Filmabend „Havarie“

Filmstill „Havarie“ © Goethe-Institut

Sa, 13.05.2017

Goethe-Institut Warschau

ul. Chmielna 13A
Zugang ul. Chmielna 11
00-021 Warszawa

Reg. Philip Scheffner

Am 14.9.2012 um 14:56 Uhr meldet das Kreuzfahrtschiff "Adventure of the Seas" der spanischen Seenotrettung die Sichtung eines havarierten Flüchtlingsbootes mit 13 Personen. Aus einem Youtube-Clip wurde ein Dokument, in dem sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Reisenden auf dem Mittelmeer spiegeln.

Die Koordinaten 37°28.6'N und 0°3.8'E markieren einen Punkt im Mittelmeer – 38 Seemeilen vor der Hafenstadt Cartagena in Spanien oder 100 Seemeilen von der algerischen Hafenstadt Oran entfernt – je nach Perspektive der Erzählung. Von diesem Punkt im Meer aus betrachtet, besteht die ganze Welt aus Wasser, Himmel und einem grenzenlosen Horizont. Ein „Meer der Möglichkeiten“, aufgeladen mit Hoffnungen, Ängsten und Träumen von Reisenden.

Der Funkverkehr zwischen dem Kreuzfahrtschiff, der Zentrale im Hafen von Cartagena, dem Seenotrettungskreuzer „Salvamar Mimosa“ und dem Helikopter „Helimer 211“ strukturiert den akustischen Raum des Films. Auf der Bildebene zieht sich der filmische Raum zu einer einzigen, ungeschnittenen Sequenz zusammen, die sich über die gesamte Laufzeit des Films wölbt. Es ist ein kurzer Youtube-Clip, der uns heute wie die Essenz, die Verdichtung der Situation auf dem Mittelmeer erscheint. In Einzelbildern wird das Schlauchboot mit 13 Gestalten an Bord zur Ikone der täglichen Nachrichtenbilder, wir sind gezwungen hinzusehen.

HAVARIE gibt uns Zeit und bietet uns damit das wertvolle Geschenk, aufmerksam zu sein, uns treiben zu lassen, frei zu assoziieren, Unbehagen zu spüren und die Anstrengung zu erfahren, sich in Beziehung zu setzen.

Philip Scheffner arbeitet seit 1985 als Videokünstler. Seine abendfüllenden künstlerischen Dokumentarfilme The Halfmoon Files, Der Tag des Spatzen und Revision wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und von der internationalen Presse hochgelobt. Darüberhinaus komponiert und produziert er elektronische Musik.

Einführung: Mag. Aleksander Kmak — Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker, Doktorand am Fachbereich Film und visuelle Kultur des Instituts für polnische Kultur an der Warschauer Universität. Er beschäftigt sich mit Filmtheorie und -geschichte als Elementen der Reflexion über das Bild und die mit ihm zusammenhängenden Praxen, insbesondere mit dem Fall von pornographischen Bildern als Grenzmodell der Repräsentation. Er schreibt regelmäßig als Kritiker für das Magazin „Szum“, seine Beiträge wurden auch auf dem Portal obieg.pl veröffentlicht.

 

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