Kalendergeschichten
Februar

Wolfgang Herrndorf Portrait © Scribe Publications

Wolfgang Herrndorf: Tschick

(engl. Titel: Why We Took The Car, übersetzt von Tim Mohr)
 
Tschick Buchcover © Rowohlt Verlag Wieso sitzt der nette, aber langweilige 14-jährige Maik plötzlich hinter dem Steuer eines gestohlenen Wagens mehrere hundert Kilometer entfernt von seinem Zuhause in Berlin? Maiks Vater hat dafür nur eine einzige, einfache Erklärung: Andrej Tschischaroff, allgemein bekannt als Tschick.

Maik Klingenberg ist für seine Eltern, Lehrer und Klassenkameraden praktisch wie Luft. Tschick hingegen fällt jedem sofort auf. In der Mitte des Schuljahres kommt er in die achte Klasse des Gymnasiums und wird Maiks neuer Mitschüler. Tschick ist Russe, der mit einem starken Akzent Deutsch spricht, sich nicht darum schert, was andere über ihn denken und der sich an keine Regeln hält. Seine schulischen Leistungen schwanken zwischen brillant und unterirdisch, je nachdem ob er Bock hat oder ob er betrunken ist.

Als Tschick vor der Haustür der Klingenbergs steht, ist Maik zunächst eingeschüchtert, dann aber nur noch genervt. Die Sommerferien haben gerade begonnen und er freut sich auf zwei Wochen sturmfrei. Seine Mutter ist auf Kur und sein Vater ist auf einer vierzehntägigen „Dienstreise“  mit seiner äußerst  attraktiven Assistentin. Maik freute sich daher auf zwei entspannte Wochen am Pool, in denen er sich von Pizza ernähren und in unerwiderter Liebe zu Tatjana schwelgen kann, dem schönsten Mädchen der Schule. Stattdessen erlebt er das Abenteuer seines Lebens: In einem alten, kurzgeschlossenen Wagen begeben sich Tschick und Maik auf die Reise Richtung Süden. Das Ziel der Reise ist Rumänien, allerdings haben beide nicht den blassesten Schimmer, wie sie dorthin kommen.

Maik und Tschick halten sich für zwei richtig coole Jungs: Sie begeben sich auf eine unbekannte Reise, ohne Landkarte oder Handy, schlafen unter freien Himmel, essen und trinken, was ihnen gerade vor die Nase kommt, treffen die außergewöhnlichsten Menschen, verlieren sich gegenseitig aus den Augen aber finden immer wieder zusammen. Die Polizei findet das Abenteuer nicht so lustig: 14-Jährige sind zu jung zum Autofahren, aber durchaus alt genug, um dafür vor Gericht gestellt zu werden.

Mike schildert ihre Abenteuer auf mitreißende und witzige Art, eine Reise voller Überraschungen und plötzlicher Wendungen. Unbefangen fahren die beiden Teenager Richtung Rumänien, selbst der Diebstahl des Autos erscheint anfangs logisch. Bis das Ganze plötzlich ins Schleudern kommt, und Maik und Tschick gezwungen sind, getrennte Wege zu nehmen.

Rowohlt Verlag, 2010, 253 Seiten

Der Autor

Wolfgang Herrndorf (1965-2013) schrieb sein erstes Buch 2002. Der preisgekrönte Bestseller Tschickwurde 2010 veröffentlicht. Zu dieser Zeit wurde bei Herrndorf eine unheilbare Krebserkrankung diagnostiziert. Er beendete seinen Roman Sand und begann, einen Blog Arbeit und Struktur zu schreiben. 2013 nahm sich Wolfgang Herrndorf das Leben.

Der Übersetzer

Tim Mohr lebt und arbeitet in New York als Übersetzer, Ghostwriter und Herausgeber. Er übersetzte zuletzt Bücher von Alina Bronsky und Charlotte Roche. Interviews mit ihm über die Übersetzungsarbeit am Roman Tschick und anderen Bücher können auf derlovegermanbooks gelesen werden.

Neu im Bücherregal

Diesen Monat stellen wir Neuerscheinungen aus dem Bereich der Jugendliteratur vor. Angefangen mit Susan Krellers DebütromanElefanten sieht man nicht. Interessant ist zudem ihr neuester RomanSchneeriese, der mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2015ausgezeichnet wurde und die bewegende Geschichte über die Freundschaft zweier Kinder erzählt. Außerdem möchten wir IhnenFrom the Cutting Room of Barney Kettle der neuseeländischen Autorin Kate de Goldi vorstellen. Ihr vorheriger Roman The 10 PM Question wurde mit dem Corine International Young Adult Award ausgezeichnet und erschien auf Deutsch unter dem Titel Abends um 10.
 
Elefanten sieht man nicht - Buchcover © Carlsen Verlag Elephanten sieht man nicht
Susan Kreller (ins Englische übersetzt von Tr. Elisabeth Gaffney)
Carlsen Verlag, 2012

Die 13-jährige Mascha ärgert sich, dass sie den ganzen Sommer in einem anscheinend verschlafenen Dorf verbringen muss. Bis sie zwei Kinder dort kennenlernt, mit denen irgendetwas nicht zustimmen scheint. Der Besuch bei ihnen Zuhause bringt Klarheit: Mascha trifft auf deren gewalttätigen Vater. Keiner der Erwachsenen glaubt ihr, daher beschließt Mascha, selbst etwas zu 
 
From the Cutting Room of Barney Kettle - Buchcover © Longacre From the Cutting Room of Barney Kettle
Kate de Goldi
Longacre, 2015

Barney Kettle ist ein junger Filmemacher, der gerne ein berühmter Regisseur werden möchte. Eines Tages, während er alltägliche Begebenheiten in seinem Viertel filmt, stoßen er und seine Schwester auf ein echtes Geheimnis. Noch bevor sie ihren Film fertigdrehen können, wird die Stadt von einem Erdbeben erschüttert und die aufgenommenen Bilder zeugen nun von verlorenen Orten und Menschen, unter ihnen auch solche, die wir bereits ins Herz geschlossen hatten.


Text: Sally-Ann Spencer
Copyright: Goethe-Institut New Zealand, 2016