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Urlaub auf Rügen und Hiddensee
Magische Inseln

Der Königsstuhl im Nationalpark Jasmund auf Rügen
Der Königsstuhl im Nationalpark Jasmund auf Rügen | Quelle: Flickr, Foto (Ausschnitt): Harald Henkel; CC BY-NC 2.0

Die Ostseeinseln Rügen und Hiddensee eignen sich nicht nur für einen Badeurlaub – auch die imposanten Kreidefelsen oder der in den 1930er-Jahren erbaute Koloss von Rügen lohnen einen Blick.

Die polnischen Ostseebäder gehören zu den beliebtesten und bekanntesten polnischen Urlaubszielen. Doch wer die Ostsee auf eine andere Art und Weise erleben will, muss sich nur ein wenig weiter nach Westen begeben: Die nur 100 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entfernte Ostseeinsel Rügen ist die größte und sicherlich eine der schönsten Inseln Deutschlands. Auf über 900 Quadratkilometern finden wir hier nicht nur wunderschöne Seebäder mit Villen im Stil der Bäderarchitektur, sondern auch kilometerlange Strände sowie Wiesen und Wälder mit zahlreichen Wander- und Radwegen.

Seebäder mit Flair

Zu DDR-Zeiten war Rügen eines der beliebtesten Urlaubsziele, Plätze waren in der Regel nur nach längerer Wartezeit zu bekommen. Zum Glück blieb die Insel weitgehend vom Einfluss der kommunistischen Architektur verschont. Vieles hier erinnert an die Wilhelminische Zeit – die zahlreichen Villen und Hotels, die an der Wende zum 20. Jahrhundert auf Rügen entstanden, erinnern den Besucher daran, dass die einstigen Fischerdörfer sich bereits vor über hundert Jahren zu angesagten Seebädern entwickelten. Was ist es also, das Rügen seit Jahrzehnten für Touristen so attraktiv macht?

 
  • Bäderarchitektur in Binz © Goethe-Institut
    Bäderarchitektur in Binz
  • Bäderarchitektur in Binz © Goethe-Institut
    Bäderarchitektur in Binz
  • Bäderarchitektur in Binz © Goethe-Institut
    Bäderarchitektur in Binz

Rügen verdankt seine Beliebtheit in erster Linie seiner einzigartigen Natur, genauer gesagt den über hundert Meter hohen Kreidefelsen, die heute einen Teil des Nationalparks Jasmund bilden. Zahlreiche miteinander verbundene Wanderwege führen in das Zentrum des Parks, den imposanten Königsstuhl.
 
Heute ist die Insel auch für ihre wunderschönen Seebäder bekannt, wie zum Beispiel Binz – das größte und bekannteste Seebad auf Rügen. Wobei „groß“ in diesem Fall relativ zu sehen ist: Der Ort lässt sich zu Fuß bequem in einer halben Stunde durchqueren. Doch in und um Binz gibt es alles, was man von einem Ostseebad erwartet: wunderschöne Villen und Hotels von der Wende zum 20. Jahrhundert, zahlreiche Gaststätten, eine Strandpromenade, die am Strand entlang und durch einen Wald bis in den Nachbarort führt, eine Seebrücke mit einem Restaurant auf dem Wasser, das ein wenig an eine Orangerie erinnert, und natürlich die an deutschen Stränden allgegenwärtigen Strandkörbe.

 
  • Binz © Goethe-Institut
    Binz
  • Binz © Goethe-Institut
    Binz
  • Binz © Goethe-Institut
    Binz
Unmittelbar hinter Binz beginnt ein hügeliges Waldgebiet (ähnlich wie im Nationalpark Jasmund), das man zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden kann. Inmitten des Waldes befindet sich das 1846 fertiggestellte Jagdschloss Granitz, das auch einen Aussichtsturm besitzt. Man kann Binz bequem mit dem ICE erreichen, doch wer die Insel näher kennenlernen möchte, sollte unbedingt eine Fahrt mit der historischen Schmalspurbahn „Rasender Roland“ unternehmen, die „atemberaubende“ Geschwindigkeiten von bis zu 30 Stundenkilometern erreicht. Die zum Teil offenen Waggons sorgen dafür, dass uns auch bei diesen Geschwindigkeiten der Fahrtwind um die Nase weht.
 
  • Rasender Roland © Goethe-Institut
    Rasender Roland
  • Rasender Roland © Goethe-Institut
    Rasender Roland
In der unmittelbaren Nähe von Binz liegt der Ort mit der wohl interessantesten und gleichzeitig dunkelsten Vergangenheit auf Rügen: die Ferienanlage in Prora, die in den Dreißigerjahren von den Nationalsozialisten errichtet wurde. An einem breiten Sandstrand gelegen erstreckt sich hier auf einer Länge von 2,5 Kilometern der „Koloss von Rügen“, ein gewaltiger Ferienkomplex, der über 20 000 Urlauber gleichzeitig beherbergen sollte, jedoch infolge des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs nicht fertiggestellt wurde. Während der DDR-Zeit wurde der Komplex zu einer Kasernenanlage umgebaut. 2004 begann man damit, die Blöcke einzeln an Investoren zu veräußern: Große Teile des Kolosses wurden bereits zu Wohn- und Hotelanlagen umgestaltet, in einigen anderen Blöcken dauern die Bauarbeiten noch an. Vor allem die monströse Länge des Gebäudes erinnert eindrucksvoll an den Größenwahn der NS-Architektur. Trotz der Kontroverse, die die Pläne zur Sanierung des Komplexes auslösten, wurde der Großteil der Wohnungen bereits verkauft. Wer mehr über die Geschichte von Prora erfahren möchte, kann dies vor Ort im Dokumentationszentrum Prora, im Prora-Zentrum und in der KulturKunststatt Prora tun.

 
  • Prora © Goethe-Institut
    Prora
  • Prora © Goethe-Institut
    Prora
  • Prora © Goethe-Institut
    Prora
  • Prora © Goethe-Institut
    Prora

Eine Flucht von der Wirklichkeit

Zu einem Urlaub auf Rügen gehört unbedingt auch ein Besuch der Nachbarinsel Hiddensee. Da die Insel für den privaten Autoverkehr gesperrt ist, beherrschen hier Fahrräder, Kleinbusse, Kutschen und Jachten das Bild. Hiddensee ist ausschließlich mit einer mehrmals täglich verkehrenden Fähre zu erreichen, ein Besuch der Insel erfordert also schon eine gewisse Planung. Auch dies ist sicherlich ein Grund dafür, dass Hiddensee vom großen Touristenrummel verschont geblieben ist. Die größte Ortschaft auf Hiddensee hat nur einige Hundert ständige Einwohner, und viele der Gebäude sind mit Stroh gedeckt, was den idyllischen Eindruck noch zusätzlich verstärkt.

 
  • Hiddensee © Goethe-Institut
    Hiddensee
  • Hiddensee © Goethe-Institut
    Hiddensee
  • Hiddensee © Goethe-Institut
    Hiddensee
  • Hiddensee © Goethe-Institut
    Hiddensee
Obwohl Hiddensee nur 17 Kilometer lang und 4 Kilometer breit ist, besitzt die Insel eine verblüffende landschaftliche Vielfalt – die gesamte Insel ist Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Der südliche Teil Hiddensees besteht überwiegend aus Wiesen und Heide, doch die malerischsten Ecken befinden sich am nördlichen Zipfel der Insel: Hier können wir eine Wanderung über die mit Sträuchern und dichten Wäldern bewachsenen Hügel unternehmen, ohne dabei den Leuchtturm und das Meer, das sich zu Füßen der fast hundert Meter hohen Klippen erstreckt, aus den Augen zu verlieren. Leider sind zahlreiche Wanderwege und Strandabschnitte derzeit aufgrund des Küstenschutzes gesperrt. Ähnlich wie auf Rügen ist die spektakuläre Kreideküste einer ständigen Erosion ausgesetzt, die Küstenlinie wird jedes Jahr um durchschnittlich etwa 30 cm zurückgedrängt.
 
Bei der Erkundung der Insel stößt man überall auf die für diese Region typischen Sanddornsträucher. Auch in den den hiesigen Restaurants und Geschäften sind die orangeroten Beeren mit ihrem säuerlichen, leicht bitteren Geschmack allgegenwärtig: in Form von lokalen Gerichten, Säften und Likören über Tees und Konfitüren bis hin zu Badezusätzen und Seifen.
 
  • Hiddensee © Goethe-Institut
    Hiddensee
  • Hiddensee © Goethe-Institut
    Hiddensee
  • Hiddensee © Goethe-Institut
    Hiddensee
  • Hiddensee © Goethe-Institut
    Hiddensee
Die idyllische aber auch ein wenig isolationistische Atmosphäre Hiddensees beschrieb Lutz Seiler eindrucksvoll in seinem Roman Kruso, der 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde (der Roman wurde auch von Dorota Stroińska ins Polnische übersetzt). Der Held des Romans ist Edgar Bendler, ein Germanistik-Student, der 1989 nach Hiddensee aufbricht und dort eine Arbeit in der malerisch gelegenen Ausflugsgaststätte „Zum Klausner“ findet. Während seines Aufenthalts wird er allmählich in die verschworene Gruppe der hier arbeitenden Saisonkräfte aufgenommen. Als der Sommer endet und die Feriengäste allmählich die Insel verlassen, beschließt Edgar, auf Hiddensee zu bleiben, gemeinsam mit den anderen „Schiffbrüchigen“ aus der gesamten DDR, die der deprimierenden sozialistischen Wirklichkeit den Rücken kehren wollen. Doch es gab auch ganz reale Fluchten in der Geschichte Hiddensees. Die idyllischen Sandstrände und Kreidefelsen der Insel stellten auch ein Risiko dar: Als östliche Grenze der DDR und des gesamten Ostblocks wurden sie streng überwacht. Viele Wagemutige versuchten, von hier aus schwimmend oder in kleinen Booten die dänische Küste zu erreichen, die meisten Fluchtversuche endeten jedoch tragisch. Obwohl man bei klarem Wetter die weißen Kreidefelsen der dänischen Insel Møn sehen kann, sind sie doch etwa 70 Kilometer entfernt. Noch mehr Geschichten über diese magische Insel erzählte der Autor des Romans Kruso 2017 bei einem Besuch in Warschau: Im Gespräch mit Lutz Seiler.
 

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