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Słupsk
Dame mit Hund schlägt Witkacy

Projektkünstler mit dem Bürgermeister Robert Biedroń in Słupsk
Projektkünstler mit dem Bürgermeister Robert Biedroń in Słupsk | © Goethe-Institut

Vom Fluss aus gesehen ändert sich die Landschaft ständig, und man sieht den Querschnitt einer Stadt: Menschen auf Fahrrädern, lauter Parks und Kippen rauchende Gymnasiasten. Man sieht auch das Museum Mittelpommern mit Bildern von Witkacy. Jedem was er mag. Mich berührt die Stadt mehr als ihr Museum.

Von Katarzyna Bednarczykówna

Die Premiere von Pan Tadeusz findet nicht statt. „Da während des Festivals Bühne der Freiheit eine übelriechende Flüssigkeit im Saal verschüttet wurde, sieht sich die Theaterleitung genötigt, die Vorstellung zu verschieben.“ Das ist die wichtigste Kulturinformation auf der Seite slupsk.pl. Im „Dziennik Bałtycki“, dem „Ostseejournal“ suche ich Informationen über einheimische Bands und finde eine Notiz von Ende September: „Die Band Sidmilf aus Słupsk/Stolp hat das Album Selftitled herausgebracht. Ihre Platte, die ein Foto von Kartoffeln und einem Kotelett ziert, verbindet verschiedene Strömungen des Rock’n’roll miteinander.

Von nahem betrachtet sieht es aber anders aus. Am Fluss, in der alten Nikolauskirche ist die Öffentliche Stadtbibliothek aktiv. Der Kirchenbau erinnert noch an das 13. Jahrhundert; die Bibliothek hat sich dort erst 1971 häuslich eingerichtet. Zurzeit ist sie eine der dynamischsten Kultureinrrichtungen in Słupsk, mit sechs Zweigstellen und einem Zentrum für russische Sprache und Kultur. Es gibt einen Musikclub, und Senioren lernen hier, mit neuen Technologien umzugehen...

„Wir wollen verschiedene gesellschaftliche Gruppen zusammenbringen und dazu motivieren, lokal aktiv zu werden“, erklärt Direktorin Danuta Sroka. „Das starre Verständnis von Kultur hat langsam ausgedient; jetzt muss man mit den Einwohnern zusammenarbeiten und sich ihren Bedürfnissen öffnen.“

Diesen Worten folgen Taten. Ich habe Direktorin Sroka erwischt, als sie dabei war, die „Gespräche am gemeinsamen Tisch“ vorzubereiten, eine „von unten“ ausgehende Initiative zu Gesprächen mit den Bewohnern von Słupsk. „Wir werden dort über unsere lokalen Bedürfnisse sprechen, über Fragen, die uns naheliegen. Die erste Veranstaltung findet am 18. Oktober statt; ihr Thema wird die Unabhängigkeit sein. Für später denken wir über Bürgerbewegungen und Umweltschutz nach.“

An Ideen fehlt es in der Bibliothek nicht. Vor vier Jahren hat Direktorin Sroka einen Vertrag mit dem Untersuchungsgefängnis in Ustka unterzeichnet. Die Häftlinge kamen an die Słupia und halfen dabei, den Raum zwischen der denkmalgeschützten Kirche und den Verteidigungsmauern zu revitalisieren. Gemeinsam mit den Einwohnern haben sie einen literarischen Garten geschaffen, der bis heute existiert.

  • Projektkünstler zu Besuch in Słupsk © Goethe-Institut
    Projektkünstler zu Besuch in Słupsk
  • Słupsk © Goethe-Institut
    Słupsk
  • Projektkünstler zu Besuch in Słupsk © Goethe-Institut
    Projektkünstler zu Besuch in Słupsk
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    Projektkünstler zu Besuch in Słupsk

Die Weichsel unterliegt der Słupia

Über seine Assoziationen mit der Słupsker Kultur befrage ich die Theaterregisseurin Agata Dyczko. Sie erwähnt den Hexenturm, die größte Sammlung von Witkacy-Gemälden in Polen, zwei Theater, die Philharmonie, und sie weist auf die Nähe zum Meer hin. Aber am meisten interessiert sie der Fluss.

Agata Dyczko ist in Darłowo geboren, 50 Kilometer von Słupsk. Aus der Kultur ihrer Kindheit erinnert sie sich an die „Minischlagerliste“ und an Veranstaltungen im Rhythmus von Pophits auf dem Schloss der Pommerschen Fürsten. Danach ist sie auf die Musikschule im nahegelegenen Sławno gegangen. Słupsk war für sie ein Ort, an den sie diverse Abstecher unternommen hat; das Gymnasium und das Lyzeum hat sie in Gdynia abgeschlossen. Zum Studium ist sie nach Warschau gegangen; sie hat Regie abgeschlossen und in der Hauptstadt gewohnt.

Im Juli dieses Jahres ist Dyczko mit dem Kajak über die Słupia gepaddelt. „Meiner Meinung nach gewinnt die Słupia in der Rivalität mit der Warschauer Weichsel. Sie ist viel weniger offiziell. Vom Wasser aus gesehen ändert sich die Landschaft ständig, du siehst einen Querschnitt der Stadt: Menschen auf Fahrrädern, lauter Parks und Kippen rauchende Gymnasiasten. Du kommst an mehrstöckigen Wohnblocks mit Gärten vorbei, die zum Fluss hin abfallen, da trocknet jemand seine Wäsche auf der Leine, eine Frau winkt dir zu, die gerade ihren Hund ausführt“, zählt sie auf. Vom Fluss aus sieht man auch das Museum Mittelpommern, das mit den Gemälden von Witkacy. Jedem was er mag. Mich bewegt die Stadt mehr als ihr Museum.

Geschichte ohne Helden

Dyczko will gemeinsam mit dem Musiker Wojciech Kurek an der Słupia/Stolpe Soundinstallationen bauen. Sie sollen zwischen beiden Ufern des Flusses stehen und die natürlichen Klänge des Wassers, des Regens und des Windes nutzen. Das Paar plant, sie aus Rohstoffen zu bauen, die in der Umgebung des Flusses vorkommen, so dass sie sich in die vorgefundene Landschaft einfügen.

Einstweilen steht das Projekt noch am Anfang. Dyczko und Kurek wollen vor allem die Aufmerksamkeit der Einwohner auf die Geschichte von Słupsk lenken, so wie der Fluss sie erzählt.

„Denn der Fluss ist für uns, die wir heute leben, und für die Menschen, die vor dem Krieg in Westpommern gelebt haben, das gemeinsame Element“, erklärt die Regisseurin. „Man braucht keine großen Helden, um die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu zeigen.“

 
Agata Dyczko und Wojtek Kurek bereiten gemeinsam ein Projekt mit drei akustischen Installationen an der Stolpe vor. Sie wollen die Arbeiten mit Konsultationen mit den Bewohnern beginnen und deren Überlegungen zum Thema Klänge von Słupsk kennenlernen. Die Teilnahmewilligen laden sie dazu ein, die Klänge der Stadt zu sammeln; Teil ihrer Pläne sind auch Veranstaltungen und Gespräche über die Identität der Stadt. Das Projekt wird gesteuert vom Stolper Kulturzentrum/Słupski Ośrodek Kultury, in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung.
 


 

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