Deutsche hoch vier

Deutsche hoch vier © Goethe-Institut Krakau

Mo, 01.06.2020 -
Mo, 15.06.2020

ONLINE

Diskussionsreihe zu deutschsprachigen Literatur

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An dieser Diskussion in der Reihe „Deutsche hoch Vier“ nimmt Maciej Jakubowiak teil – Literaturwissenschaftler und Literaturkritiker, der u.a. für folgende Zeitschriften schreibt: „Tygodnik Powszechny”, „Polityka”, „Znak”. Essayist, Redakteur der Zeitschrift „Dwutygodnik”. 2017 erschien sein Buch über das Autorenrecht „Nieuchronny plagiat” (2017).
 
Wir diskutieren über die Romane: „Der Reisende” von Ulrich A. Boschwitz (2019 in polnischer Übersetzung von Elżbieta Ptaszyńska-Sadowska im Verlag Znak Literanova erschienen) und „Bruchzone” von Wolfgang Bauer (erscheint am 19.02.2020 in polnischer Übersetzung von Elżbieta Kalinowska im Verlag Czarne).
 
UIrich A. Boschwitz „Der Reisende“ - Deutschland im November 1938. Otto Silbermanns Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Er selbst versucht, unsichtbar zu bleiben, nimmt Zug um Zug, reist quer durchs Land. Er beobachtet die Gleichgültigkeit der Masse, das Mitleid einiger Weniger. Und auch die eigene Angst. Der jüdische Kaufmann Otto Silbermann, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, wird in Folge der Novemberpogrome aus seiner Wohnung vertrieben und um sein Geschäft gebracht. Mit einer Aktentasche voll Geld, das er vor den Häschern des Naziregimes retten konnte, reist er ziellos umher. Zunächst glaubt er noch, ins Ausland fliehen zu können. Sein Versuch, illegal die Grenze zu überqueren, scheitert jedoch. Also nimmt er Zuflucht in der Reichsbahn, verbringt seine Tage in Zügen, auf Bahnsteigen, in Bahnhofsrestaurants. Er trifft auf Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie auf schlechte Menschen. Noch nie hat man die Atmosphäre im Deutschland dieser Zeit auf so unmittelbare Weise nachempfinden können. Denn in den Gesprächen, die Silbermann führt und mithört, spiegelt sich eindrücklich die schreckenerregende Lebenswirklichkeit jener Tage.
 
Wolfgang Bauer „Bruchzone“ – Während wir in Europa weiterhin in einer Art Komfortzone leben, toben in anderen Weltregionen Kriege, zerfallen staatliche Institutionen, leiden Millionen Menschen Hunger. Der Zeit-Journalist Wolfgang Bauer erkundet diese Bruchzone seit Jahren. Für sein neues Buch hat er einige seiner eindringlichsten Reportagen zusammengestellt: über nordkoreanische Geisterschiffe, die an der japanischen Westküste angeschwemmt werden, über den »Maniak«, einen Serienmörder, der in der russischen Wolgaregion sein Unwesen treibt, oder über die Odyssee pakistanischer Seeleute, die am Horn von Afrika Piraten in die Hände fallen. Bauers Reportagen zeigen die politische und soziale Wirklichkeit aus der Nähe und in ihrer ganzen Komplexität. Anhand konkreter Einzelschicksale entfaltet er virtuos die sozialen und historischen Hintergründe regionaler Konflikte. Dabei gelingt ihm stets die delikate Gratwanderung: Hoffnung ohne Naivität, Mitgefühl ohne Kitsch.
 

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