Osko+Deichmann Überraschende Kniffe

Blasius Osko und Oliver Deichmann
Blasius Osko und Oliver Deichmann | © osko+deichmann

Ob Pflanzen, die zu Vasen werden, geknickte Rohrstühle oder von Holzstegen inspirierte Tische: In den Arbeiten der Berliner Designer Blasius Osko und Oliver Deichmann steht die Justierung übersehener Details im Mittelpunkt, und das mit erstaunlich funktionellen Resultaten.

Lange Zeit war er beim Schuhkauf nicht wegzudenken, in den großen Kaufhäusern als auch in den kleineren Boutiquen. Jeder kannte den Spiegel mit der nach vorn geneigten Unterkante, der das Schuhwerk in den richtigen Blickwinkel rückte und bei der Entscheidung half: kaufen oder eben nicht. Diesem in den letzten Jahren verloren geglaubten Spiegel verhalfen Blasius Osko und Oliver Deichmann zu einem neuen Leben und das durch eine einfache Adaption: Sie entwarfen für das französische Möbelunternehmen Ligne Roset einen Schuhschrank, der unten geknickt eben jene schräge Spiegelfläche aufgreift und den Schuh zu Hause in eine neue Perspektive stellt.

Objekte als Geschichtenerzähler

„Shoe Cabinet“, Ligne Roset „Shoe Cabinet“, Ligne Roset | © osko+deichmann Die Gestalter, beide Jahrgang 1975, lernten sich während ihres Produktdesignstudiums an der Universität der Künste in Berlin kennen. Nach dem Vordiplom 1998 gründeten sie das Büro wunschforscher und entwickelten als solche Springschuhe, deren Eigenschaften sie sich vom Känguru abschauten, sowie Sushi-Rollmaschinen für den Hausgebrauch, die nach dem Prinzip eines Zigarettendrehers funktionieren. Seit 2005 liegt der Fokus ihres kreativen Schaffens weniger auf dem Erfinden und Erfüllen bisher ungekannter Wünsche. Vielmehr konzentrieren sie sich inzwischen als Team osko+deichmann auf die Formfindung und entwerfen einfache Gegenstände, die eine zusätzliche Bedeutung haben oder bestenfalls eine Geschichte erzählen.

Spielerische Herangehensweise

  • „Airhopper“ © osko+deichmann
    „Airhopper“
  • „Clip Chair“, Moooi © osko+deichmann
    „Clip Chair“, Moooi
  • „Kink“, Edition 21, Helmrinderknecht © osko+deichmann
    „Kink“, Edition 21, Helmrinderknecht
  • „Straw Chair“, Blå Station © osko+deichmann
    „Straw Chair“, Blå Station
  • „Natural Indigo“, Galerie S. Bensimon © osko+deichmann
    „Natural Indigo“, Galerie S. Bensimon
Blasius Osko und Oliver Deichmann versuchen aus den simpelsten Produktionsmethoden das Beste herauszuholen und das mit Resultaten, die oft erst auf den zweiten Blick auffallend sind. Wie das Shoe Cabinet das Schuhwerk neu bespiegelt, erstaunt auch der Beistelltisch Ponton, ihr erstes Möbel für Ligne Roset. Inspiriert von einem Steg, durch den das Schilf wächst, bietet eine integrierte Vase Platz für Pflanzen, die ihre Äste durch die Holzleisten der Tischplatte strecken können. Der Clip Chair von Moooi hingegen besteht, dem Mechanismus eines kleinen, faltbaren Marktkorbes nachempfunden, aus geraden, gebohrten Latten, die auf ein Stahlseil eingefädelt werden und erst durch die Belastung des Körpergewichts an Stabilität gewinnen.

Im Möbeldesign unterschätzte Details

„Ponton“, Ligne Roset „Ponton“, Ligne Roset | © osko+deichmann Zum 90. Jubiläum des Bauhauses vor drei Jahren präsentierten Osko und Deichmann mit ihrem Straw Chair eine Neuinterpretation des Freischwingers und auch das durch einen einfachen Knick. Der Knick im Stahlrohr, das war den beiden aufgefallen, ist ein im Designkontext übersehenes Detail, der mithilfe eines Schraubstockes richtig gedellt und gefaltet nicht nur funktional, sondern auch sehr elegant sein kann. „Es war eine Herausforderung, sich einerseits mit der Designhistorie auseinanderzusetzen und andererseits eine Verblüffung zu erzeugen und mit einem „kaputten Detail“ den statisch anspruchsvollsten Stuhl zu bauen“, sagt Oliver Deichmann. Denn erst durch die „funktionale Beschädigung“ entsteht die endgültige Form und Funktion.

Ästhetisierung des Defekts

„Straw Chair“, Blå Station „Straw Chair“, Blå Station | © osko+deichmann Aus der Recherche resultierte nicht nur eine zweite vierbeinige, stapelbare Version des Straw Chair, die im Februar 2010 von dem schwedischen Möbelhersteller Blå Station auf der Stockholmer Möbel- und Lichtmesse vorgestellt wurde. Auch bei der limitierten Stahlrohrmöbelgruppe Kink, die aus Stühlen, Tischen, großen Bogenlampen und kleinen Tischleuchten besteht, sind die zuvor als Defekt wahrgenommenen Knicke integrale Bestandteile des Entwurfs.

Das Interesse an vermeintlichen Fehlern und deren Ästhetisierung zeigt sich auch in weiteren Projekten, zum Beispiel mit Natural Indigo für die französische Galerie S. Bensimon. Die Objektserie, die Vasen, Uhren und Lampen umfasst, wurde mit einem abweisenden, rauen Lack mit wachsiger Oberfläche beschichtet, der normalerweise im öffentlichen Raum für Möbel wie Parkbänke verwendet wird, um Vandalismus vorzubeugen. „Es geht uns gar nicht so sehr um die neue Funktion, sondern vielmehr um eine neue Formensprache“, erklärt Blasius Osko. „Daraus ist auch das Thema entstanden, das vermeintlich Kaputte ästhetisieren zu wollen und mit anderen Augen darauf zu schauen.“