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Best-Practice-Beispiele
Der Ort macht den Klang

Der Gasometer in Oberhausen ist heute der größte Ausstellungsraum Europas. Dank seiner außergewöhnlichen Akustik ist er zur Kulisse für experimentelle Radiosendungen geworden.

Von Knut Aufermann

Der Gasometer in Oberhausen ist ein besonderer Ort. Sein Status als größter Ausstellungsraum Europas sagt genauso wenig über seine Wirkung aus, wie die reinen Dimensionen: 68 Meter im Durchmesser, 117,5 Meter hoch. Man könnte einen Jumbo-Jet darin parken. 

Wenn Besucher zum ersten Mal den Gasometer betreten geschieht oft eine Verschiebung der Sinneseindrücke. Der riesige, dunkle Raum ist nicht für das menschliche Auge zu fassen, also muss das Ohr es richten und die Menschen stoßen einen Laut aus um auszuloten was zurück kommt. Und es kommt etwas zurück: ein achtfaches Echo vermischt mit ca. 40 Sekunden Nachhall. Diese extreme Akustik trägt sicherlich maßgeblich dazu bei, dass der Gasometer eine Industriekathedrale genannt wird. 

Erste Versuche dort Musik traditioneller Art aufzuführen sind alle an der Akustik gescheitert. Doch dann kamen die Klangkünstler und lernten mit dieser Herausforderung umzugehen, ja sogar damit zu spielen. 2006 habe ich ein Konzert mit experimenteller Musik im Gasometer organisiert, bei dem der Saxophonist John Butcher den Dialog mit der Architektur zelebriert.
 



Weitere Aufnahmen aus dem Konzert mit dem extra für diesen Anlass gegründeten studentischen Dutch Art Institute Radio Orchestra und meinem Trio mit Sarah Washington & Xentos Fray Bentos können in der folgenden Radiosendung gehört werden. 
 


Im Jahr 2010 durfte ich dann mit einer Gruppe von Radiokünstlerinnen und Radiokünstlern alleine im Gasometer arbeiten. Zwei Nächte und einen Tag lang konnten wir unter Ausschluss lärmender Besucher dort Aufnahmen machen, die dann zu insgesamt fünf Radiosendungen für die Sendestrecke Kunstradio beim österreichischen ORF führten.

Arbeit an Radiosendungen für die Strecke „Kunstradio“ Arbeit an Radiosendungen für die Strecke „Kunstradio“ | Foto: Sarah Washington Was als eine künstlerische Inspektion begann wandelte sich schnell in ein Abenteuer. Ein Wirbelsturm blies unsere draußen aufgebauten Zelte hinweg, wir mussten in den Gasometer flüchten und hörten ihn ächzen und knarzen. Die zweite Nacht verbrachten wir notgedrungen im Inneren und ließen den Ort auch im Schlaf auf uns wirken.

Zeilen geschrieben von Sarah Washington für das Stück „100 Words per Metre“ Zeilen geschrieben von Sarah Washington für das Stück „100 Words per Metre“ | Foto: Sarah Washington Die beiden Klangkünstlerinnen Sarah Washington und DinahBird beschlossen, über die gesamte Höhe des Gasometers mit ihren Stimmen zu kommunizieren in dem sie sich von Sarah Washington geschiebene Zeilen zuriefen. Aus den Aufnahmen entstand das Stück 100 Words per Metre, das hier abschliessend zu hören ist. Der Ort bestimmt den Klang, nirgendwo mehr als im Gasometer Oberhausen.
 

 

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