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März

Buchcover Venustransit - Namen der Autoren Hinemoana Baker, Ulrike Almut Sandig, Glenn Colquhoun, Uwe Kolbe, Brigitte Oleschinski und Chris Price © Victoria University Press

Venustransit: Hinemoana Baker, Ulrike Almut Sandig, Glenn Colquhoun, Uwe Kolbe, Brigitte Oleschinski & Chris Price


Buchcover Venustransit - Namen der Autoren Hinemoana Baker, Ulrike Almut Sandig, Glenn Colquhoun, Uwe Kolbe, Brigitte Oleschinski und Chris Price © Victoria University Press Im Juni 2012 passierte der Planet Venus die Sonne und wurde dadurch von der Erde aus sichtbar. Um dieses Ereignis festzuhalten, fanden sich drei neuseeländische und drei deutsche Dichter zusammen. Ihre Beobachtungen und Eindrücke fasst dieser Band auf verschiedenste Weisen zusammen: Gedichte, ein kurzes Essay und ein Interview über die Begegnungen mit dem Planeten Venus, ihren Kolleginnen und Kollegen und ihre Reisen. Da sich die Autorinnen und Autoren zur gegenseitigen Übersetzung ihrer Werke ein weiteres Mal in Berlin zusammenfanden, können die meisten Texte in deutscher sowie englischer Sprache gelesen werden.
Der Sammelband beginnt mit einem Lied der Mutter Mauis an die Planeten von Hinnemoa Baker. In einer Reihe von Gedichten wird der Planet Venus in verschiedensten Gestalten beschrieben: als Kōpū und Tāwera, dann als eine Gottheit, die Sonne und Erde verbindet und schließlich als ein Ufo des zwanzigsten Jahrhunderts.
An anderer Stelle ist die Venus nur ein schwarzer Punkt oder glänzt durch Abwesenheit: das erste Gedicht von Ulrike Almut Sandig beschreibt Zuschauermengen, die den Himmel resigniert nach der von Wolken verdeckten Venus absuchen. In ihrem Gedicht „Fort Venus“ erschafft Chris Price eine weibliche Figur, die vor Kameralinsen flieht, während ihre Verfolger versuchen ihre Bewegungen zu filmen und ihre Dimensionen auszumachen.
Andere Gedichte wurden von vergangenen Venustransiten inspiriert: In Uwe Kolb's „Whakapapa 2012“ wird an die Ankunft Captain Cooks am selben Küstenabschnitts Neuseelands erinnert, nachdem er den Venustransit von Tahiti aus beobachten konnte. Die sechs Gedichte von Glenn Colquhoun widmen sich einem anderen Entdecker: Ernst Dieffenbach. Colquhouns Beitrag nutzt Ton und Rhythmus um Dieffenbachs Aufstieg auf den Taranaki, seine botanischen Entdeckungen sowie sein Haustier, eine zahme Ralle, zu beschreiben. Ein Gedicht  Brigitte Oleschinskis reicht zurück bis zu den ersten menschlichen Siedlungen Neuseelands und schildert die Ankunft von Kanus, beladen mit Menschen, Säugetieren und Göttern. Sie beschreibt das heutigeNeuseeland als einen Ort an dem „Auch die Kleider / fliegen“.
Mit dem Motiv der Übersetzung wird in mehreren Gedichten gespielt. Die beiden Versionen von „my love“ und „meine Liebe“ zeigen die Dichterinnen Ulrike und Hinemoana mit ihren Doppelgängern, dabei verwechseln sie ihre Spiegelbilder und tauschen die Rollen.  „Found poem“, ein Gedicht von Chris Price, erkundet den Austausch zwischen beiden Sprachen Neuseelands mit Hilfe eines Englisch-Maori Wörterbuches aus dem 17. Jahrhundert. Ihr nächstes Gedicht „the audition“ handelt von einer Musikerin, die versucht der neuseeländischen Band High Rising Terminals beizutreten. Ein Gedicht über Identität und  Zugehörigkeit und dies in der lokalen Variante der englischen Sprache.
Dies sind allerdings nur einige Ausschnitte aus diesem vielstimmigen, mehrsprachigen Sammelband, der eine neue Perspektive auf die Dinge bietet. Nicht nur auf solche, die weit entfernt sind, sondern auch auf die, die viel näher am eigenen Zuhause sind.

Victoria, Universitäts-Verlag, 2016, 144 Seiten, beinhaltet Farbbilder.

Siehe unten für weiterführende Informationen und Empfehlungen
 

Zu den Künstlern


Hinemoana Bakers erste Gedichtsammlung matuhi / needle wurde im Jahr 2014 in Deutschland und den USA veröffentlicht. Im Erwachsenenalter fing Baker an Māori zu lernen. Ihre Leidenschaft für die Māorische Sprache sowie andere Aspekte ihrer Māori- und Pākehā Abstammung finden sich in ihren Gedichten wieder. Neben ihrer Arbeit als Autorin, Sängerin und Produzentin ist sie als Redakteurin und Dozentin tätig. Mehr Informationen unter www.hinemoana.co.nz .
Ulrike Almut Sandig lebt mit ihrer Familie in Berlin. Bisher erschienen drei Gedichtsammlungen, zwei Erzählbände, zwei popmusikalische Hörbücher (mit Marlen Pelny) und verschiedene Hörspiele. Ihre Gedichte wurden vielfach verfilmt und ausgezeichnet, unter anderem mit dem Leonce-und-Lena-Preis 2009.

Glenn Colquhoun ist Arzt, Dichter und Kinderbuchautor. 2014 repräsentierte er Neuseeland bei den Commonwealth Games in Glasgow.

Uwe Kolbe wurde 1957 in Ostberlin geboren. Unter den Literaturpreisen, die er für seine Werke erhielt, waren zuletzt der Heinrich-Mann-Preis der Berliner Akademie der Künste sowie der Lyrikpreis Meran, beide 2012. Von 1997 bis 2004 unterrichtete Kolbe Kreatives Schreiben als Leiter des Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen.

Brigitte Oleschinski gilt als bekannte und erfolgreiche Dichterin, Essayistin und Performerin. Ihre Werke wurden vielfach ausgezeichnet, darunter 1998 mit dem Peter-Huchel-Preis, 2002 mit dem Ernst-Meister-Preis und 2004 mit dem Erich-Fried-Preis. Brigitte Oleschinski lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin in Berlin.

Zu Chris Prices Werken gehören Husk (Bester erster Gedichtband, New Zealand Book Awards, 2002), The Blind Singer (2009) und Beside Herself (2016). Derzeit lehrt Chris Kreatives Schreiben am International Institute of Modern Letters an der Victoria Universität in Wellington.
 

Zum Projekt


Der Transit of Venus Poetry Exchange wurde von folgenden Projektpartnern organisiert: Goethe-Institut Neuseeland, International Institute of Modern Letters, Literaturwerkstatt Berlin. Das Projekt wurde weiterhin von folgenden Organisationen unterstützt: durch das Auswärtige Amt Deutschland, die neuseeländische Regierung durch das Manatū Taonga Programm des neuseeländischen Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe und durch den neuseeländischen Verlegerverband.
 

Bücherregal


Das „Transit of Venus“ Poesie Projekt war Teil einer größeren Präsentation neuseeländischer Literatur auf der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2012. Diesen Monat empfehlen wir zwei damit in Verbindung stehende Bücher: einige Grim(m) Märchen, speziell für Neuseeland verfasst und die deutsch-neuseeländische Ausgabe von Sport.
 

Es war einmal… Grim(m) Märchen für Aotearoa Neuseeland
Goethe Institut Neuseeland 2015

Die von den Gebrüdern Grimm gesammelten und veröffentlichen Märchen sind weit verbreitet. Zu den Buchcover Es war einmal © Goethe-Institut bekanntesten gehören „Rapunzel“, „Hänsel und Gretel“, „Schneewittchen“ und „Rumpelstilzchen“. Dieser Sammelband veröffentlicht zwölf neue, besonders für Neuseeland geschriebene Märchen: „Cuperalla“, „Maui and the Taniwha“ und weitere, in denen Bellbirds, ein schreiendes Baby, magische Bäume und Ziegen die Hauptrollen spielen. Die veröffentlichten Geschichten wurden aus über dreihundert Beiträgen neuseeländischer Autorinnen und Autoren ausgewählt.

Sport 40: New Zealand New Writing
2012 with Contemporary Writing in German
Fergus Barrowman & Sally-Ann Spencer 2012

Buchcover Sport 40 - Ein kleines Mädchen auf einer Wiese, schwarz-weiss Fotografie © Victoria University Press Diese speziell neuseeländisch–deutsche Ausgabe von Sport enthält über 400 Seiten von neuseeländischen und deutschen Autorinnen und Autoren. Die Ausgabe beinhaltet Gedichte und Prosa von „Transit“ Mitautorin Ulrike Almut Sandig sowie neue Übersetzungen der Werke von Durs Grünbein, Jenny Erpenbeck, Robert Gernhardt, Maja Haderlap, Alexander Kluge, Jan Wagner und vielen anderen. Neuseeländische Beiträge kommen unter anderem von Pip Adam, Elizabeth Knox, Tina Makereti, Bill Manhire und Chris Price.