Rainer Merkel Bo

Merkel, Reiner: Bo © 2013 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main Ein Clou offenbart sich am Schluss: Da merkt man, dass die erzählte Zeit nur drei Tage umfasst – dabei hatte man nach der Lektüre der knapp 700 Seiten, die gespickt sind von Ereignissen, Exkursen und Erinnerungen das Gefühl, mit Benjamin, Brilliant und Bo mindestens 3 Wochen verbracht zu haben, ohne dass man sich dabei jedoch gelangweilt hätte. Was die drei in Monrovia und im Busch erleben, changiert zwischen „real“ und „surreal-fantastisch“ und hält den Leser ständig in der Schwebe. Die personale, unzuverlässige Erzählweise, die jeder Figur ihre eigene Erzählstimme gibt, ist virtuos gestaltet – besonders beeindruckend ist die Wahrnehmung der Welt durch die Ohren des blinden Bo. Merkel verwebt die Anfänge eines coming-of-age-Prozesses mit einem Familien-, Gesellschafts- und einem Reiseroman, er nutzt Ironie ebenso wie Traditionen des afrikanischen Erzählens. Dennoch ist sein Buch – glücklicherweise! – frei von Afrikaexotismen und Klischees: Unverkennbar ist, dass Merkel einige Monate in Liberia gelebt und nicht nur in einem Reiseführer geblättert hat. Ab 12.