Europäisches Projekt zur Übersetzungsförderung TransStar oder „Übersetzer treten aus dem Schatten heraus“

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Rund 60 junge Leute, die „Europa aktiv mitgestalten“ wollen, kamen im Januar 2014 nach Krakau zum TransStar-Netzwerktreffen. Die Vorträge, Workshops und Veranstaltungen für und mit Literaturübersetzern aus sechs Ländern fanden in den stilvollen Räumlichkeiten der Villa Decius, im Goethe-Institut und in Krakauer Cafes statt. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur Literatur und Sprache, sondern auch die Frage, wie die Übersetzer zu aktiven Managern und Kulturmittlern werden können.

TransStar Europa: Literarisches Übersetzen und internationales Kulturmanagement

Das Projekt TransStar Europa startete zu Beginn des Jahres 2013 mit dem Ziel, Literatur und Kultur europäischer Länder durch Übersetzungen miteinander zu verbinden und dabei die „kleineren“ Sprachen im europäischen Bewusstsein zu verankern. Das Innovative am Projekt beruht darauf, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Tschechien, Polen, Slowenien, Kroatien, der Ukraine und aus Deutschland sowohl im literarischen Übersetzen als auch im Kulturmanagement zugleich fortgebildet werden. Die Projektgruppe besteht aus zwölf 5-Personen-Teams, die jeweils ins bzw. aus dem Deutschen übersetzen.

Im Rahmen von TransStar werden darüber hinaus moderne Praxismodule für die Ausbildung der Literaturübersetzer in und aus kleinen Sprachen erarbeitet, die dann den Universitäten angeboten werden. In Polen werden die Module unter der Leitung von Prof. Joanna Jabłkowska an der Universität Łódź entwickelt und erprobt.

Initiiert und geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Schamma Schahadat und Claudia Dathe vom Slavischen Seminar der Universität Tübingen. Für die Laufzeit 2013–2015 wird die Initiative vom EU-Programm „Lifelong learning“ und den beteiligten Partnerinstitutionen gefördert. Projektpartner sind: die Karls-Universität Prag, die Universität Łódź, die Universität Zagreb, die Universität Ljubljana, die Schewtschenko-Universität Kiew sowie das Literaturhaus Stuttgart, das Goethe-Institut Kiew, das Collegium Bohemicum in Ústí nad Labem sowie der Verein Villa Decius in Krakau.

TransStar in Polen

Über die Anfänge und den Ablauf des Projektes in Polen erzählten dem Portal goethe.de/polen Dr. Elżbieta Tomasi-Kapral aus der Universität Łódź, die für die Koordination landesweit zuständig ist, und Małgorzata Różańska aus dem Verein Villa Decius.

Das Projekt TransStar hat nach Polen Frau Prof. Dr. Joanna Jabłkowska (Universität Łódź) geholt. Auf die polenweite Ausschreibung meldeten sich circa 40 angehende Übersetzerinnen und Übersetzer. Fünf ausgewählte Personen – Übersetzer aus dem Deutschen ins Polnische – dürfen drei Jahre lang an dem Projekt teilnehmen. Die Gruppe wird von der hervorragenden polnischen Übersetzerin Sława Lisiecka als Mentorin betreut.

Im Projekt werden aber nicht nur die Übersetzungstalente geschliffen. In der Zeit, wo selbst die Literatur als eine Ware vermarktet werden muss, soll der Übersetzer auch zum aktiven Spieler auf der Literaturszene werden. Er muss Kulturmanagement und Marketingtechniken lernen und mit ethischen und rechtlichen Aspekten des Berufes möglichst vertraut sein. Der Verein Villa Decius, eine für den Literatur- und Übersetzerbetrieb wichtige Kulturstätte in Polen, bietet in dieser Hinsicht Unterstützung und Know-how an.

TransStar in Krakau

Das Netzwerktreffen im Januar 2014 gab den Anlass, sich über translatorische Fragen auszutauschen, die neuen Landschaften der europäischen Literatur des 21. Jahrhunderts zu entdecken und die wichtigen Mechanismen der Buchmärkte zu erforschen.

Best-Practice-Beispiele zur institutionellen Übersetzungsförderung stellte anhand der erfolgreichen Projekte „Schritte“ und „Traduki“ Antje Contius (Geschäftsführerin der S. Fischer Stiftung). Alida Bremer (Herausgeberin und Mitarbeiterin im Projekt „Traduki“) und Amalija Maček (Übersetzerin aus Ljubljana) erzählten aus ihrer Praxis, wie man ein Buch oder einen Autor auf den Markt bringen kann und auf welche Probleme man dabei stößt.

In einer Reihe von Workshops wurde diskutiert, wie der Übersetzer „aus dem Schatten heraustreten, aus dem Schrank und Keller kommen“ kann (unter dem Motto leitete die Theaterübersetzerin Iwona Nowacka eine der Veranstaltungen). Es wurden mehrere Möglichkeiten in Betracht gezogen – jeder kann als Kurator eigener Ideen nach Verbündeten suchen: Kultureinrichtungen, Literaturzeitschriften, Förderinstitutionen, Agenturen usw. Es gab auch eine Möglichkeit, in einem Workshop praktisch zu üben, wie man ein Gutachten für den Verlag schreibt.

TransStar brachte nach Krakau ein Geschenk für Literaturfreunde: „Übersetzungswürfel: Sechs Seiten europäischer Literatur und Übersetzung“ heißt eine Reihe von Veranstaltungen mit Autoren und Übersetzern, die den Übersetzungsprozess in allen seinen Kontexten und Facetten zeigen will. Einige Krakauer Cafes wurden zu Schauplätzen von literarischen Performances. Dialoge zwischen den Autoren und ihren Übersetzern, Lesungen und Übersetzungen live brachten dem Publikum sowohl die Literatur als auch die Kunst des Übersetzens näher. Mitgewirkt haben unter anderem Yoko Tawada (Berlin), Sylwia Chutnik (Warschau), Jurko Prochasko (Lviv), Amalija Maček (Ljubljana), Radovan Charvát (Prag), Olaf Kühl (Berlin), Sława Lisiecka (Łódź) und Ryszard Wojnakowski (Krakau).

Die weiteren „Übersetzungswürfel“ finden in Stuttgart, Ljubljana, Tübingen, Prag und Berlin statt. Gefördert wird das Projekt von der Kulturstiftung des Bundes, dem Programm für lebenslanges Lernen der Europäischen Union und der Robert Bosch Stiftung.