Alter Schulweg
Gedichte

Alter Schulweg

Alter Schulweg

 
I
die goldenen Birnen, herein geschraubt
in die Fassung des Abends, wie viele
Wochen sah ich euch unreif, das Fleisch
gehörte den Bienen, später, Augustende
 
großer Sommer, der ewige Ferientag
es hörte nicht auf, die Sonne bildete Staub
wir legten unsere Lippen auf den Rhabarber
flüsterten, bleib stehen, blödes Herz
 
im Innern des Leierkastens –
die Bahnen waren schartig von ledernem Grün
das Wasser wurde ausgewechselt, ein Lindenblatt
verfärbte das Schwimmbad
 
II
Augustende, in Körben trugen wir die Köpfe
von Pilzen, unsere Wäsche schimmerte bleich
wenn wir uns hinter Bäumen auszogen
mutierten die Mädchen zu einer Blumenwiese
 
um die sich eine Hecke schloss, so weht
der Wind von der Seite, das Sentiment
unterspült die rissigen Kunststeinplatten
die Einfassung zu den Beeten hebt sich
 
ein Stück -  ich kann die Kraftwerkswolke
formen aus der Luft nach all den Jahren
den Kohlestaub, der auf die Fensterbretter
sank, Vater, der zweimal am Tag schlug
 
wie eine Kuckucksuhr, jemand schaute
heraus, ein Wachtmeister, verkleidet als
scheues Waldvögelein, der stille Portier
führte Buch und abends schrieb der Mond
 
Berichte, todmüde der Sommer, die Katze
auf dem Hochhausdach, der Hund würde leben
Menschen verschwanden aus dem Mittelpunkt
der Dinge
 
als die Planwagen fortgezogen waren
einsilbig das Gras, glänzend
wie grünes Blut
 
die nackten Füße liebkosen
die Büschel, dann fährt die Erinnerung vor
eine abgedunkelte Limousine