Übersetzer im Gespräch Hans-Peter Hoelscher-Obermaier

„Ich war immer nur Hobby-Übersetzer, hätte davon auch nie leben können.“

Hans-Peter Hoelscher-Obermaier Hans-Peter Hoelscher-Obermaier | © Jan Zappner Wie sind Sie zum Übersetzen gekommen?

Zum Übersetzen bin ich durch Herrn Dedecius gekommen, der mich aufgrund meiner Beschäftigung mit der älteren polnischen Literatur gebeten hatte, am Mittelalter-Band in seiner „Polnischen Bibliothek“ mitzuarbeiten.

Bei welchem polnischen Text, den Sie übersetzt haben, war für Sie die kulturelle Distanz am deutlichsten spürbar?

Die kulturelle Distanz ist mir am stärksten in Słowackis Versepos Beniowski mit seiner ukrainischen Exotik und altpolnischen Adelsherrlichkeit aufgefallen.

Welche sprachlichen Schwierigkeiten haben Sie beim Übersetzen schon einmal an den Rand der Verzweiflung gebracht?

Als größte Schwierigkeit beim Übersetzen empfinde ich es, idiomatische Redewendungen sowie dialektal oder fremdsprachlich stilisierte Passagen adäquat wiederzugeben.

Stimmen Sie dem zu, dass Übersetzungen klassischer Werke veralten, die Originaltexte aber nicht?

Auch die Originaltexte klassischer Werke veralten sprachlich, nur nimmt der Leser deren Patina eher in Kauf als bei den von vornherein meist blasseren Übersetzungen.

Eine typische Assoziation, die viele vom Übersetzer haben, ist ein Mensch am Schreibtisch, tage- und nächtelang in einem Raum voller Bücher. Verraten Sie uns, wie Sie Ihren Übersetzeralltag gestalten?

Aufgrund meines Augenleidens kann ich nur morgens einige Stunden übersetzen.

Es ist erstaunlich, dass Sie nicht mit einem Computer arbeiten und somit auch nicht per E-Mail kommunizieren. Welchen Grund gibt es dafür? Würde der Computer nicht Ihre Übersetzungsarbeit erleichtern (sowohl die Korrekturen, als auch die Recherchen)?

Mein Augenleiden macht mir Bildschirm-Arbeit unmöglich; ich brauche den Computer aber auch gar nicht, weil ich vorwiegend Verstexte übersetze, also auch lange Zeit an kurzen Passagen knoble.

Können Sie vom Übersetzen leben?

Ich war immer nur Hobby-Übersetzer, hätte davon auch nie leben können.

Wichtigste Übersetzungen:

  • Polnische Renaissance. Ein literarisches Lesebuch von Wacław Walecki. Übersetzt und nachgedichtet aus dem Polnischen und Lateinischen von Hans-Peter Hoelscher-Obermaier. Frankfurt am Main, 1996
  • Polnische Romantik. Ein literarisches Lesebuch von Hans-Peter Hoelscher- Obermaier. Frankfurt am Main, 1998
  • Polnischer Barock. Ein literarisches Lesebuch von Czesław Hernas. Frankfurt am Main, 1991
  • Juliusz Słowacki. Beniowski. Eine Versdichtung [Beniowski]. Frankfurt am Main, 1999
  • Natasza Goerke. Abschied vom Plasma (poln. Pożegnania plazmy). Hamburg, 2000