ausgezeichnet lyrik
Dagmara Kraus

„sommerlich heiter und klangsatt“

Die Gedichte sind durch ihre Anspielungsfülle und ihren melodisch-verspielten Ausdruck von einer bezwingenden Sinnlichkeit. Es wimmelt in ihnen nur so von verblüffenden Wortneuschöpfungen, absurd-komischen Komposita und sprachlichen Preziosen aus diversen Fremd- und Fachwörterbüchern.

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wochen ankern auf rümpfen guter antennen und mein mane ratzt noch
ich hab mir die strümpfe an den teppich genäht, um nicht von hier wegzurennen
die ewigkeit ist die witwe des todes; sie zerrt ein kinntau von bart hinter sich her
(...)

galane

hätte casanova gewusst
dass er auf deutsch neuhaus heisst
wäre er wahrscheinlich nicht so eitel gewesen
(...)

nur mut, mond (für ein kind)

fast fipsig : der mondspion, das zwergen
mal der mitternacht; ein perlensprenkel,
sonnezwistig, listig, lausig angefacht
(...)

Dagmara Kraus Foto © Dagmara Kraus

Dagmara Kraus erzählt

Eule oder Lerche – hat die Tageszeit einen Einfluss auf Ihre Kreativität?
Die achtundvierzig Eulen oben – sechs permutierte anagrammierte bitte mitgezählt – heulen deutlich Antwort: Eule – also Chtî'fEUL, Panto'-fEUL-zî'ne, Ca'bEULiaou, wobei letztere mit allen Vokalen gleichzeitig in die Nacht hinausruft. Aber Lerche kommt so gar nicht vor.
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triskele

der grüne baumpython ist ausgezogen
es webt sich keine schlinge ums gelege
das raue hauthemd hat er mitgenommen
er hatte sonst nichts zu vererben
und hängt jetzt turban hoch im edenbaum
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Dagmara Kraus

Dagmara Kraus wurde 1981 im polnischen Wrocław geboren. Im Alter von sieben Jahren kam sie nach Deutschland, bis dahin sprach sie ausschließlich Polnisch. Sie schreibt ihre Texte in deutscher Sprache und lebt als Dichterin und Übersetzerin in Frankreich. (...)

frustum antike

zooodor, agora. auf einen streunenden krötenpanzer
gezoomt auf dem weg nach eleusis, marodeur
einer rotte korah, mänadengesindes – nur uriger,
viel antiker noch als die archaische kreidekliffküste
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Übersetzer: Ryszard Wojnakowski

Ryszard Wojnakowski, (geb. 1956) – polnischer Übersetzer deutschsprachiger Literatur. Von seinen zahlreichen Auszeichnungen ist v.a. der Karl-Dedecius-Preis (2009) zu nennen.
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Animation

Jakub Wroński (geb. 1982) war Schüler des Staatlichen Wojciech-Gerson-Lyzeums für bildende Kunst in Warschau. 2010 absolvierte er die Fakultät für Animation und Spezialeffekte an der Leon-Schiller-Filmhochschule in Łódź. Er ist Autor von Werbespots, Visualisierungen zu Musikwerken, animierten Filmvorspannen, Videoclips und zwei von Gedichten (Czesław Miłosz und Dagmara Kraus) inspirierten Animationen. Seine animierten Kurzfilme wurden auf Festivals im In- und Ausland ausgezeichnet. 2010 erhielt er das Stipendium des polnischen Ministeriums für Kultur und Nationalerbe. 2014 wurde er mit dem Jan- Machulski-Preis für den Film „Tajemnica góry Malakka“ ausgezeichnet. Er arbeitet an der Postproduktion von Filmen (u.a. bei dem Oscar-Gewinner „Piotruś i Wilk“). Er zeichnet, malt, entwirft Storyboards und Bühnenbilder.

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