Diamanten bearbeiten
Wettbewerb „Diamantenschliff“

Das Mentorenprogramm

„Das Mentorenprogramm war eine logische Konsequenz des Wettbewerbs Diamantenschleifen, denn wir waren der Meinung, dass die größte Gratifikation und gleichzeitig Investition für Übersetzer darin besteht, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, und ihnen bedeutende Übersetzer als Mentoren zur Seite zu stellen“, erklärt Regina Anhut-Frahm.
Das Mentorenprogramm, das von 2015 bis 2016 stattfand, wurde von Maria Przybyłowska und Ryszard Turczyn geleitet. Karolina Kuszyk musste die Teilnahme aus persönlichen Gründen leider absagen. An dem Mentorenprogramm nahmen die beiden Preisträgerinnen des Wettbewerbs Diamantenschleifen sowie sämtliche lobend erwähnten Übersetzerinnen teil, mit Ausnahme von Kaja Puto, die aus zeitlichen Gründen absagen musste.
 

Jeder Mentor hat seinen Mentor

Es stellt sich übrigens heraus, dass hinter jedem angehenden Übersetzer ein Mentor oder eine Mentorin steht. „Als ich mit dem Übersetzen begann, hatte ich das Gefühl, auf mich allein gestellt zu sein. Ich hatte nicht die Möglichkeit, an irgendwelchen Wettbewerben oder Programmen teilzunehmen – einfach, weil es keine gab. Ich begann von mir aus, ganz intuitiv, nach einem Mentor zu suchen. Zunächst nahm mich Małgorzata Łukasiewicz unter ihre Fittiche. Anschließend Sława Lisiecka. Ich habe nicht nur viel von ihnen gelernt, sondern sie haben mir auch den Start ins Berufsleben erleichtert, indem sie mich Verlegern empfohlen. Mein erstes Buch übersetzte ich für den Verlag PWN – gar nicht schlecht für den Anfang“, erinnert sich Karolina Kuszyk. „Früher war die bedeutende Übersetzerin Teresa Jętkiewicz-Rządkowska meine Mentorin. Ich verdanke ihr sehr viel. Jetzt würde ich gerne etwas davon zurückgeben“, sagt Maria Przybyłowska. Und Ryszard Turczyn fügt hinzu: „Meine ersten Übersetzungen für den Verlag Czytelnik wurden von Sławomir Błaut redigiert. Bei der Besprechung der Korrekturen habe ich seeehr viel gelernt!“
 

Ein erfolgreiches Mentorenprogramm? Individuelles Mentoring + Workshops  

Als wir Regina Anhut-Frahm nach dem Rezept für ein erfolgreiches Mentorenprogramm fragen, muss sie nicht lange überlegen.
„Vor allem vielversprechende Schüler: Übersetzer, die bereits eine gewisse Erfahrung haben, die sich der grundlegenden Probleme des Übersetzens bewusst sind und die wissen, in welche Richtung sie ihre Fähigkeiten weiterentwickeln wollen. Anschließend zwei oder drei Mentoren, abhängig von der Größe der Gruppe.
Und selbstverständlich eine wohldosierte Mischung aus Einzelarbeit und Workshops, dem Kontakt zum Mentor bzw. der Mentorin, aber auch dem Kontakt zu den anderen Teilnehmern des Programms und das gemeinsame Arbeiten. Denn auch wenn die Einzelarbeit unabdingbare Voraussetzung eines erfolgreichen Mentorenprogramms ist, sind Diskussionen über Übersetzungen durch nichts zu ersetzen.“
 
Agnieszka Borkiewicz, die Koordinatorin des Programms vonseiten des Österreichischen Kulturforums fügt hinzu:
„Weil man zum Übersetzen unbedingt Gesellschaft braucht! Vor allem, wenn man gerade erst den ersten Schliff erhält! Auch wenn das Übersetzen ein einsames Geschäft ist, wird der  «Genuss eines Textes» erst in Gesprächen über die Übersetzung vollständig erfahrbar. Solche Diskussionen sind auch eine ausgezeichnete Vorbereitung auf spätere Kontakte mit den Verlagsredakteuren, die die Übersetzungen unter die Lupe nehmen. Dann ist es nämlich besonders wichtig, sowohl die in der Übersetzung angebotenen Lösungen begründen zu können, als auch eine kritische Distanz zum eigenen Text zu entwickeln.”
Wir fragen Maria Przybyłowska – die Mentorin der Preisträgerin Ewa Mikulska-Frindo – wie das Mentoring genau aussah: „Ich habe ihr Tipps gegeben, welches Werk zu welchem Verlag passt, ihr bei der Vorbereitung der Materialien für die einzelnen Verlage geholfen (sie durchgesehen und Korrekturvorschläge gemacht), und sämtliche Texte von Ewa – zum Teil mehrfach – redigiert“, erklärt Maria Przybyłowska. „Ich habe Ewa auch erlaubt, sich bei Gesprächen mit Verlegern auf mich als Mentorin zu berufen. Wichtig ist auch der ständige Kontakt per Telefon und E-Mail. Ich werde auch nach dem Ende des Projekts Diamantenschleifen weiterhin mit Ewa in Kontakt bleiben und ihr im Rahmen meiner Möglichkeiten zur Seite stehen.“