Baikonur Im Schatten des Kosmodroms

Filmstill aus „Baikonur”
Filmstill aus „Baikonur” | © Spectator

Veit Helmers Film Baikonur ist fast wie ein Märchen für Erwachsene. Er erzählt die ergreifende Liebesgeschichte zwischen dem jungen Iskander, der in einem kasachischen Dorf unweit des Raketenstartplatzes Baikonur lebt, und der französischen Weltraumtouristin Julie.

Iskander träumt davon, Kosmonaut zu werden. Seine Chancen, diesen Traum zu verwirklichen, sind jedoch gering: Seine einzige Verbindung zur Raumfahrt besteht im Einsammeln der verbrauchten Raketenstufen, die in der kasachischen Steppe niedergehen. Iskander lebt nämlich in einem kleinen Dorf unweit des weltweit ältesten Weltraumflughafens Baikonur, von dem 1961 bereits Juri Gagarin startete – Iskanders größtes Idol. Gemeinsam mit den anderen Dorfbewohnern sammelt Iskander den Weltraumschrott ein, der bei Raketenstarts zur Erde fällt. Nachts betrachtet der Junge die Sterne und träumt von der französischen Weltraumtouristin Julie, die unlängst in Baikonur eingetroffen ist. Das Schicksal will es jedoch, dass Iskander eines Tages anstelle eines weiteren Stücks Raketenblech die schöne Französin in der Steppe findet. Und wie es ein ungeschriebenes Gesetz der kasachischen Steppe besagt: Was vom Himmel fällt, darf man behalten.

Baikonur ist ein bezaubernder, bittersüßer Film über Träume, das Erwachsenwerden und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben vor dem Hintergrund der rauen kasachischen Steppe. Die Geschichte orientiert sich am klassischen Märchenschema: Ein Waisenkind, das dem Ruf der großen weiten Welt folgen und seine Träume verwirklichen will, so unwahrscheinlich diese auch erscheinen mögen. Auf seinem Weg begegnet ihm eines Tages eine hübsche Prinzessin, die vom Himmel gefallen ist und seinem Leben eine neue Wendung gibt.

Es ist eine zeitlose Geschichte über das Aufeinanderprallen von Gegensätzen: Jugend vs. Alter, Tradition vs. Moderne, Träume vs. Alltag. Der Regisseur Veit Helmer operiert geschickt mit Emotionen und erzählt eine Geschichte, die ebenso ergreifend wie amüsant ist. In manchen Momenten (vor allem in Szenen, in denen der Dorfalltag geschildert wird) erinnert Baikonur an die Filme von Emir Kusturica: Er hat denselben liebevoll-ironischen Blick auf seine Helden. Diese Assoziation wird noch durch die Filmmusik von Goran Bregović verstärkt, der bereits mehrfach mit dem serbischen Regisseur zusammenarbeitete. Eine besondere Atmosphäre erhält die leicht surrealistische Geschichte durch die faszinierende Szenerie der kasachischen Steppe und des maroden Kosmodroms, das – obwohl es weiterhin genutzt wird – eher wie ein sozialrealistisches Mausoleum als wie ein moderner Weltraumflughafen wirkt.

Auch wenn der Film gegen Ende ein wenig zu sehr ins Märchenhafte abgleitet, überzeugt er doch durch seine faszinierenden Bilder, die überraschend lange im Gedächtnis haften bleiben. Und in wie vielen Filmen erfährt man schon etwas über die vielfältigen Verwendungen von Kameldung?

Der polnische Filmstart ist für den 14. Dezember geplant.