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Katharina Fritsch
Überlebensgroß und unglaublich nah

Überlebensgroß und häufig unifarben sind die Skulpturen der Bildhauerin: Katharina Fritsch und ihr Werk „Hahn“ auf dem Trafalgar Square in London 2013.
Überlebensgroß und häufig unifarben sind die Skulpturen der Bildhauerin: Katharina Fritsch und ihr Werk „Hahn“ auf dem Trafalgar Square in London 2013. | Foto (Detail): © picture alliance/dpa/Andy Rain

Monumental sind sie, die Tierfiguren von Katharina Fritsch. Die Düsseldorfer Bildhauerin hat schon früh ihr Markenzeichen gefunden: Skulpturen, oft überlebensgroß, in einfacher oder unifarbener Gestaltung. Nun wurde sie für ihr Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen auf der Biennale 2022 in Venedig geehrt.

Von Romy König

Das erste Mal, dass sie ein Werk von Fritsch gesehen habe, erinnert sich die Kuratorin der Biennale 2022, Cecilia Alemani, sei ausgerechnet auch auf einer Venedig-Biennale gewesen: 1999 war das, als Fritsch ihre 16 pechschwarzen Ratten ausgestellt hatte, Seite an Seite im Kreis auf ihren Hinterbeinen sitzend. Der Rattenkönig, ein Werk, das zugleich Angriffslust und Blockade symbolisiert, machte Eindruck auf die damals 22-Jährige. Jedes Mal, wenn Alemani seither einer von Fritzschs Skulpturen begegne, fühle sie das Gleiche: einen Anflug von Ehrfurcht und von schwindelerregender Anziehung. Cecilia Alemani war es dann auch, die Fritsch für den Lebenswerk-Preis 2022 vorschlug.

Katharina Fritsch studierte an der Kunstakademie Düsseldorf, wurde Meisterschülerin bei Fritz Schwegler und widmete sich erst der Malerei, bevor sie sich der Bildhauerei zuwandte. 1988 entstand Die Tischgesellschaft, ein dreidimensionales Bild aus 16 Männern, sitzend an einer Tafel, jeder in identischer Kleidung, jeder in identischer Pose, die Hände auf dem Tisch gefaltet, ein „traurig-gruseliges” Werk, wie die Westdeutsche Zeitung schreibt. Es wurde zum Aushängeschild des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt am Main.

Groß, größer, Fritsch

Überdimensionale Skulpturen wurden über die Jahre zu Fritschs Markenzeichen: Schon 1987 machte sie mit einem grünen Elefanten im Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum auf sich aufmerksam. 1991 entwarf sie eine Plastik, bei der ein Nagetier, mannsgroß, auf einem weißen Bett thront, in dem ein Mann zu schlafen scheint. „Alptraumhaft“ nennt es die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, in der das Werk Mann und Maus heute beheimatet ist. Und erklärt: Das Bett stehe für „den Zyklus des Lebens, Zeugung, Geburt, Krankheit und Tod“. 1995 bespielt Fritsch den deutschen Pavillon in Venedig, 1999 stellt sie hier schließlich den Rattenkönig aus, der der jungen Alemani das Gruseln lehren sollte.

„Es fühlt sich an”, sagt die Italienerin heute über die Arbeiten von Fritsch, die auch in der Tate Gallery of Modern Art in London ausgestellt und über mehrere Jahre als Kunstprofessorin gelehrt hat, „als würde man auf Monumente einer außerirdischen Zivilisation blicken, oder auf Artefakte, ausgestellt in einem fremdartigen posthumanen Museum“. Nicht zuletzt dadurch sei Katharina Fritschs Beitrag zur zeitgenössischen Kunst bis heute vor allem eins: unvergleichbar.

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