Wojciech Bonowicz erzählt

Wojciech Bonowicz Foto: Anita Ponikło

Arbeitsmethoden

Geige oder Kino – Einstein beendete jeden Arbeitstag mit seiner Geige, Donna Tartt geht schon nach drei Stunden ins Kino – was machen Sie, wenn es mit dem Schreiben nicht so gut läuft?

Ich mache die Wäsche, spüle Geschirr, räume auf, gehe spazieren. Obwohl Letzteres gefährlich ist: Soeben habe ich erfahren, dass Krakau eine der europäischen Städte ist, in denen man wegen der Umweltverschmutzung zweihundert Tage im Jahr nicht aus dem Haus gehen sollte.

Stil der künstlerischen Arbeit

Strom oder Leidenschaft – wie oder womit laden Sie Ihre Gedichte auf?

Ich lade sie überhaupt nicht auf. Sie laden mich auf. Natürlich hilft es beim Schreiben manchmal, andere Dichter zu lesen. Oder Musik zu hören. Auch Stille hilft.   


Beruf: Dichter

Stimmung oder Disziplin – braucht ein Dichter feste Arbeitszeiten?

Ich gehöre leider zu den Dichtern, die nicht imstande sind, ein Gedicht „auszusitzen“. Das Gedicht muss von selbst zu mir kommen. Ich kann ein wenig nachhelfen (siehe oben), aber im Prinzip liegt die Initiative nicht bei mir. Feste Arbeitszeiten hätten nur in einem Fall Sinn: wenn ich mir ein eigenes Büro im Zentrum leisten könnte.

Gedichte schreiben als Lebensstil

Ferien oder Nachtruhe – braucht ein Dichter poesiefreie Zonen? Wenn ja, wo findet er sie?

Der Dichter braucht es, tanzen zu gehen, im Schwimmbad zu schwimmen, einsame Waldspaziergänge zu machen, Waldspaziergänge in Gesellschaft zu machen, er muss das Handy ausschalten, er muss sofort anrufen, er muss Fleisch essen, kein Fleisch essen. Er braucht andere Menschen. Er braucht Bilder. Er braucht Schlaf. 

Dichtung als Kunst

Spiegel oder Supermarkt – fällt die Inspiration vom Himmel oder kann man sie sich aneignen?

Sie fällt vom Himmel. Aber trotzdem muss man dafür bezahlen.