Tom Schulz erzählt

Tom Schluz Foto: Timo Berger

Wie arbeiten Sie? – künstlerische Methode


Pferd oder Pegasus – haben Sie poetische Reizwörter?

Gras. Wie auf einer Wiese. Katzengras. Olympisches Gras, das man ausreißen sollte. Eine Pfeife voll. Heimatgras und Pflanzen, Blüten. Rot wie Gras. Aber nicht diese gemähten herrschaftlichen Tennisplätze. Gras wie umgedreht Sarg. Ein Gras-Sarg zum Probeliegen. Es schläft das Gras. Und die Zehennägel wachsen. So ein Himmel aus Gras. Die Kühe kauen oder rauchen Gras. Ein Garten mit Schatten und Bäumen und Menschen.

Wie arbeiten Sie? – persönlicher Stil

Alphabet oder Reim – gibt es eine Ordnung der Wörter?

Es gibt zum Glück mehr Unordnung in Zusammenhang mit Sprache, die man für sich gestalten kann auf die eine oder andere Weise. Das Gedicht schafft Verknüpfungen und kann Sprache/n erweitern und entgrenzen. Im besten Fall verbindet sich die Kenntnis der Tradition mit dem Wagemut, es immer wieder neu zu versuchen. Was Gedichte betrifft, liegt die Kunst eher im Paradox.

Beruf: Dichter

Materieller Druck oder inneres Bedürfnis – muss der Dichter über jedes Thema schreiben können?

Er kann über alles schreiben, müssen muss er sowieso nicht. Themen sind zu vernachlässigen, eher Welten zu durchstreifen. Alle möglichen, vor allem die imaginären. Ein eloquenter Stil rettet nicht.

Dichtung als Lebensstil

Pfiffe oder Beifall – spielt der Leser / die Kritik eine Rolle im Leben des Dichters?

Die Kritik beginnt beim Schreiben und Lesen. Wer Gedichte schreibt, ist sexy. Ausnahmen ausgenommen. Der Leser, die Leserin soll das gelungene  Gedicht bewundern. Die Kritiker sollen besser schweigen oder klug werden. Der Dichter zweifelt selbst am meisten. Ist ihm zu helfen? „Er ist verrückt geworden, er schreibt Gedichte!“ Jedes gute Gedicht sollte von der Gesellschaft angemessen belohnt werden.

Dichtung als Kunst

(Be-)rechnen oder (ver-)dichten – was hat ein Gedicht mit Mathematik zu tun?

Vielleicht ein bisschen mit Logik. Es hat mit allem Möglichen zu tun, mit Surrealismus und Dada, mit Formen und Farben. Mit Barock und Gotik. Mit Musik und Träumen. Es hat mit Schmerz zu tun und Angst. Mit Veränderung und Revolte. Mit Demut und auch Verzweiflung. Es will hinaus aufs Meer. Das Gedicht will ins Offene. Es sucht immer und findet manchmal.
Und, wer rechnet, verrechnet (sich).

Fragen: © Judith Arlt