Kalendergeschichten
Juli

Autor Jens Voigt © Jens Voigt

Jens Voigt: SHUT UP LEGS! MY WILD RIDE ON AND OFF THE BIKE

MIT JAMES STARTT

Cover Shut up Legs! © Random House New Zealand
Diese einnehmende Autobiographie folgt zwanzig Jahren der Karriere des Radrennfahrerhelden Jens Voigt, am Höhepunkt des Sports. Der beliebte Deutsche Sportler ging 2014 in den Ruhestand – doch nicht bevor er im Veteranenalter von 43 Jahren den Weltstundenrekord aufstellte. Voigt ist dafür bekannt, dass er alles aus sich herausholt und trotz geringer Chancen erfolgreich ist: seine Spezialität war der „one-man breakaway“. Alle seiner bekanntesten Eskapaden werden in der Autobiographie aufgegriffen. Jedoch nicht nur:  zudem gibt diese auch einen Einblicke in allgemeine Aspekte des Radfahrer-Daseins auf, welches Teamgeist, Training, Verletzungen, Unfälle, Verträge, Taktik, und die Schattenseite des Dopings umfasst.  Einige Kapitel des Buches behandeln außerdem unübliche Themen für eine sportliche Denkschrift, wie zum Beispiel die Wiedervereinigung Deutschlands, die den Lauf von Voigts Karriere stark beeinflusste.

Als die Mauer fiel, war Voigt siebzehn Jahre alt und trainierte an der nationalen Sportakademie Ostdeutschlands. Laut eigener Beschreibung, brachte das Öffnen der Grenzen zwar neue Möglichkeiten, doch bedingte es auch ein Verschwinden vorhandener Garantien/ löste es auch vorhandene Garantien auf. In Ost-Deutschland wurden elitäre Athleten vom Staat finanziert und untergebracht. Nach dem Mauerfall hatte Voigt die Möglichkeit die sich auf der ganzen Welt nach einer neuen Unterkunft und einem professionellen Team umzusehen, jedoch verfiel seine finanzielle Sicherheit. Er verbrachte die nächsten vier Jahre in der Deutschen Armee und wartete nur darauf, von einem professionellen Team unter Vertrag genommen zu werden.  Sein erster Vertrag brachte ihn nach Australien, der zweite nach Frankreich und dann ins Team CSC wo er seinem Mannschaftskollegen Carlos Sastre zum Sieg der Tour de France verhalf.

Voigt selbst war zwar nicht leicht genug, um ein ernsthafter Kandidat für die Tour de France zu sein, jedoch siegte er bei 65 anderen Wettrennen im Verlauf seiner Karriere und gewann durch seinen „alles ist möglich“-Ansatz beim Radfahren eine große Anhängerschaft: nur zu bekannt ist, wie er nach einem Unfall während eines Rennens, 15km auf einem Kinderrad weiterfuhr, bis sein Team ihm ein neues Rad in einer angemessenen Größe stellen konnte. Bei einem weiteren legendären „breakaway“ fuhr er 140 km alleine, während der Rest des Hauptfelds versuchte, ihn einzuholen -- ohne Erfolg. Voigts Überschwänglichkeit ist nicht auf seine Aktivität als Radfahrer begrenzt. So ist „Shut up Legs!“ ist in einem enthusiastischen, unterhaltsamen Stil geschrieben. Wie Voigt selbst bemerkt, besteht ein Teil seines internationalen Anklangs in seinem „lustigen“ Deutschen Akzent. Seine Stimme dringt tatsächlich auch durch die geschriebenen Texte hindurch, die mit der Hilfe des Journalisten James Startt verfasst wurden. Das Buch ist für Jeden unterhaltsam, der sich für Sport interessiert.

Ebury Press, 2016, 256 pp.
 

Über die Autoren

Jens Voigt ist ein ehemals professioneller Radrennfahrer, der im ostdeutschen System trainierte. Zu seinen größten Erfolgen zählen zwei einzelne Tour de France Etappen, die Deutschland Tour (2006 und 2007), die Tour de Pologne (2008), sowie fünfmalig das Critérium International. Im Jahr 2014 stellte er einen neuen Stundenrekord auf, um seinen Ruhestand einzuleiten.
 
James Startt
ist ein amerikanischer Photograph und Schriftsteller mit Sitz in Paris.
 

Bücherregal

Diesen Monat betrachten wir zwei kürzlich erschienene Bücher mit olympischen Themen. James McNeishs „Seelenbinder“ reist zurück zu den Olympischen Spielen in Berlin 1936, wo ein Ringer Teil einer Verschwörung ist, die Hitler anprangern will, während der Rest der Welt zuhört. Reinhard Kleists „Der Traum von Olympia“ erweckt die Geschichte einer etwas zeitgenössischeren Athletin zum Leben: somalische Sprinterin Samia Yusuf Omar floh unmittelbar nach ihrer Teilnahme an der Olympischen Spielen 2008 als Flüchtling aus ihrer Heimat.

Cover Seelenbinder © Steele Roberts Aotearoa Seelenbinder: The Olympian who Defied Hitler
James McNeish
Steele Roberts Aotearoa, 2016

Der deutsche Kommunist und Ringer Werner Seelenbinder wurde 1936 auserkoren, um an den Olympischen Spielen in Berlin teilzunehmen. Er plante hier bei seiner angestrebten Siegesrede Hitler anzuprangern. In dieser fiktionalen Biographie führt James McNeish eine Geschichte aus der Analyse historischer Begebenheiten und der Imagination fehlender Szenen zusammen.


Cover Der Traum von Olympia © Carlsen Verlag Der Traum von Olympia: Die Geschichte von Samia Yusuf Omar
Reinhard Kleist
Carlsen Verlag, 2015

Richard Kleists jüngster Bilderroman erzählt die Geschichte der jungen somalischen Kurzstreckenläuferin Samia Yusuf Omar, die 2008 in Peking antrat und als Flüchtling von Mogadishu über Ethiopien, den Sudan und Libyen nach Europa reiste. Sie träumte davon, 2012 an den olympischen Spielen in London  teilnehmen zu können, doch endet ihre Reise in einer Tragödie. Kleists nüchterner Schreibstil fängt Samias Kraft und das Grauen ihrer Geschichte ein.

Text: Sally-Ann Spencer
Übersetzung und Copyright: Goethe-Institut Neuseeland 2016