Future Perfect Asyl für Igel

Man muss nicht in die Ferne schweifen und in globalen Zusammenhängen denken, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Manchmal genügt es schon, vor die eigene Tür zu schauen – und zwar wortwörtlich. Der erste Igel tauchte vor über zehn Jahren in Jerzy Garas Garten auf. Mit jedem Jahr wurden es mehr, und 2010 wurde schließlich die Igelpflegestation „Jerzy dla Jeży“ im niederschlesischen Kłodzko gegründet.
 

Igel gehören zu den ältesten Säugetierarten der Welt. Über Millionen von Jahren hinweg haben sie alle möglichen Klimakatastrophen und geografischen Veränderungen überlebt. Doch jetzt werden sie nach und nach vom Menschen aus ihren natürlichen Lebensräumen vertrieben. Es gibt sogar Prognosen, nach denen die Igel in einigen Jahren aussterben könnten, wenn wir uns nicht um sie kümmern. Sie verlassen die Laubwälder, in denen sie aufgrund von Pestiziden und Insektiziden kaum noch Nahrung finden, und fliehen auf die Felder. Dort müssen sie achtgeben, nicht zusammen mit Laub oder Gräsern verbrannt zu werden. In Gärten geraten sie unter Rasenmäher, und auf den warmen Asphaltstraßen, wo sie nach Nahrung suchen, werden sie von Autos überfahren. Sie nähern sich zunehmend den Menschen an, denn diese sind zwar ihre größte Bedrohung, aber auch ihre einzige Hoffnung. Zum Glück gibt es Menschen wie Jerzy Gara, bei denen sie eine sichere Zuflucht finden.


 

  • Igel 2
  • Igel 3

 
Mehr als hundert kranke oder verletzte Igel finden jedes Jahr ihren Weg in Jerzy Garas Igelstation. Sie werden dort aufgenommen, untersucht und versorgt. Das wichtigste Ziel ist es, die Igel auf den Winter vorzubereiten und ihre Körpermasse zu steigern – denn Igel benötigen ein gewisses Gewicht, um in den Winterschlaf zu fallen und bis zum nächsten Frühjahr zu überleben. Die Station bietet eine 24-Stunden-Hotline, die uns sagt, was wir tun können, wenn wir unterwegs einem verletzten oder in der Kälte umherirrenden Igel begegnen. Jerzy Gara erklärt, wie man Erste Hilfe leistet, wie man sich selbst ein Winterschlaf-Gehege aus einem Pappkarton baut und dass man Igel am besten mit einer Mischung aus Nass- und Trockenfutter für Katzen füttert. Und plötzlich stellt sich heraus, dass jeder Einzelne von uns – wenn er einige einfache Anweisungen befolgt – ohne große Anstrengung einem Igel das Leben retten kann und dass die Gefahr der Übertragung von Tollwut durch Igel wesentlich geringer ist als weithin behauptet.


 
  • Igel © Ośrodek Rehabilitacji Jeży "Jerzy dla Jeży" w Kłodzku
  • Jeż w dobrych rękach © Ośrodek Rehabilitacji Jeży "Jerzy dla Jeży" w Kłodzku

 
Die Igelstation hat über 30 000 Facebook-Fans. Alles, was Jerzy Gara auf Facebook und auf seiner eigenen Internetseite veröffentlicht, geschieht uneigennützig, es gibt dort keinen Shop, keine aufdringliche Werbung und keine für Suchmaschinen optimierten Texte. Wir können Infoplakate und Ausmalbilder für Kinder herunterladen oder anhand von schlichten und ergreifenden Posts die Schicksale unserer Lieblingsigel und -igelinnen verfolgen (jedes der Tiere hat seinen eigenen Namen und seinen eigenen Hashtag!) und nachsehen, ob sie schon bereit für den Winterschlaf sind oder ob sie weiterhin Pflege benötigen. In den Kommentaren der Besucher drückt sich eine große Wertschätzung für das leidenschaftliche Engagement Jerzy Garas aus. Die Menschen bedanken sich für die Ratschläge und Diskussionen, erklären, dass er ihnen mit seinen Aktionen den Glauben an die Menschheit wiedergegeben hat, und sagen, dass sich viel mehr Menschen ein Beispiel an seinem uneigennützigem Engagement nehmen sollten. Sie bezeichnen ihn als einen „Engel auf Erden“ und einen „inspirierenden Menschen mit einem großen Herz“. Manche sind von der Tätigkeit der Igelstation so beeindruckt, dass sie selbst anfangen, Igeln auf ähnliche Weise zu helfen, andere beschließen, das Zentrum finanziell zu unterstützen, und wieder andere bedanken sich einfach für die Inspiration und Freude, die ihnen die Schicksale der geretteten Igel bereiten. Eines ist sicher: Jerzy Gara rettet nicht nur Igel, sondern zeigt auch, dass kleine Maßnahmen eine große Wirkung haben können.