ausgezeichnet lyrik
Jacek Dehnel

Auf altmodisch und klassisch stilisiert

Seine Gedichte sind modernistische Spiele mit Konventionen, Formen, Wort und Rhythmus, gewürzt mit Ironie, Paradoxien und häufig mit Lyrismus.

Hotel Rzeszów

Voilà ein Thema für die Kunst (soll Thukydides sich
mitsamt der Flotte in der felsigen Bai vor ihm verstecken):
das Weinen der Liebenden im Hotel. Dem dreckigen, wenngleich
nicht kleinen: zehn Etagen Beton, kubikmeterweise Mief,
die über Jahre hier auf diesem Loch in der Erde standen.
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Big Splash

Ein vierzehnsekündiger Film auf Wikipedia
zeigt den Zusammenstoß eines grünen Bällchens
mit einem blauen: Schau, so entstand der Mond. Es gibt
keine schlimmere Nachricht für die bleichen Dichter.
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Strömung

Du ließest mich nichts sehen, gingst in die Wanne.
Erst aus ihr heraus, von hinter der Wand – da es im Traum dieselbe
Wand war, darin war dahinter dasselbe Bad –
hörte ich dieses tiefe, dies zerrende Geheul.
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Jacek Dehnel Foto: Piotr Sunderland

Jacek Dehnel erzählt

Steckdose oder Leidenschaft – wie / womit laden Sie Ihre Gedichte auf?
Verschieden. Oft mit Spannung, die zwischen der traditionellen Form und dem zeitgenössischen Inhalt und Wortschatz entsteht.
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Die Ausgrabung der Statue des Antinoos in Delphi, 1894

Zwischen den Zähnen knirschender Sand. Der Abdruck der Hacke.
Die verwaschenen Wolken der bewölkten, ergriffenen Gesichter.
Lethe fließt durch das Fleisch, sie fließt nicht durch den Marmor
ich bin nach wie vor jung, ihr – seit langem alt.
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Jacek Dehnel

Jacek Dehnel, geboren 1980. Dichter, Prosaautor, Übersetzer, Feuilletonist. Lebt in Warschau. Veröffentlichungen in zahlreichen Literaturzeitschriften. Verschiedene Preise (...)

Glück

Diese hässliche Engländerin zu sein – hager, ältlich,
keine sonderlich gute Dichterin; wohnen in einem Sommerhaus
mit einem erkaltenden Mann (Herz oder Nierenkrebs –
die Gründe sind unwichtig).
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Übersetzerin: Dagmara Kraus

Dagmara Kraus wurde 1981 im polnischen Wrocław geboren. Im Alter von sieben Jahren kam sie nach Deutschland, bis dahin sprach sie ausschließlich Polnisch. Sie schreibt ihre Texte in deutscher Sprache und lebt als Dichterin und Übersetzerin in Frankreich.
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Animation

Andrzej Jobczyk (geb. 1985) studierte an der Filmhochschule Łódź, Fachrichtungen: Regie von Animationsfilmen und Spezialeffekten. Die Inspiration für seine Werke findet er oft in der Mathematik, Physik und Biologie. Er erhielt mehrere Auszeichnungen im Bereich Photographie (u.a. Viva! Photo Awards 2009, Jury-Vorsitzender: Ryszard Horowitz). Seine Animationen wurden auf Festivalen auf allen Kontinenten bis auf Afrika und die Antarktis präsentiert (u.a. 2010 in der Phillips Collection Washington, USA, und auf dem Blackrock Festival in Dublin, Irland). 2014 erstellte er Animationen für das Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau (Mitwirkung bei der Galerie „Der Wald“ und beim Projekt „Aryan Street“). Er arbeitet freiberuflich und nimmt gerne an Projekten zur Förderung von Kultur und Wissenschaft teil.

Februar 2015
© Goethe-Institut Polen

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