ausgezeichnet lyrik
Łukasz Jarosz

Plastische, körperliche, sinnliche und suggestive Poesie

Es ist eine plastische, körperliche, sinnliche und unerhört suggestive Poesie. Das Physische, der unmittelbare Kontakt mit der Natur und ihren Elementen, wird zum Heilmittel gegen das die Welt umgebende Böse und ist zugleich der einzige Weg zur Erfahrung des wirklichen Lebens....

Geschlachtetes Tier

Ein geschlachtetes Tier. Bis spät zerteilen die Eltern das Fleisch.
Aus dem Keller, wo in der Stille die Fäule an den Wänden reift,
dringen dumpfe Schläge. Aufgeweichter Schnee wie ein zerriebener
Apfel, das Brunnenauge glatt.  (
...)

Nelly Sachs

So viele Worte, Gespräche. Monotones
Jonglieren mit Zahlen. Die Aufdringlichkeit von Träumen.
Wird erst Gott alles benennen, alles umringen?
Mit dem Finger nachzeichnen, von wo nach wo das Blut führt?
Zu dem sprechen, der den Zorn wie einen Ball hochschleudert? 
(...)

Staub

Wieder einmal rufe ich mir etwas aus der Kindheit
in Erinnerung. Ich war ein paar Jahre alt,
Mutter gab mich in die Obhut
entfernter Nachbarn. Beide alt,
sie arbeiteten nicht. Ich war ein Zeitvertreib für sie,

(...)

Łukasz Jarosz Foto: Robert Feszak

Łukasz Jarosz erzählt

Strom oder Leidenschaft – wie oder womit laden Sie Ihre Gedichte auf?

Mit Todesbewusstsein und der Unmöglichkeit von Weltbeschreibung. (...)

Elie Wiesel

Salz zerbröckelt die Lippen, die ovale Sonne schwillt.
Die Pflanzen sind gierig; wären sie dazu gezwungen,
durchstießen sie deinen Körper, um Licht zu schöpfen.
Gerade haben sie im Überfluss davon, neigen
ihre Köpfe in Demut, die Abende hinab in die Nacht steigend.

(...)

Łukasz Jarosz

Łukasz Jarosz, 1978 geboren. Dichter, Musiker. Schlagzeuger, Sänger und Autor der Texte der Gruppen Lesers Bend, Chaotic Splutter, Mgłowce, Zziajani Porywacze Makowców. Autor von sieben Lyrikbänden. (...)

Zeugnis

Sofort lieben konnte ich sie nicht.
Ich lernte erst sie zu lieben, als ich vergaß,
dass sie aus meinem Mastbauch gekommen war.
Ich gab ihr einen Teil meines Schmerzes ab, jetzt, da
die Welt etwas zu mir sagt, höre ich es,
als schrie jemand, als riefe er unter Wasser. 
(...)

Übersetzerin: Dagmara Kraus

Dagmara Kraus wurde 1981 im polnischen Wrocław geboren. Im Alter von sieben Jahren kam sie nach Deutschland, bis dahin sprach sie ausschließlich Polnisch. Sie schreibt ihre Texte in deutscher Sprache und lebt als Dichterin und Übersetzerin in Frankreich.
(...)

Animation

Marta Szymańska
(geb. 1991 in Warschau) studierte an der Filmhochschule Łódź, Fachbereich: Animationsfilme und Spezialeffekte. Charakteristisch für ihre Animationsfilme wie „Pomarańczarka“, „Moko“ oder „Tango tęsknot“, sind die onirische Erzählweise und der subjektive Blick. Im technischen Aspekt verbinden ihre Arbeiten die Animation mit dem pulsierenden gemäldeartigen Stoff. Neben den Animationsfilmen befasst sich die Autorin auch mit der Malerei und leitet Workshops für Kinder.
>> Weitere Animationen von Marta Szymańska April 2017
© Goethe-Institut Polen

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