der Ausgangspunkt zum Dichten sei.
Von seiner Gemeinde Dale wurde Sande im Guten wie im Schlechten geprägt. Hier gab es eine starke und selbstbewusste, wenn auch kleine Schicht von Honoratioren, eine kleine, aber wachsende Industriearbeiterklasse und eine große Gruppe von Bauern und Kleinbauern. Die Zwischenkriegszeit führte zu einer Stagnation, und die Angst um das tägliche Brot, vor Krankheit und Tod war groß. Mangel und Knappheit boten einen guten Nährboden für Neid und Eifersucht. Was solche Gefühle vielleicht am meisten hervorrief, war die mit der Flurbereinigung verbundene Neuverteilung von Land. Der Streit um die kleinen Grundstücke und Waldbesitztümer konnte Freundschaften zerbrechen lassen und Nachbarschaften spalten. Nicht einmal vor der Verwandtschaft machte er Halt, wenn der Streit im Gerichtssaal endete. Trotzdem kam es vor, dass, sobald ein Unglück geschah, Nachbarn und Verwandte die Feindschaft vergessen konnten und zu Hilfe eilten.
Eine Gruppe von Menschen wurden zu Außenseitern des Systems, die Zigeuner. In Dale war eine Familie von ihnen sesshaft. Insgesamt kann man sagen, dass die Gemeinde Dale weniger homogen war als viele andere Gemeinden im Bezirk. Ihr Zentrum war eher mit dem der Kleinstadt Førde vergleichbar, mit den Abgrenzungen und Spannungen, die in solchen Gemeinden zu finden sind.
Als begabter Lehrersohn trat Jakob seine Schullaufbahn an. In Eid besuchte er das Gymnasium, davon auch ein Jahr in Sandane, und begann 1926 sein Studium in Oslo. Sechs Jahre später war er Gymnasiallehrer mit dem Hauptfach Norwegisch sowie den Nebenfächern Deutsch und Geschichte. In dieser Zeit schloss er auch seine erste Gedichtsammlung ab. »Svarte næter« erscheint 1929 im Gyldendal Norsk Forlag.
Ein »Bauernstudent« zu sein, war nicht leicht. Finanziell war es immer eng, und selbst wenn er bei der Sparkasse gegen eine Kaution Geld leihen durfte, musste er doch an allen Ecken und Kanten sparen. In einem Artikel im Dagbladet vom 22.10.1933 sowie in der Gedichtsammlung »Storm frå vest« hat er diese Verhältnisse beschrieben. In Oslo lernte er ein radikales Milieu kennen. Auch wenn er selbst nicht Mitglied einer linksradikalen Organisation wurde, entstanden während dieser Zeit viele seiner Ideale. Es war die kommunistisch angehauchte »Mot Dag«-Ära, über die man in der Literaturgeschichte nachlesen kann.
Für den Dichter und Menschen Sande war sein Jahr als Seemann von großer Bedeutung. 1932 heuerte er auf der »Villanger« an und fuhr mit nach Kanada und Südamerika. Für das Dagbladet durfte er für die Leute zu Hause seine Erlebnisse und Beobachtungen von der Reise berichten. Bekannt wurde auch seine Gedichtsammlung »Frå Sunnfjord til Rio« über diese Tour. Erst 1992 wurden seine Reisebriefe aus dieser Zeit veröffentlicht: »Sjømannen Jakob Sande.
1935, im selben Jahr erschien auch »Straumar i djupet«, nahm er seine Tätigkeit als Gymnasiallehrer in Fredrikstad auf. Dort blieb er bis 1945, bis er mit der Familie nach Oslo umzog und dann zur Ulleren-Schule wechselte.
Die Ehe wurde 1952 geschieden.
Ende der 1950er-Jahre baute er sich ein Ferienhaus auf Kobbeskjeret in Flekke, in der Gemeinde Fjaler, und verbrachte dort die Sommermonate.
Erst 1963 beendete er seine Lehrtätigkeit und wandte sich ganz der Dichtkunst zu. Dazu erhielt er ein Arbeitsstipendium von 15.000 norwegischen Kronen, das ihm auch in den beiden Folgejahren zugesprochen wurde. Im Nachhinein sehen wir, dass dies zu spät war. Seine Krankheit hatte ihn bereits stark gezeichnet, nur vier Jahre darauf starb er im Osloer Ullevål-Krankenhaus.
Ein Auszug aus »Vegar i Jakob Sandes dikting« (Eide, Svensøy und Øvrebust, 1993), herausgegeben von der Jakob-Sande-Gesellschaft mit einigen Ergänzungen.

Am 11. August 2006 erschien eine Biografie über Jakob Sande »Liv. Dikting«. Der Autor: Ove Eide. Herausgeber: Det Norske Samlaget. Das Buch ist in unserem »Krambua«-Laden erhältlich.

Kilde: jakobsande.no