Griff ins Herz
Gedichte

Griff ins Herz

Griff ins Herz

Ein Gedicht greift ins Herz oder wehrt sich. Stellt sich quer. Gegen
den Kranz, die niedergelegten Blumen. Wo das Denkmal auf ermüdeten
Beton trifft. Wo der Sockel dem Kurzsichtigen ein Bein stellt. Ich denke
also bin ich. Wüste. Ein Leben lang. Lese ich dich, so wie kein Buch
der Welt sein kann. Ein Gedicht greift ins scheinbar Leere, hinter den
Kulissenkasten. Gesellt sich zu den Puppen. Zu den Spielern. Kunigunde.
König Drosselbart: „Du holde Schöne möchtest Du in Anbetracht dessen
dass ich spreche, nicht Gold sein oder Schwefel?“ Setztest du nicht
Schwäne auf das Wasser. Wärst du ein Gedicht und ich ein Gedicht.
Wären wir ewiglich. Zwischen fünf und sechs der Schmerz. Auf die
Zahnformel herunter gebrochen. Wir mahlen frisch und fromm die Kleie.
Der Hasenartige unter uns blieb wurzellos. Zwischen fünf und sechs.
Die Wunde groß wie eine Wüste. Versorge das Bienenfleisch. Näh es
zusammen. In Klammern. Ein Gedicht greift an die von Nacht umwehte
Stelle. In den Saum. Wo die Narbe zum Inneren der Worte führt. Wir
sehen eine Brücke, die über den Flutgraben hilft. Eine gedachte Linie
zu den Vogelschwärmen. Den Hang hinauf zuckelt die Gebirgsbahn.
Zu den Zirben. Komm, Zapfen pflücken. Saust ins Tal. Steig ein, so
bald du ausgestiegen bist! Die Luft wird dünner und das Eis, es trägt.
Die dürren Bäumchen vor der Grenze grüßen. Bitte weine nicht. Um
das Gedicht. Es greift. Ans schlimme Bein, den blinden Fleck. Sieh
doch, wir werden immer leichter von Begriff. Künstliche Gelenke und
Organe quietschen leise.