kulinarische Aktion Stadtfestmahl

Pflanzen © Rys. Aleksandra Przegalińska

Fr, 29.07.2016

Goethe-Institut Warschau

ul. Chmielna 13A
Zugang ul. Chmielna 11
00-021 Warszawa

Die essbare Weltkarte der Migration

Von Dagna Jakubowska & Niko Willborn

Ein gemeinsames Abendessen verbunden mit einem kulinarischen Workshop – dies ist das Ergebnis einer Forschungsexpedition auf der Suche nach den unscheinbaren, vergessenen, selten genutzten natürlichen städtischen Nahrungsressourcen.

Einige der essbaren Wildpflanzen, die sich über ihren angestammten Lebensraum hinaus ausbreiten, städtische Parks und brachliegende Flächen erobern und aus den Rissen im Asphalt sprießen, sind ebenso nahrhaft wie gesund. Viele von ihnen werden zu den invasiven Arten gezählt und befinden sich unter anderem auf der Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) und der Liste „One Hundred of the World's Worst Invasive Alien Species” (einem Teil der Global Invasive Species Database). Die Entscheidung, ob eine bestimmte Art als invasiv einzustufen ist, erfolgt oft willkürlich: Ortsfremde Arten können entweder als invasiv – also als schädlich für die einheimische Umwelt, die Wirtschaft und die Gesundheit – oder als ein nützlicher Bestandteil der lokalen Biodiversität angesehen werden.
 
Auf dem Speiseplan stehen „eingewanderte“ Wildpflanzen, unter anderem Fallopia japonica (Japanischer Staudenknöterich), Rosa rugosa (Japanrose) und Robinia pseudoacacia (Gewöhnliche Robinie). Während der Verkostung der verblüffenden experimentellen Gerichte lernen wir nicht nur etwas über die Migrationsgeschichte essbarer Wildpflanzen, sondern auch über die mediale und die – offizielle und inoffizielle – wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema.
 
Wir laden ein zu einem ganz besonderen Abendessen, einer Therapie gegen die Ängste, die sich mit den Begriffen Migration und (Bio)diversität verbinden.
 
  • Robinia pseudoacacia
    © Aleksandra Przegalińska
  • Rosa rugosa
    © Aleksandra Przegalińska
  • Fallopia japonica
    © Aleksandra Przegalińska
Das Projekt „Die essbare Weltkarte der Migration“ entstand aus der Praxis der Warschauer Künstlerin Dagna Jakubowska. Ihre kritisch-kulinarischen Aktionen an der Schnittstelle zwischen Kunst, Wissenschaft, Gastronomie und gesellschaftspolitischem Engagement beweisen eindrucksvoll, dass sich in unserem Speiseplan die wichtigsten Probleme der Gegenwart widerspiegeln und dass die Küche seit jeher ein Raum für Performance, Innovativität und Rebellion ist.  Auch die kulinarische Performance „Die essbare Weltkarte der Migration“ entstand aus ihrer Auseinandersetzung mit der Frage, inwieweit die Politik unsere Ernährung beeinflusst und wie andererseits ernährungstechnische Entscheidungen die Welt verändern.
 
Niko Willborn ist ein deutsch-finnischer Art-Director und Koch, der Supper-Clubs für Feinschmecker mit dem Schwerpunkt interessantes Essen und ungewöhnliche, essbare Wildpflanzen organisiert. Sein freigeistiger Kochstil wurde von zahlreichen Avantgarde-Kochbüchern wie Noma und Michel Bras beeinflußt. Er war für das Foodstyling und Layout des vor Kurzem mit dem World Cookbook Award in der Kategorie Photography ausgezeichneten „Dandy-Kochbuchs“ verantwortlich.

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