Tag der Liebenden in Deutschland Valentinstag in Zahlen und in Auswahl

Ist der Valentinstag ein Einfall der Blumenhandlungen? Was hat eine Schnecke damit zu tun? Und lohnt es sich, statistisch gesehen, in Deutschland am 14. Februar zu heiraten?
 

Der Valentinstag hat in Deutschland erst in den 1950er Jahren Bekanntheit erlangt. Amerikanische Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg dort stationiert waren, haben den Brauch verbreitet. In der deutschen Tradition ist er allerdings bis heute nicht sonderlich verwurzelt. Jeder sechste Deutsche glaubt, dass es sich bei dem ganzen Unternehmen um einen Einfall der Blumenindustrie handelt. Statistiken scheinen diese Annahmen zu bestätigen: Blumen führen die Liste der an diesem Tag am häufigsten überreichten Geschenke an, und speziell zum 14. Februar werden 122,5 Millionen Rosen importiert, hauptsächlich von den Nachbarn aus Holland. Und wenn schon von Zahlen die Rede ist: Den Statistiken zufolge ist Sachsen-Anhalt am Valentinstag am knauserigsten, während Hamburg am meisten ausgibt, etwa 74 Euro pro Kopf! In deutschen Geschäften wird an diesem Tag alle 25 Sekunden ein Flakon Parfum verkauft, alle drei Minuten ein Ring, alle fünf ein Schaumwein und alle sechs – ein Vibrator. Zur Erklärung: In Deutschland ist der Valentinstag ein Feiertag „für Erwachsene“, oft sogar frivol, und es ist nicht üblich, dass Kinder in der Schule Valentinsgeschenke austauschen. Der Februar ist auch ein beliebter Monat für Eheschließungen. Alle drei Minuten gibt sich vor einem deutschen Altar ein Paar das sakramentale Jawort, wobei angeblich Ehen, die am 14. Februar geschlossen werden, statistisch eine geringere Chance auf ein Happy End haben als solche, die an einem beliebigen anderen Tag geschlossen werden. Grund genug, hier gesunden Menschenverstand walten zu lassen!
 
Ja genau, und sind die Deutschen, die in Europa im Ruf stehen, praktisch veranlagt zu sein und mit beiden Beinen mitten im Leben zu stehen, denn romantisch? Bei der Antwort helfen erneut die Zahlen: etwa 70 Prozent der deutschen Paare verwenden untereinander Kosenamen, und man muss zugeben, dass sie darin wahrhaft raffiniert sind: Um euren deutschen Wortschatz für diesen besonderen Tag zu ergänzen, erlaube ich mir, die interessantesten anzuführen: Zaubermaus, Spatzi, Kuschelchen, Sonnenschein oder Schnecke (dieses Wort steht bezeichnenderweise sowohl für eine attraktive Frau, als auch für eine „richtige“ Schnecke, als auch für ein Kuchenteilchen). Manchmal geht es aber auch kitschig zu: Verliebte bezeichnen sich dann als Engel, Perlen oder Sternchen.
 
Natürlich ist der Valentinstag auch in Deutschland bei manchen ein verhasster Tag, sowohl bei den Singles (etwa 7,5 Millionen Deutsche suchen ihre zweite Hälfte ständig online) als auch bei Paaren. Hier ist also eine kleine Auswahl an Ideen, wie man diesen Tag einzeln oder zu zweit verbringen kann – in Berlin, dass wie immer für jeden Geschmack etwas bereithält. 

Romantische Expedition (für weniger)

Angeblich träumen die Deutschen davon, von ihrem Geliebten zum Valentinstag eine romantische Reise nach Paris, Venedig oder Rom geschenkt zu bekommen. Aber was soll man machen, wenn der Geldbeutel leer ist, was in Berlin schon mal vorkommt, dem der Ruf „arm, aber sexy“ anhängt. In einer solchen Lage bleibt ein Spaziergang durch Neu-Venedig, einen reizenden Stadtteil von Berlin, der von Kanälen durchzogen ist, durch die man mit dem Kajak paddeln und dabei die filigranen Häuschen der Umgebung und eine recht wilde Natur bewundern kann.

Knoblauchküsse

Zwar kann Berlin sich rühmen, 14 Restaurants mit einem und sieben mit zwei Michelin-Sternen bieten zu können, doch haben wir hier selbstverständlich auch einen ganzen Fächer an weniger typischen Angeboten. Zum Beispiel das Knofel, in dem jedes Gericht von der Karte, sogar die Desserts und die Biere, mit einem Knoblauchzusatz versehen sind, oder das relativ neue Restaurant Mars, das auf dem Gelände eines denkmalgeschützten Krematoriums und eines Friedhofs im Wedding zu finden ist. Aber wenn ihr diesen Tag mit etwas Luxus zu einem ordentlichen Preis erleben wollt, empfehle ich einen Besuch im KaDeWe, wo man Kängurusteak und Meeresfrüchte kosten kann und der Champagner glasweise verkauft wird.

Ein wenig Entspannung

Der Trübsinn, der durch ein missglücktes Rendezvous oder schlicht durch Sonnenmangel verursacht ist, kann man in einem der zahlreichen Berliner Spas kurieren. Das Liquidrom befindet sich in einem Gebäude, das einem Zirkuszelt nachempfunden ist und bietet neben Saunen eine Salzwasser-Therme, in der man sich an der Oberfläche treiben lassen und dabei Entspannungsmusik hören kann. Das Vabali ist, wie schon der Name andeutet, ein Ersatz für Bali direkt neben dem Hauptbahnhof in der deutschen Hauptstadt. Der Ort macht wirklich Eindruck dank seiner Originalnaturmaterialien und dem großen Becken an der frischen Luft. Und wenn man ein Abenteuer wie im Film Vabank erleben will, dann gibt es im exklusiven Hotel de Rome ein Spa, das sich mitten in einem enormen Safe befindet, der früher dazu diente, Gold und Wertsachen sicher zu verwahren. 

Sternchen vom Himmel 

Auf der Liste der bei den Deutschen begehrten Valentinsgeschenke habe ich keinen „Stern vom Himmel“ gefunden, aber in Berlin kann man sich auch nicht nur einen, sondern gleich alle Sterne aus der Nähe betrachten, während man bequem im kürzlich renovierten Zeiss-Großplanetarium am Prenzlauer Berg sitzt. Eine Spielerei für Kinder? Nicht unbedingt! Für die nächsten Wochen stehen klassische Musikkonzerte, ein Vortrag über „Dark Matter“ und die Vorführung eines Filmklassikers von 1977 auf dem Programm: Steven Spielbergs Unheimliche Begegnung der dritten Art.

In Absinthdämpfen

Und wenn schon alles andere fehlschlägt, ist es Zeit, einen Absinth zu probieren. Im Absinth Depot könnt ihr mit dem Eigentümer plaudern, dabei etwas über die Geschichte dieses Getränks in Deutschland erfahren und eine der hundert Absinthsorten probieren, die er anbietet. Von dort sollten euch eure Schritte in die Zyankali Bar führen, die auf „Unterhaltungschemie“ spezialisiert ist und wo man zwischen alarmgelben Wänden (der Ort soll an ein Labor erinnern) seinen Abend mit schäumenden oder qualmenden Alkoholika aus der ganzen Welt (auch Absinth) direkt aus Reagenzgläsern beenden kann.

Statistiken: statista.com, www.idealo.de/magazin/valentinstag