Michał Sobol erzählt

Michał Sobol Foto: Jakub Ociepa

Wie arbeiten Sie? – künstlerische Methoden

Kaffee oder Sonnenschein – braucht Ihre Phantasie Stimulanzen? Wenn ja, welche?

Stille.

Wie arbeiten Sie? – Künstlerischer Stil

Löschen oder reparieren – ist ein misslungener Vers zu retten?

Reparieren – und zwar so lange, bis der misslungene Vers der gelungenste wird. Oft offenbart sich der Knackpunkt eines Gedichts gerade in einem misslungenen Vers, einem schiefen Rhythmus, einem syntaktischen oder semantischen Knirschen. Um diesen Knoten zu lösen, muss der Autor seine Aktivität einstellen und es dem Gedicht ermöglichen, sich nach seiner eigenen Logik zu entwickeln. Paradoxerweise bewahren diese innerlich gespaltenen Gedichte, die ein ungeplantes Mehr an Sinn in sich tragen, eine enorme Geschlossenheit und Konzentration. Sie besitzen die größte Existenzkraft.

Beruf: Dichter

Lust und Laune oder Disziplin – braucht der Dichter feste Arbeitszeiten?

Lust und Laune, aber im Sinne äußerster Nüchternheit – der Disziplin der Nüchternheit in klar festgelegten Stunden.

Dichtung als Lebensstil 

Pfiffe oder Beifall – spielt der Leser / die Kritik eine Rolle im Leben des Dichters?

Alles spielt eine Rolle.

Dichtung als Kunst

(Be-)rechnen oder (ver-)dichten – was hat ein Gedicht mit Mathematik zu tun?

Ein gemeinsames Element von Lyrik und Mathematik ist die Zahl, verbunden mit dem Gefühl für das richtige Maß. Genauer gesagt ist es die Zweideutigkeit der Zahl, deren Sinn zwei gegensätzliche Weltauffassungen beinhaltet ‒ die mystische (etwa im Pythagoreismus und in der Kabala) und die wissenschaftliche.