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Katarzyna Pokuta
Kulturmanagerin als Schreibtischjob?

Katarzyna Pokuta
Katarzyna Pokuta | © Foto aus Privatsammlung

Ein Interview mit der Pädagogin und Kulturmanagerin Katarzyna Pokuta, die am Theater der Künste in Jaworzno tätig ist. Gemeinsam mit Barbara Wójcik-Wiktorowicz entwickelte sie das Konzept für das Projekt „Muzyka miasta“, das wir gemeinsam im Rahmen der „Ortsgespräche“ in Jaworzno realisieren wollen.

Artur Celiński: Du arbeitest als Kulturmanagerin in einer staatlichen Kulturinstitution. Erleichtert oder erschwert das Eingebundensein in eine solche institutionelle Struktur die Arbeit in der Kultur?
 
Katarzyna Pokuta: Außerhalb einer solchen Institution wäre es einerseits leichter, weil ich dann mehr Freiheiten hätte. Andererseits würde ich mir jedoch Sorgen um meine Disziplin machen.
 
AC: Deine Arbeitsdisziplin?
 
KP: Genau die.
 
AC: Ist Disziplin wichtig für Kulturmanager?
 
KP: Das kommt darauf an, wie du Disziplin definierst. Ich denke, Kulturmanager sollten viele Freiheiten haben, insbesondere, was die Arbeitszeiten betrifft. Es wäre völlig falsch, sie in institutionellen Strukturen einzusperren und sie zu zwingen, von sieben bis fünfzehn Uhr hinter dem Schreibtisch zu sitzen. Aus diesem Grund habe ich seit mehreren Jahren eine aufgabenorientierte Arbeitszeitregelung und kann mir gar nicht mehr vorstellen, anders zu arbeiten. In der Institution, in der ich zuvor tätig gewesen war, hatte man versucht, mich dazu zu bewegen. Deshalb habe ich gekündigt.
 
AC: Um was für eine Disziplin geht es also?
 
KP: Um die innere Disziplin. Wäre ich nur mir selbst gegenüber verantwortlich, würde ich sicherlich viele Dinge auf später verschieben. Ich habe eine gewisse Tendenz, Dinge aufzuschieben – ich fühle mich nicht immer gleich bereit, ein neues Projekt zu beginnen. Doch die Institution, für die ich arbeite, erwartet eben – auch wenn sie mich nicht dazu zwingt, jeden Tag hinter dem Schreibtisch zu sitzen – gewisse Resultate. Das mobilisiert mich.
 
AC: Spürst du manchmal einen Druck, konkrete Resultate zu liefern?
 
KP: Bisher nicht. Seit über sechs Jahren mache ich Dinge, die mir Spaß machen und die ich mir selbst ausgedacht habe. Manche dieser Dinge sind – wie meine Chefin sagt – Projekte auf Lebenszeit, wie zum Beispiel die Theater- und Filmkurse für Kinder. Die Mundpropaganda für dieses Projekt funktioniert so gut, dass immer wieder neue Interessierte hinzukommen. Aber manchmal möchte ich auch gerne etwas anderes machen, als ständig nur mit Kindern zu arbeiten, und dann denke ich mir Projekte aus, die sich an andere Zielgruppen richten, zum Beispiel an Schüler der Mittel- und Oberstufe. Auf diese Weise entstanden zum Beispiel meine Seminare zum Thema Kultur und Interkulturalität mit dem Titel „Kulturka“.
 
AC: Bevor wir mit der Aufzeichnung des Interviews begonnen haben, hast du ein Ökologie-Projekt für Oberschüler mit dem Titel „Smog w klatce“ erwähnt. Entstand auch dieses Projekt aus dem Wunsch heraus, nicht immer das Gleiche zu machen?
 
KP: Das war ein Auftragsprojekt. Die Initiative ging von der Abteilung für Umweltschutz der Stadtverwaltung in Jaworzno aus. Der Grund war ein ganz einfacher: Smog ist eines der größten Übel unserer Zeit. Viele Menschen in Jaworzno heizen noch mit Kohle, und im Winter kann man kaum atmen. Die Stadtverwaltung suchte also nach Ideen, wie man die Kultur in den Kampf gegen den Smog einbinden könnte. Es gab einige Projektvorschläge von außerhalb, die Stadtverwaltung wünschte sich jedoch, dass auch die lokalen Institutionen etwas einreichten.
 
AC: Wie entwickelt man so ein „Auftragsprojekt“?
 
KP: Die Stadtverwaltung hatte sich nicht nur an das Theater der Künste gewandt, sondern auch an das Jugendkulturhaus, das ja eine Bildungseinrichtung ist. Die Mitarbeiter des Jugendkulturhauses hatten angeboten, ein Projekt für Grundschulen zu entwickeln, und ich beschloss, zur Abwechslung (denn alle machen gerne Projekte für Grundschulen) etwas für Schüler der Mittel- und Oberstufe zu machen. Die Stadtverwaltung hatte wohl anfangs die Vorstellung, wir würden uns irgendein „prophylaktisches Lehrstück“ ausdenken, das sich hinterher ein paar Hundert Jugendliche in irgendeiner Turnhalle ansehen würden. Aber so etwas macht mir keinen Spaß.
 
AC: Und wie hast du schließlich Spaß an diesem Projekt gefunden?
 
KP: Ich setze auf Qualität, nicht auf Quantität. Ich bin zufrieden, wenn ich ein Projekt für zwanzig Teilnehmer realisiere, die wirklich Interesse daran haben.
 
AC: Wäre es nicht einfacher gewesen, die Erwartungen der Stadtverwaltung zu bedienen und gewissermaßen nach Schema F vorzugehen?
 
KP: Sicher wäre das einfacher gewesen. Aber wir wollten das nicht so machen. Ich stellte mir die Frage, was für diese Jugendlichen wirklich interessant sein könnte. Anfangs hatte ich die Idee, einen Film zu drehen, aber ich habe kein Filmstudio zur Verfügung und nicht einmal einen Computer mit einer Video-Editing-Software. Also überlegte ich mir etwas anderes. Ich hatte bereits Erfahrungen mit Stop-Motion-Animation gemacht und fand diese Filmtechnik sehr interessant. Aber das ist nur die technische Seite. Entscheidend war die Wahl der künstlerischen Ausdrucksmittel und des Themas – um das Projekt für Jugendliche wirklich interessant zu machen.
 
AC: Und wie hast du schließlich deine Idee in ein Projekt umgewandelt?
 
KP: Ich traf mich mit meiner Kollegin Barbara Wójcik-Wiktorowicz, mit der ich am häufigsten zusammenarbeite, und wir machten ein Brainstorming. Manchmal wache ich in dieser Phase der Ideenfindung mitten in der Nacht auf und habe fertige Lösungen im Kopf. Dann notiere ich mir diese Ideen schnell auf dem Smartphone, damit ich sie nicht wieder vergesse. Anschließend untergliedere ich sie in einzelne Punkte. Wenn ich das gesamte Konzept bereits mehr oder weniger im Kopf habe, überlege ich, welches Equipment ich benötige. Dann wird es Zeit für einen Kostenvoranschlag. Und ganz am Schluss formuliere ich die allgemeinen und konkreten Ziele des Projekts und die erwarteten Ergebnisse – schließlich will ich ja die Mitarbeiter der Verwaltung von meinem Projekt überzeugen.
 
AC: Die Meinung von Verwaltungsbeamten ist für dich maßgeblich?
 
KP: Ich hatte schon das Gefühl, dass ich ein gutes Konzept hatte, als ich mit anderen darüber sprach. Ich bekam viel Zustimmung, zum Beispiel von Bekannten aus der Musikszene, die mir anboten, unsere Animationsfilme zu vertonen, weil sie bereits ganz tolles Material hatten. Aber als ich das Projekt schließlich bei der Stadtverwaltung einreichte, bekam ich einen Monat später ein Schreiben mit der Nachricht: „Alles schön und gut, aber dreitausend Zloty für ein solches Projekt … Vielleicht sollten wir doch lieber das Theaterstück machen.“ Sicherlich auch deshalb, weil so ein „Lehrstück“ von mehreren Hundert Jugendlichen auf einmal gesehen wird und unser Projekt nur für eine sehr begrenzte Teilnehmerzahl ausgelegt war. Dass wir mit Animationsfilmen möglicherweise eine viel größere Anzahl von Menschen erreichen, war vielleicht nicht gleich offensichtlich.
 
AC: Und doch ist es euch gelungen, die Stadtverwaltung von eurem Projekt zu überzeugen. Was hat dabei geholfen?
 
KP: Ich legte meinem Projektvorschlag ein paar kurze und knappe Informationen zum Thema Stop-Motion-Animation bei. Möglicherweise wussten die Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit diesem Thema ja gar nichts anzufangen. Schließlich traf ich die Mitarbeiter persönlich und konnte ihnen erklären, wie einzigartig und interessant diese Filmtechnik ist. Und dass ein so originelles Projekt wesentlich effektiver ist als die traditionellen Maßnahmen im Bereich ökologische Bildung. Mit diesen Argumenten überzeugte ich sie schließlich, und kurze Zeit später gab die Stadtverwaltung grünes Licht für unser Projekt.
 
AC: Hätte man das Projekt nicht gleich so präsentieren können, dass es keine „zusätzlichen Argumente“ gebraucht hätte?
 
KP: Die Präsentation eines Projekts ist in der Tat von entscheidender Bedeutung. Ich kenne Leute, die unheimlich gut darin sind, Anträge zu verfassen – sie reichen ein Projekt nach dem anderen ein und bekommen alles bewilligt. Mir fällt es schwer, meine Vorstellungen von dem, was ich gerne machen würde, verständlich zu Papier zu bringen. Und manchmal geht das auch gar nicht. Es ist gar nicht so einfach, den gesamten Entstehungsprozess einer Idee in Worte zu fassen. Insbesondere, wenn du stereotype Formulierungen vermeiden willst. Es ist schade, dass es so wenig Gelegenheiten gibt, auf eine ganz andere Weise über Projekte zu sprechen – und zum Beispiel im Rahmen eines ganz gewöhnlichen Gesprächs andere mit dem eigenen Enthusiasmus anzustecken.
 

 
Die Reihe „Instrumentarium“ wurde von Artur Celiński im Rahmen des Projekts „Ortsgespräche“ entwickelt. Sie soll die unterschiedlichen Aspekte der Tätigkeit von Kulturmanagern in Polen darstellen.

 

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