Literaturagenturen Literaturagenten als Mediatoren

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Maria Strarz-Kańska, Mitinhaberin der Literaturagentur Graal, spricht über die Arbeit von Literaturagenturen, die Prognostizierbarkeit von Verkaufszahlen und über die „Übertragung“ von Bestsellern von einem Buchmarkt auf einen anderen.

Literaturagenturen sind ein etwas mysteriöses Element des Buchmarktes. Wir wissen, was in den Verlagen geschieht, wir wissen, wie Buchhandlungen funktionieren – aber Literaturagenturen? Wie sieht Ihre Tätigkeit in der Praxis aus?

Maria Strarz-Kańska: Literaturagenturen vertreten Autoren. Die Schriftsteller, die sich an uns wenden, müssen sich dank unserer Arbeit nicht mit irgendwelchen Formalitäten herumschlagen, sondern können sich ganz aufs Schreiben konzentrieren. Wir prüfen ihre Verträge, wir wissen ganz genau, wie der Buchmarkt in der Praxis funktioniert. Bei unserer Arbeit verwenden wir unter anderem Computerprogramme, die den Weg jedes einzelnen Buches unserer Autoren verfolgen – von seiner Entstehung über das Manuskript bis zur fertigen Publikation. Mit einigen Schriftstellern arbeiten wir auch umfassender zusammen und redigieren zum Beispiel ihre Texte. Die Publikation eines Buches ist mit ungeheuer vielen Formalitäten verbunden, die mit größter Sorgfalt erledigt werden müssen.

Der Hauptgegenstand der Arbeit von Literaturagenturen ist also das Buch?

Das Buch, vor allem jedoch die Rechte daran. Gegenwärtig schließen wir bei Graal jedes Jahr etwa 1.000 Verträge ab. Wir sind seit 1993 tätig. Die Arbeit in den 90er-Jahren war rückblickend eine ziemliche Schinderei – wir hatten schrecklich viel zu tun, bis zu 12 Stunden am Tag. Wir haben uns schnell von einem kleinen Familienbetrieb zu einem Unternehmen gewandelt und zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Heute verfügen wir über eine gefestigte Position am Markt.

Waren Sie auch am Verkauf der Rechte an einem deutschen Bestseller nach Polen beteiligt?

Ja. Wir hatten mehrere Autoren, mit unterschiedlichem Erfolg. Zuerst Herta Müller, die in Deutschland seit jeher große Anerkennung genießt und in Polen nach dem Erhalt des Literaturnobelpreises bekannt wurde. Interessanterweise wurden von keinem ihrer Bücher mehr als 3.000 Exemplare in Polen verkauft. Auch die vielen positiven Rezensionen haben daran nichts geändert. Sie ist eine schwierige Autorin. Deshalb denke ich, dass das schon ein recht gutes Ergebnis ist.

Und außer Müller?

Wir haben auch die Rechte an einem Buch von Daniel Glattauer verkauft, der drei Jahre in den deutschen Amazon-„Top 100“ vertreten war. Damit sind wir allerdings völlig gegen die Wand gefahren. Das Buch war einfach nicht auf den polnischen Buchmarkt übertragbar, obwohl es sämtliche Merkmale eines Bestsellers hatte: einen charakteristischen, leichten, aber zuweilen auch tiefgründigen Stil.

„Es war nicht übertragbar“ – das ist interessant, dass Sie diese Formulierung wählen. Wahrscheinlich ist die Arbeit einer Literaturagentur mit der einer Übersetzungsagentur vergleichbar. Nur dass – anstatt von einer Sprache in eine andere – ein Buch von einem Buchmarkt auf einen anderen übertragen wird …

Für mich war die Sache mit Glattauer eine sehr große Enttäuschung. Ein anderer Schriftsteller, der in Deutschland einen festen Platz in den Bestsellerlisten hat, ist Sebastian Fitzek, dessen Bücher zwar auch in Polen erscheinen, aber ohne spektakulären Erfolg. Ich hätte gedacht, Fitzek könnte sehr gut an den Erfolg der Skandinavien-Krimis anknüpfen, doch nichts dergleichen geschah. Jürgen Thorwald hingegen ist in Polen sehr erfolgreich, fast alle seine Bücher wurden ins Polnische übersetzt und erreichten Bestsellerstatus. Seit 1970. Sowohl Neuerscheinungen als auch Neuauflagen sind riesige Erfolge. Garantierte Bestseller.

Kann mal also vorhersagen, welche Bücher aus Deutschland bei uns zu Bestsellern werden?

Die deutschsprachige Literatur hat es in Polen nicht ganz leicht. Allein schon auf praktischer Ebene – es gibt viel zu wenig Rezensenten. Wenn es um fremdsprachige Literatur geht, sind englischsprachige Bücher an erster Stelle, dahinter folgen – ex aequo deutsche, französische, italienische und spanische Titel. Deutschland ist auf dem polnischen Buchmarkt vor allem mit Sachbüchern und Reportagen vertreten – mit Romanen nicht so sehr. Deutsche Sachbücher haben in Polen eine feste Position und obwohl sie sich nicht in riesigen Auflagen verkaufen, können deutsche Autoren immer mit guten Absatzzahlen rechnen.

Und wie sieht es mit der Vermittlung polnischer Autoren an deutsche Verlage aus?

Damit haben wir nur sehr wenig Erfahrung. Die meisten polnischen Schriftsteller vertreten sich selbst. Das ist eine Tradition, die noch aus Zeiten des Kommunismus stammt. Im Kommunismus schlossen die Autoren ihre Verträge selbst ab und sie haben sich einfach daran gewöhnt. Ein Agent ist für sie ein Eindringling. Wir arbeiten nur mit wenigen polnischen Autoren zusammen und haben mit ihnen weniger Erfolg als mit amerikanischen Autoren.

Um wieder zum polnischen Buchmarkt zurückzukehren – welche neuen Bücher, die Sie gerade betreuen, haben gute Chancen, zu Bestsellern zu werden. Was erwartet uns?

Ganz sicher Inferno von Dan Brown und auch das neueste Buch von Tadeusz Kisielewski – ein fantastischer Politthriller vor dem Hintergrund des Flugzeugabsturzes bei Gibraltar und des Todes von General Władysław Sikorski.