Wettbewerb für beginnende Übersetzer „Diamantenschliff“

„Diamantenschliff“
Foto: Luka Łukasiak

Die Gewinner des Wettbewerbs „Diamantenschliff“ für beginnende Übersetzer deutschsprachiger Literatur stehen fest. Die Autorinnen der beiden besten Übersetzungen gewannen Stipendienaufenthalte in Österreich und Deutschland. Gemeinsam mit vier weiteren Übersetzerinnen werden sie außerdem an einem zweijährigen Mentorenprogramm teilnehmen.

Die Jury, bestehend aus den Übersetzern Ryszard Turczyn, Maria Przybyłowska und Karolina Kuszyk, wählte vier deutschsprachige Texte aus, die von den Teilnehmern auf Polnisch übersetzt werden sollten: Ausschnitte aus Romanen von Cordula Simon (Österreich), Clemens Meyer (Deutschland), Heinz Helle (Deutschland) und Martin Prinz (Österreich). Der Wettbewerb richtete sich an Übersetzer, die am Beginn ihrer Karriere stehen, jedoch bereits erste Übersetzungen veröffentlich haben. Die Teilnehmer mussten je einen Text eines deutschen und eines österreichischen Autors übersetzen.

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Die Jury erhielt 21 Einsendungen. „Das Niveau der Übersetzungen war sehr unterschiedlich. Wir hatten jedoch keine Probleme, die besten von ihnen auszuwählen”, erklärte Maria Przybyłowska im Rahmen der Preisverleihung an der Philologischen Fakultät der Universität Łódź. „Zunächst haben wir uns angesehen, ob die Texte in gutem Polnisch geschrieben sind, oder ob man auf den ersten Blick merkt, dass es sich um Übersetzungen handelt. Anschließend haben wir uns – als Spezialisten für Sprache – näher mit den Texten beschäftigt. Wir haben überprüft, wie gut die gewählten polnischen Äquivalente tatsächlich den Inhalt des Ausgangstextes wiedergaben. Dabei ging es uns nicht nur um die grammatische oder lexikalische Angemessenheit, sondern vor allem um die Stimmigkeit des Ausdrucks. Übersetzer arbeiten nicht Wort für Wort, sondern in größeren Einheiten. Das wichtigste Kriterium für uns war der Gesamteindruck“, erläuterte Ryszard Turczyn.

Die Gewinnerinnen 

Den ersten Preis, ein einmonatiges Übersetzerstipendium in Österreich, vergab die Jury an Krystyna Schmidt, die sich für die Texte von Clemens Meyer und Martin Prinz entschieden hatte. „Ich habe damals während meines Studiums übersetzt, also vor etwa 20 Jahren. Anschließend habe ich mich beruflich mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Dieser Preis ist für mich ein Ansporn, mich wieder mehr dem Übersetzen zu widmen. Als ich meine Texte zum Wettbewerb einreichte, ging es mir nicht um die Preise. Das Übersetzen muss einfach etwas in mir auslösen“, betonte die Siegerin des Wettbewerbs.

Der zweite Preis, ein Stipendienaufenthalt in Dresden-Hellerau, ging an Dr. Ewa Mikulska-Frindo. „Als ich die klangvollen Namen der Jurymitglieder las, hatte ich ein wenig Angst, meine Übersetzungen einzureichen. Die Auszeichnung war für mich eine große Überraschung. Ich hatte mir u. a. den Text von Heinz Helle ausgesucht. Er hat mich sehr berührt, und bei solchen Texten fällt mir das Übersetzen am leichtesten“, erklärte die Gewinnerin des zweiten Preises. Kaja Puto, die Gewinnerin des dritten Preises, reizte der Text von Cordula Simon: „Ich interessiere mich für Osteuropa, und das Schaffen der Autorin ist eng mit der Ukraine verbunden. In ihren Werken äußert sich das postapokalyptische Grauen, das sich derzeit in Odessa abspielt.“ Auch bei der Wahl des zweiten Textes zögerte Puto nicht lange. „Die Entscheidung für Heinz Helle fiel aus voller Überzeugung. Ich habe mich vor einiger Zeit mit analytischer Philosophie beschäftigt und hatte keine Probleme, die Texte, auf die sich der Autor bezieht, zu identifizieren.“

Die Preise

Der Wettbewerb „Diamantenschliff“ endete nicht mit der Preisverleihung. Die Gewinnerinnen der ersten drei Preise sowie drei weitere Übersetzerinnen – Anna Maria Władyka, Irena Dębek und Anna Bień (als Teilnehmerin des PULS Debütantenwettbewerbs) – wurden zur Teilnahme an einem zweijährigen Mentorenprogramm eingeladen, bei dem sie von Ryszard Turczyn und Maria Przybyłowska betreut werden. „Das Mentorenprogramm ist eine ausgezeichnete Idee, und ich freue mich, daran teilzunehmen. Ich wurde selbst früher von der hervorragenden Übersetzerin Teresa Jętkiewicz-Rządkowska betreut, der ich sehr viel verdanke. Jetzt würde ich gerne etwas davon weitergeben“, sagte Maria Przybyłowska.

Die Mentoren und die Übersetzerinnen werden sich zweimal jährlich zu gemeinsamen Übersetzerworkshops treffen. „Wir versuchen auch, einen einwöchigen Studienaufenthalt für Übersetzer und Mentoren in einem Übersetzerhaus zu organisieren. Wir hoffen, mit dieser Maßnahme den Nachwuchstalenten Unterstützung auf ihrem nicht immer leichten Weg zum literarischen Übersetzer zu geben“, betonte Regina Anhut-Frahm vom Goethe-Institut Warschau.

Das Mentorenprogramm beschränkt sich nicht auf Begegnungen und Workshops. Die Mentoren werden den sechs Übersetzerinnen während der gesamten Dauer des Projekts als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. „Egal, wo wir uns gerade befinden, sie werden sich über Skype oder E-Mail jederzeit mit Fragen an uns wenden können. Wir werden ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen“, versicherte Ryszard Turczyn.
 

Der Wettbewerb „Diamantenschliff“ wird vom Goethe-Institut, dem Österreichischen Kulturforum Warschau und der Universität Łódź organisiert.