Deutsche Filmwoche Ein wohltätiges Projekt

Witamy u Hartmannów / Willkommen bei den Hartmanns, Regie: Simon Verhoeven
Witamy u Hartmannów / Willkommen bei den Hartmanns, Regie: Simon Verhoeven | © Wiedemann & Berg Film, Materialien: Picture Tree International

Die im Rahmen der Deutschen Filmwoche gezeigte Komödie Willkommen bei den Hartmanns thematisiert mit einer dem Genre eigenen Leichtigkeit eines der schwierigsten Themen im gegenwärtigen Deutschland: die Flüchtlingskrise. Ein Gespräch mit dem Regisseur, Simon Verhoeven.
 

Anna Tatarska: Gab es einen Zusammenhang zwischen ihrer Entscheidung, diesen Film zu machen, und Angela Merkels im Jahr 2015 verkündeter Entscheidung, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen?
 
Simon Verhoeven: Anfangs nicht. Ich hatte bereits ein Jahr zuvor mit der Arbeit am Drehbuch begonnen. Ihre Entscheidung hat uns überrascht, plötzlich wurde das Thema unseres Films zum brisantesten und meist diskutierten Thema in Deutschland, und die Fragen, mit denen wir die Familie Hartmann konfrontierten, beschäftigten plötzlich die gesamte Bevölkerung. In gewisser Weise wurden unsere Hartmanns zu einem Abbild der ganzen Gesellschaft. Das war ein wenig erschreckend, aber wir haben einfach weitergemacht und das Drehbuch mehrfach umgeschrieben, es an die Realität angepasst. Ich selbst stand dieser Entscheidung skeptisch gegenüber. Ich sah darin keinen konkreten Plan und sehe ihn auch heute noch nicht.
 
Warum haben Sie Ihren Film in München spielen lassen?
 
Zum einen, weil ich dort geboren bin, und zum anderen, weil es mir für eine Komödie interessanter erschien, wenn ein afrikanischer Flüchtling von einer konservativen, wohlhabenden Familie aus München aufgenommen wird anstatt von einer modernen, liberalen Familie aus Berlin. Dort wäre es nichts Besonderes, in München oder Bayern ist es eine mittlere Sensation.
 
Als besonders bezeichnend erscheint mir in diesem Zusammenhang das Verhalten der Mutter, ihr Umgang mit diesem Thema.
 
Angelika Hartmann wird von Senta Berger gespielt, meiner Mutter, die in Deutschland ein großer Star ist und mit der ich schon lange einmal zusammenarbeiten wollte. Sie war die Idealbesetzung für die Rolle der Angelika – einer pensionierten Lehrerin, deren Mann den ganzen Tag arbeitet und deren Kinder längst außer Haus sind. Sie fühlt sich einsam und gelangweilt, Diallo ist für sie einfach ein weiteres wohltätiges „Projekt“ – das ist zwar nett und in gewisser Weise amüsant, jedoch auch unglaublich bitter.
 
In Willkommen bei den Hartmanns greifen Sie unter anderem Themen wie Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Bürokratiewahnsinn auf. Können Komödien sämtliche Themen, auch die schwierigsten, anpacken?
 
Man sollte nicht vor schwierigen Themen zurückschrecken, nur weil man eine Komödie macht. Ich erinnere nur an Stanley Kubricks Dr. Seltsam über die nukleare Krise. Lachen ist nicht nur gesund, sondern auch befreiend, es verbindet die Menschen. Die Möglichkeit, Deutschland zum Lachen zu bringen, war für uns ungeheuer wichtig. Der Humor des Films ist auch keineswegs eindimensional – alle bekommen ihr Fett weg, egal, ob rechts oder links, oben oder unten. Auch die Flüchtlinge.
 
Waren Sie von der großen Popularität des Films selbst überrascht? Es fällt mir schwer, mir einen polnischen Film vorzustellen, der sich ähnlich kritisch mit den eigenen nationalen Untugenden auseinandersetzen würde und trotzdem Erfolg an den Kinokassen hätte …
 
Niemand von uns konnte damit rechnen. Auch, weil uns bereits vor der Premiere eine unglaubliche Welle des Hasses entgegenschlug, sowohl von links als auch von rechts. Die einen waren der Ansicht, wir würden eine Art ,,Merkelpropaganda“ machen, die anderen warfen uns vor, wir würden dieses ernste Thema ins Lächerliche ziehen. Schließlich kamen auch noch die Muslime, die uns den Vorwurf der Islamophobie machten …
 
Selbstverständlich hatte keine der Seiten Willkommen bei den Hartmanns bis dahin gesehen. Zum Glück war unser Film in der Lage, für sich selbst zu sprechen und die Zuschauer zu begeistern. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Films ist seine ehrliche, politisch unkorrekte Auseinandersetzung mit dem Thema und die Darstellung vieler verschiedener Meinungen und Perspektiven. Wir zeigen einen Flüchtling, der tatsächlich Hilfe benötigt, aber auch einen, der Verbindungen zum Terrorismus hat. Wir kritisieren deutsche Rassisten ebenso wie radikale Islamisten. Wir verbinden zahlreiche Gegensätze. Unser Film ist kein naives Märchen nach dem Motto „Refugees Welcome“, sondern vielmehr ein satirischer Blick auf eine verunsicherte Gesellschaft. Und nicht zuletzt ein lustiger, gut gemachter Film mit großartigen Figuren.


 

Das Programm der im Rahmen der Deutschen Filmwoche vom 12.01 bis zum 18.01.2018 stattfindenden Aufführungen in Warschau finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.