Berlinale-Blogger 2017 Nichts ist schlimmer als Feigheit

Agnieszka Holland
Agnieszka Holland | © Jacek Poremba

Die Initiative Berlinale Talents zählt zu den interessantesten Events der Filmfestspiele. Im Rahmen dieser Plattform finden neben Networking und zahlreichen Workshops für Nachwuchs-Filmemacher auch Vorträge anerkannter Künstler statt. Auf besonders starke Resonanz stieß die Masterclass mit der herausragenden polnischen Regisseurin Agnieszka Holland.

Dieses Jahr steht die Veranstaltung unter dem Motto „Courage Against All Odds”. Mut ist das tragende, zugleich vielschichtige Leitbild - er kann sowohl moralischer Art, lebensbezogen, berufsbezogen, aber auch völlig privat sein. Er kann im Handeln zum Ausdruck kommen, aber auch im Unterlassen. Agnieszka Holland erzählte zu Beginn ihrer Begegnung mit dem Publikum, wie sie Regisseurin geworden ist. Ursprünglich zog es sie zur Malerei. Erst ihre Beziehung mit einem Maler, der in seinem Beruf in voller Leidenschaft aufging, brachte den Durchbruch. Er hatte überragendes Talent, ihres dagegen war mittelmäßig. Er konnte völlig in das Malen eintauchen, sie nur teilweise. „Mir wurde bewusst, dass ich nie in der Lage sein würde, mich ganz über die Malerei auszudrücken”, erzählt Holland. „Daher entschied ich mich, meine Lebensplanung komplett umzuwerfen”.

Gratwanderung zwischen Gut und Böse

Was, nebenbei gesagt, nicht leicht war, denn es war mit dem schmerzhaften Prozess einer sich verändernden Selbstwahrnehmung verbunden. Nach Ansicht von Holland ist der Beruf des Regisseurs mit einer außergewöhnlich schmalen Gratwanderung zwischen Gut und Böse verbunden, und das nicht nur im ästhetischen Sinne des Wortes. Humor ist ein kraftvolles Mittel in der Arbeit des Regisseurs, wenn er aber überstrapaziert wird, verwandelt er sich in Lüge und Missbrauch. Starke Thesen sind auch eine Ausdrucksform von künstlerischem Mut, können aber in Propaganda umschlagen. Und jede Propaganda, auch die mit ehrenwerten Zielen, wird gefährlich. „Das europäische Gegenwartskino empfinde ich als bequem, sicherheitsbedacht, spießig”, so Agnieszka Holland weiter. „Ich appelliere an die jungen Filmemacher, keine Kompromisse einzugehen, mutig zu sein”. Mir diesem Bekenntnis erntete die Regisseurin großen Beifall. Abschließend zitierte sie Michail Bulgakow: „Die schlimmste Charaktereigenschaft des Menschen ist die Feigheit. Von ihr geht alles Böse aus”.