Urlaub in Berlin und Umgebung Spargelspezialitäten, die Milchstraße und Heilbäder

Basteibrücke
Basteibrücke | Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de © Creative Commons

Auf der Landkarte präsentiert sich Berlin fast komplett in Blau und Grün. Nur wenige Metropolen verfügen über so viele Seen, Parks, Gärten und Wälder, wie die deutsche Hauptstadt und ihr Umland. Daneben gibt es reichlich kuriose Attraktionen: eine Übernachtung in einem Gurkenfass, die Ruinen eines Krankenhauses, in dem einst Adolf Hitler behandelt wurde, ein Dorf, in dem es nachts so dunkel wird wie in der namibischen Wüste, und einen historischen Personenaufzug, mit dem man auf einen Berg fahren kann. Man muss nicht in die Ferne schweifen – auch in Berlin und Umgebung kann man einen wirklich interessanten Urlaub verbringen.

Beelitz

Beelitz Heilstätten Beelitz Foto qbanez © Creative Commons
Auch wenn die Spargelzeit schon seit Mitte Juni vorbei ist, beginnen wir unseren Streifzug durch das Berliner Umland in Beelitz, das den stolzen Titel „Spargelstadt“ trägt. Und das mit Recht: Man kann hier Spargelschnaps, Spargelbrot und sogar Spargeleis verkosten. Seit über 150 Jahren wird in Beelitz Spargel angebaut. Von April bis Juni hat auch das Spargelmuseum geöffnet, indem man für nur 1,50 Euro alles über die Königin der Gemüse erfahren kann, die zunehmend auch die polnischen Esstische erobert. Das ganze Jahr über kann man die Beelitz-Heilstätten besichtigen, einen großen Krankenhauskomplex, der 1889 als ein Sanatorium zur Behandlung von Lungenkrankheiten erbaut wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg diente es als ein Lazarett, in dem auch der Gefreite Adolf Hitler behandelt wurde. Nach der teilweisen Schließung des Krankenhauses in den Neunzigerjahren wurden die verfallenen Gebäude zu einem beliebten Drehort für Kino- und Fernsehproduktionen: unter anderem entstanden hier Teile von Polańskis Der Pianist und Operation Walküre mit Tom Cruise. Seit Kurzem kann man die Anlage auch von einem Baumkronenpfad aus besichtigen (weitere Informationen auf www.baumundzeit.de/informationen/polski.html). Beelitz liegt etwa 60 km südwestlich von Berlin und ist mit dem Regionalzug RB7 erreichbar.
 

Spreewald

Spreewald Spreewald Spreewald | Foto: andreasmetallerreni © Pixabay
Etwas weiter, etwa 100 km von Berlin entfernt, befindet sich das Biosphärenreservat Spreewald. Während der letzten Eiszeit entstanden hier auf einer Fläche von fast 500 km² über 200 Flussarme, die Besucher mit Booten oder Kajaks erkunden können. Zwischen den Kanälen erstrecken sich die Felder und Dörfer der hier beheimateten Sorben (manche der Häuser sind nur auf dem Wasserweg erreichbar). Eine der Hauptattraktionen der Gegend sind die berühmten Spreewaldgurken, die in großen Fässern eingelegt werden und ihren besonderen Geschmack der Zugabe von Honig, Chili und Senf verdanken. Manchmal landen auch Basilikum, Zitronenmelisse, Nussbaum-, Kirsch- und Weinblätter mit im Fass, doch die genauen Rezepturen sind gut gehütete Familiengeheimnisse. Nach einer mehrstündigen Kajaktour kann man sich eine echte Spreewaldgurke schmecken lassen und eine Nacht in einem Gurkenfass verbringen. Die Fasshotels bieten sämtliche Annehmlichkeiten: bequeme Betten, einen Esstisch mit Stühlen und ein kleines Fenster.
 

Großer Stechlinsee

Großer Stechlinsee Großer Stechlinsee Großer Stechlinsee | Foto: Botaurus © Creative Commons
Die Ferienzeit bietet eine gute Gelegenheit, die vielen Seen rund um Berlin zu erkunden. Der Große Stechlinsee, der circa 90 km nördlich von Berlin liegt, ist der tiefste See Brandenburgs. Sein Wasser ist so sauber, dass man es trinken kann. Im Sommer hat das Wasser des Sees eine Sichtweite zwischen sechs und acht Metern, was ihm einen türkisen, fast mediterran anmutenden Schimmer verleiht. Man kann sich an den großen öffentlichen Sandstrand am Dagower Winkel lenken – Ortskundige kommen jedoch lieber früh morgens an den See und mieten sich ein Boot, um sich ihren eigenen, ganz persönlichen Traumstrand zu suchen. Wem das Rudern zu anstrengend ist, der kann einen dreißigminütigen Spaziergang durch den Wald zur Sonnenbucht unternehmen, um dort dem Rummel ein wenig zu entfliehen. Der Große Stechlinsee und der umliegende Wald stehen seit 1983 unter Naturschutz. All jenen, die die Seen im Berliner Umland genauso gut kennenlernen wollen, wie die Einheimischen, empfehle ich das kürzliche erschienene Buch Take Me to the Lakes (https://takemetothelakes.com), in dem die 50 schönsten Seen in und um Berlin detailliert beschrieben werden.

Der Sternenpark Westhavelland

Westhavelland Westhavelland Westhavelland | © National Park Service
Es gibt auf der ganzen Welt nur 40 Orte, die von der IDA (International Dark-Sky Association) als „Sternenparks“ ausgezeichnet wurden – Orte, die ideale Voraussetzung zur Beobachtung des Nachthimmels bieten. Drei dieser Orte befinden sich in Deutschland, einer davon liegt nur 70 km von Berlin entfernt. Im Naturpark Westhavelland kann man – dank der geringen „Lichtverschmutzung“ – Sterne, Planeten, die Milchstraße und sogar das Nachthimmelsleuchten beobachten. Die Gegend ist nur dünn besiedelt, nachts ist es hier – nach Meinung von Experten – genauso dunkel, wie in der namibischen Wüste. Die besten Orte, um unser Teleskop aufzustellen, finden sich in der Gegend von Gülpe (eine komplette Liste gibt es auf https://www.havelland-tourismus.de/natur/sternenpark-westhavelland/beobachtungsplaetze-sternenpark/). Nach unseren nächtlichen Observationen können wir uns durch einen Sprung in die kühle Havel erfrischen. Und wenn der Himmel doch einmal bedeckt ist, beobachten wir eben die hier in rauen Mengen vorkommenden Vögel.

Die Sächsische Schweiz 

Basteibrücke Basteibrücke Basteibrücke | Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de © Creative Commons
Ein Besuch der Sächsischen Schweiz ist meiner Ansicht nach einer der schönsten Ausflüge, die man von Berlin aus unternehmen kann. Als Ausgangspunkt zur Erkundung dieser Region empfehle ich Neustadt, das circa 200 km von Berlin entfernt an der Grenze zu Tschechien liegt. Eines der Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz ist die Basteibrücke, die seit über 200 Jahren mitten durch das Elbsandsteingebirge führt. Von dem dortigen Aussichtspunkt können wir durch den Wald zum nächsten Dorf hinabsteigen, uns ein belegtes Brot mit Karpfen schmecken lassen und anschließend durch die Schwedenlöcher, eine klammartige Seitenschlucht, wieder hinaufklettern. Eine weitere Attraktion sind die Schrammsteine mit einer Höhe von 417 Metern. Nach dieser Bergtour können wir Bad Schandau besuchen, wo Quentin Tarantino den Großteil seines Films Inglourious Basterds drehte, und in der dortigen Therme entspannen. Auf keinen Fall verpassen sollte man den 1904 erbauten, 50 Meter hohen Personenaufzug, mit dem man auf das Plateau der Ostrauer Scheibe fahren kann – und der seinerseits Schauplatz einiger Szenen in Wes Andersons Film „Grand Budapest Hotel“ war. Liebhaber deutscher Burgen sollten sich unbedingt die mittelalterliche Festung Königstein ansehen, eines der größten Bauwerke dieser Art in Europa.

Die Glienicker Brücke

Glienicker Brücke Glienicker Brücke Glienicker Brücke | Foto: Manfred Brückels © Creative Commons
Auf der Glienicker Brücke kann man sich den Wind der Geschichte um die Nase wehen lassen. Die an der Grenze zwischen Berlin und Potsdam gelegene Brücke verband einst Westberlin mit der DDR und wurde während des Kalten Krieges zum Austausch sowjetischer und amerikanischer Agenten genutzt. Vor Kurzem diente sie sogar als Schauplatz des Films Bridge of Spies – Der Unterhändler mit Tom Hanks. In der Nähe der Brücke erstrecken sich wunderschöne Parks mit Bauwerken des berühmten preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel. Im weiteren Verlauf der Havel finden sich noch einige echte Perlen Brandenburgs, Berlins und Potsdams: die Pfaueninsel, auf der die preußischen Könige im 18. Jahrhundert ihre Geliebten unterhielten (heute kann man dort einen Spaziergang unternehmen und die tatsächlich dort lebenden Pfaue bewundern), den Sacrower See, der ein wenig abseits der ausgetretenen touristischen Pfade gelegen ist, das über hundert Jahre alte Filmstudio Babelsberg und selbstverständlich die größte Attraktion Potsdams – das Schloss Sanssouci. Ein Wochenende ist eigentlich viel zu wenig, um all die Sehenswürdigkeiten dieser Gegend zu erkunden.

Bad Saarow 

Bad Saarow See Bad Saarow See Bad Saarow See | Foto: Olaf Baumann © Creative Commons
Bad Saarow ist ein bezaubernder Kurort am Scharmützelsee, der circa 40 km östlich von Berlin unweit der polnischen Grenze liegt. Der Ort ist vor allem für seine Therme bekannt, deren größte Attraktion ein Solebecken mit einer Temperatur von 34 bis 36 Grad ist. Nachdem wir uns ausgiebig im warmen Wasser entspannt haben, können wir einen Spaziergang in den nahe gelegenen Wald unternehmen und die Markgrafensteine, zwei große Findlinge aus der Eiszeit, besichtigen oder regionale Fischspezialitäten im Bootshaus, einem vom Guide Michelin empfohlenen Restaurant direkt am Hafen genießen. Daneben gibt es in Bad Saarow mehrere Luxushotels mit eigenen Golfplätzen. Viele von ihnen verfügen auch über eigene Restaurants und Wellnesseinrichtungen.