Vortrag, Diskussion Gedankenwerkstatt

warsztat myśli .

Mi, 10.10.2018

Goethe-Institut Krakau

Rynek Główny 20
Krakau

Dr. Tomasz Szybisty: Versteinerte Leiche in Hochzeitstracht, oder was der Seemann in der Geschichte von Geschichte E.T.A. Hoffmann unter der Erde tatsächlich gesehen hat?

Warum wachsen Paradiesblumen unter der Erde?
Beschäftigten sich die Romantiker noch vor Freud mit der Psychoanalyse?
Und wer ist die stumme Königin der Unterwelt?
 
Diese und viele andere Fragen werden von Dr. Tomasz Szybisty, Germanisten und Kunsthistoriker, Dozent an der Pädagogischen Universität in Krakau, während des ersten Treffens im Rahmen des Zyklus „Gedankenwerkstatt“ beantwortet.
 
Die Erzählung von E.T.A. Hoffman „Die Bergwerke zu Falun“ wird immer wieder neu interpretiert. Viele Literaturwissenschaftler treten dabei in die Fußstapfen von Emil Lorenz, der seine Erwägungen zu diesem Text in der von Sigmund Freud herausgegebenen Zeitschrift „Imago“ veröffentlichte, und behaupten, dass dieses kurze und perfekt strukturierte Werk eine ausgebaute erotische Symbolik beinhaltet und zugleich eine Art tiefenpsychologische Analyse des Unbewussten avant la lettre darstellt. Der wichtigste Punkt der Erzählung ist der Traum des Protagonisten Elis Fröbom.
Er spielt sich in einer unterirdischen Szenerie ab, in der das Meer zu Kristall wird, metallische Pflanzen aus den Herzen liebreizender Frauen herauswachsen und eine stumme Königin erscheint. Sie erfüllt den jungen Seemann mit Lust und Angst und wird oft als Emanation der toten Mutter des Protagonisten interpretiert.
Dieser ungewöhnlich rätselhafte Traum veranlasst Elis, seinen bisherigen Beruf aufzugeben und sich nach Falun zu begeben, um dort sein Glück als Bergmann zu versuchen. In Falun verliebt er sich in die schöne Ulla. Am Tag seiner Hochzeit mit ihr kommt Elis im Bergwerk ums Leben. Seine in Vitriolwasser konservierte Leiche wird nach mehreren Dutzend Jahren zufällig gefunden und von seiner Geliebten, inzwischen einer alten Frau, wiedererkannt.
Ausgangspunkt für diese unglaubliche Geschichte waren wahre Ereignisse, die übrigens nicht nur von Hoffmann, sondern auch von vielen anderen Schriftstellern literarisch bearbeitet wurden.
In seinem Vortrag im Rahmen des Zyklus „Denkwerkstatt“ wird Tomasz Szybisty versuchen, im Kontext wissenschaftlicher Diskurse um 1800 die Frage danach zu beantworten, was Elis Fröbom unter der Erde gesehen hat, und dadurch ein neues Licht auf „Die Bergwerke zu Falun“ zu werfen.
 
Tomasz Szybisty, Studium der Kunstgeschichte (1999-2004) und der Germanistik (2000-2005) an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Stipendienaufenthalte in Leipzig, Rostock, Köln und München. 2010 Promotion im Fach Kunstgeschichte mit der Arbeit Kirchliche Glasmalereien aus dem 19. Jahrhundert in Krakau. Seit 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Neuphilologischen Institut der Pädagogischen Universität Krakau. Mitglied des Verbandes Polnischer Germanisten, des Verbandes Polnischer Kunsthistoriker und des Corpus Vitrearum. Seit 2015 Ko-Leiter des Internationalen Forschungsprojektes „Literatura – Konteksty“, das von der Pädagogischen Universität Krakau und den Universitäten in Warschau, Wuppertal und Santiago de Compostela realisiert wird, und Mitherausgeber der gleichnamigen Buchreihe.
 

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